[Leseeindruck] Ka Hancock - "Tanz auf Glas"

Ka Hancock - Tanz auf Glas
Roman

Verlag: Droemer-Knaur
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: Gettyimages /Rekha Garton
ISBN-13: 978-3-426-65322-7
Seiten: 520 Seiten
Erschienen: 2. September 2013
Originaltitel: „Dancing On Broken Gas“
Übersetzerin: Katharina Volk

Buchrückentext
„Vielleicht hätten Lucy Houston und Mickey Chandler sich nie verlieben dürfen. Und erst recht nicht heiraten. Denn beide haben ein schweres Schicksal zu tragen. Doch die Liebe geht ihre eigenen Wege, und so führen Lucy und Mickey eine ungewöhnliche, aber glückliche Ehe. Als ihr Leben eine dramatische Wendung nimmt, wird die Kraft ihrer Gefühle einer harten Prüfung unterzogen.“

Leseeindruck
Ich hatte von diesem Buch nur begeisterte Stimmen gehört und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Ich wusste auch, dass es ein sehr emotionales Buch sein soll, in dem man viele Taschentücher benötigt, den Klappentext habe ich mir trotzdem nicht näher angeschaut – vielleicht hätte ich das tun sollen, denn so muss ich leider sagen, dass mich das Buch nur enttäuscht hat.

Es war auch für mich eine Achterbahn der Gefühle – aber eher zwischen Wut und Langeweile. Zwar bin ich gut in die Geschichte reingekommen, vor allem auch, weil ich den Schreibstil sehr mochte, aber leider war ich auch schnell gelangweilt und genervt. Das erste, was mir negativ aufgestoßen ist, sind die eher langweiligen Charaktere, die einfach alle nur gut sind: die Protagonisten (sieht man mal von ihren Krankheiten ab), die Geschwister, die Familien, die Nachbarn, die Ärzte und die Dorfbewohner – alle sind gut und haben sich lieb. Das fand ich doch sehr unglaubwürdig und hat mich auch massiv gestört. 

Der weitere Verlauf hat mich bis zur Hälfte des Buches doch einige Nerven gekostet. Die Geschichte um Mickey mit seiner bipolaren Störung hat mich sehr interessiert – vor allem seine Tagebucheinträge fand ich spannend. Nur leider dreht sich der größte Teil der Geschichte um Lucy und ihre Brustkrebserkrankung und eben das Ereignis, das die beiden eigentlich für sich komplett ausgeschlossen hatten. Das das Buch medizinisch einfach nur schlecht recherchiert ist, mag dem medizinischen Laien nicht auffallen, mir aber leider schon (was an meinem Beruf liegt). So viel Mist, wie hier behauptet und erzählt wird, habe ich selten gelesen und das hat mich schon sehr genervt. Aber auch, wie die beiden Protagonisten miteinander umgehen, habe ich nicht verstanden. Da hat wirklich jeder nur sich im Blick – selten habe ich zwei so egoistische Menschen kennengelernt wie in diesem Buch. Natürlich ist die Situation äußerst schwierig, aber für mich gab es so viele Ungereimtheiten, dass ich mich wirklich geärgert habe. Außerdem ist die ganze Geschichte höchst vorhersehbar und schon im ersten Drittel habe ich geahnt, worauf das Ganze hinausläuft – und genau so ist es auch gekommen, keine Überraschung, keine unerwartete Wendung. Und so dramatisch die ganze Geschichte auch ist, gibt es doch ein versöhnliches Ende.

Ich muss gestehen, dass ich das Buch in der Mitte am liebsten in die Ecke gepfeffert hätte, ich bin dann aber doch drangeblieben und muss sagen, dass mich vor allem die letzten 50 Seiten etwas versöhnlicher gestimmt haben. Immer noch ist das Buch schlecht medizinisch recherchiert, aber hier bekommt man sehr viele Einblicke in Mickeys Gefühls- und Seelenleben – und das fand ich sehr authentisch und glaubhaft; und diese 50 Seiten haben mich auch berührt.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, lässt sich gut lesen und kann die melancholische Stimmung, die eigentlich von Anfang an über der Geschichte schwebt, gut einfangen. Leider gab es aber viele Kapitel, in denen einfach nicht viel passiert ist und die sich dann doch sehr gezogen haben – auch das hat meine eh schon negative Meinung zum Buch nicht verbessert. Es lag aber vor allem an der Geschichte selber, die mich nicht abholen konnte, ich kann mir aber gut vorstellen, was andere Leser an diesem Buch so toll fanden. Vielleicht liegt es auch an meinen eigenen Erfahrungen und meinem beruflichen Hintergrund, dass dieses Buch nichts für mich war, daher will ich es nicht schlecht bewerten und vergebe keine Sterne - ich kann aber ahnen, was andere Leser in diesem Buch so berührt und fasziniert hat. 

Mein Fazit
Mir hat das Buch leider gar nicht gefallen, was vor allem an der Geschichte selber lag mit all seinem Kitsch und den vielen Gutmenschen, die einfach nicht glaubhaft waren, aber auch an der schlechten medizinischen Recherche, die mich schier wütend gemacht hat. Das mag dem Laien gar nicht auffallen, weswegen ich verstehen kann, dass das Buch aufwühlt, berührt und gefällt, mich aber hat es enorm gestört. Leider fand ich viele Passagen auch sehr langatmig, obwohl der Schreibstil selber sehr angenehm war und die melancholische Atmosphäre des Buches auch gut einfangen konnte. Nur die letzten 50 Seiten haben mich wirklich berührt – doch das reicht einfach nicht, um ein Buch empfehlen zu können.

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