[Rezension] Renate Ahrens - "Das gerettete Kind"

Renate Ahrens - Das gerettete Kind
Gegenwartsliteratur

Verlag: Droemer-Knaur-Verlag
Umschlaggestaltung: Sabine Kwauka
Umschlagabbildung: Matt Adrian, The Mincing Mockingbird
ISBN-13: 978-3-426-28114-7
Seiten: 346 Seiten
Erschienen: 1.3.2016

Buchrückentext
„Als sich die achtzehnjährige Irin Rebecca in den deutschen Austauschstudenten Jonas verliebt, rührt sie an ein altes Familien-Tabu. 1939 wurde ihre Großmutter Irma als Zwölfjährige mit einem jüdischen Kindertransport aus Nazi-Deutschland gerettet – der hohe Preis dafür war  der Verlust der Eltern und Freunde. Dieses Trauma begleitet Irma und ihre Familie ihr ganzes Leben. Nun beginnt Rebecca, Fragen zu stellen. Ihre Nachforschungen reißen alte Wunden auf, eröffnen Irma aber auch die Möglichkeit, ihr Schweigen zu brechen und von damals zu berichten – von ihrem Schicksal und einer Schuld, die sie auf sich lud.“

Meine Meinung
Es war mein erstes Buch der Autorin, aber sicher nicht mein letztes. Mich hat nicht nur die Geschichte sehr angesprochen, sondern auch die Art des Erzählens und der klare Schreibstil, da bin ich schon gespannt auf weitere Bücher der Autorin.

In diesem Buch stehen drei Frauen einer Familie im Mittelpunkt – Großmutter Leah, die als Kind in einem jüdischen Kindertransport aus dem Nazi-Deutschland gerettet werden konnte, ihre Enkelin Rebecca, die sich in einen jungen deutschen Austauschstudenten verliebt hat und ihre Mutter Leah, die alles, was mit Deutschland zu tun hat, meidet. War das Thema 2. Weltkrieg und Deutschland bisher ein Tabu-Thema in der Familie, schafft Rebecca es, die Grenzen aufzubrechen und bringt ihre Großmutter dazu, über die damalige Zeit zu sprechen.

Mir hat vor allem die Art, die Geschichte zu erzählen, sehr gut gefallen – jede der drei Frauen kommt zu Wort, jede hat eigene, oft nur kurze, aber dennoch bedeutsame Kapitel, in denen sie aus ihrer Sicht erzählt. Die Kapitel wechseln sich ab, da aber immer der Name der Erzählenden drüber steht, kann man da gar nicht durcheinander kommen. Durch die Ich-Erzählform aller drei Frauen konnte ich mich sehr gut in sie hineinversetzen – obwohl sie wirklich sehr unterschiedlich sind und auch völlig unterschiedliche Meinung zu gewissen Dingen haben. Nach und nach habe ich alle drei Frauen in mein Herz geschlossen, auch wenn ich nicht immer ihrer Meinung war, konnte ich sie doch in vielem gut verstehen – eben weil ich durch die Erzählweise Einblick in ihre Gefühle und Gedanken erhalten habe. Dabei passt sich der Schreibstil an die jeweilige Person an – bei Rebecca ist er eher jugendlich, bei Leah kommt ihre Verzweiflung gut zum Vorschein, bei Irma ist es vor allem der Schmerz, der sich durch ihre Worte ausdrückt. Allen gemeinsam ist aber ein prägnanter Schreibstil, der auf den Punkt kommt, der aber dennoch die Stimmungen sehr gut einfangen kann. Und obwohl Beschreibungen fehlen oder nur knapp gehalten sind, konnte ich mir die verschiedenen Szenerien sehr gut vorstellen.

Das Thema Kindertransport war mir nicht neu, interessant fand ich in dieser Geschichte aber die Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen, wie die Familie damit umgeht oder wie es eben zu einem Tabu-Thema wird – gerade in dieser Geschichte sind die Beziehungen untereinander sehr interessant, da sie geprägt sind vom Erleben Irmas, jeder aber mit seinem Wissen (oder eher Halbwissen, weil Irma so viel verschwiegen hat) anders umgeht. Es ist nicht nur die Beziehung zwischen Irma und ihrer Tochter Leah, auch die der Kinder untereinander oder die von Irma zu ihrem Ehemann. Mich hat die Geschichte zum Nachdenken gebracht – nicht nur wegen des Thema Kindertransporte, sondern auch weil sie zeigt, dass Schweigen keine Lösung ist, dass man miteinander sprechen sollte, um Missverständnisse zu vermeiden. 

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, weil es mir verschiedene Ansichten und Figuren näher gebracht hat und ich teilhaben konnte an ihren Gefühlen und Gedanken – so unterschiedlich die Figuren auch waren. Dabei liegt der Schwerpunkt der Geschichte – obwohl es inhaltlich um den 2. Weltkrieg geht – doch in der Gegenwart, was mit den nachfolgenden Generationen geschehen ist oder immer noch geschieht, auf ihren Beziehungen untereinander, auf den Spannungen innerhalb einer Familie. Ich kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen und gebe ihm gute 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine sehr interessante Geschichte, die zeigt, was für Auswirkungen das Verschweigen der Vergangenheit auf die nachfolgenden Generationen haben kann, eine berührende und auch nachdenkliche stimmende Geschichte, die bei mir noch lange nachhallt. Mir hat vor allem die Erzählweise sehr gut gefallen, in der verschiedene Frauen einer Familie, aber aus unterschiedlichen Generationen zu Wort kommen und man so Einblick in ihre Gefühle und Gedanken erhält. Ich gebe dem Buch gute 4 von 5 Sternen und werde sicher zu weiteren Büchern der Autorin greifen.

Vielen Dank an den Droemer-Knaur-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Das Buch hatte ich auch am Schirm. Unsere Bücherei hat auf jeden Fall ein anderes buch von ihr, weil ich dieses schon lange lesen möchte. Vielleicht kommt das zuerst einmal mit nach Hause....allerdings finde ich gerade das Thema dieses Romans sehr interessant!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hast du nicht damals auch "Der Zug der Waisen" gelesen? Das fand ich ja ganz toll - und doch ist dieses hier ganz anders. Es spielt vorwiegend in der Gegenwart und es geht mehr um die drei Frauen aus den drei Generationen als um das, was tatsächlich geschehen ist. Trotzdem war das Buch super und ich werde sicherlich weitere Bücher von Renate Ahrens lesen.
      LG Sabine

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    2. Ja, ich habe "Der Zug der Waisen" gelesen und es hat mir sehr gut gefallen! "Das gerettet Kind" wird auf jeden Fall auf meiner Wunschliste bleiben!
      Liebe Grüße
      Martina

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