Marco Hasenkopf – Eisflut 1784 (Henrik Venray und Anna-Maria Scheidt #1)
Historischer Kriminalroman
Verlag: Emons-Verlag
ISBN-13: 978-3-7408-1169-3
Seiten: 336 Seiten
Erschienen: 18.11.2021
Umschlaggestaltung: Nina Schäfer
Umschlagmotiv: shutterstock.com/mycteria
Zum Inhalt
„Cöln 1784: Mitten im härtesten Winter seit Menschengedenken geht ein Serienmörder in der Stadt um. Amtmann Henrik Venray und die eigenwillige Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt begeben sich auf die Jagd nach ihm und müssen nicht nur gegen eine Bestie in Menschengestalt, sondern auch gegen Kälte und Hunger kämpfen. Zu allem Überfluss droht eine Schmelzwasserflut von unvorstellbarem Ausmaß über Cöln und das Rheinland hereinzubrechen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.“ (Quelle: Verlagsseite)
Meine Meinung
Im eisigen Winter 1784 steuert die Stadt Cöln auf eine Katastrophe zu: Während die kalten Temperaturen den Menschen alles abverlangen und der Rhein zuzufrieren droht, hält ein brutaler Serienmörder die Bevölkerung in Atem. Mitten in dieser angespannten Lage übernimmt der gesetzstreue Amtmann Henrik Venray die Ermittlungen. An seiner Seite kämpft die resolute Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt nicht nur gegen den Unbekannten, sondern auch gegen die gesellschaftlichen Spannungen und die drohende Schmelzwasserkatastrophe, die die gesamte Region zu überschwemmen droht.
Ich hatte viel Gutes über das Buch gehört, viele begeisterte Stimmen gelesen und schließlich hat es auch den Literaturpreis „Goldener HOMER“ gewonnen – vielleicht waren meine Erwartungen da einfach ein bisschen zu hoch, denn mich hat das Buch leider nicht begeistern können. Dabei hat mich das reale historische Ereignis der Eisflut als Wahl-Kölnerin brennend interessiert, und Marco Hasenkopf hat zweifellos hervorragend recherchiert – die beschriebenen Gegebenheiten vor Ort und der historische Konkurrenzkampf zwischen dem damaligen Müllem und Cöln sind wirklich gut dargestellt. So sehr er sich hier aber oft in Details verliert, so sprunghaft habe ich die Handlung empfunden. Dazu kommt, dass der dominierende Kriminalfall auf mich recht konstruiert wirkte und ich diesen bei den vielen anderen spannenden Themen gar nicht gebraucht hätte. Denn neben der Eisflut und dem Konkurrenzkampf zwischen den Städten hätte auch der reale historische Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken bereits mehr als genug Zündstoff geboten.
Die Charaktere konnten mich leider nur teilweise überzeugen. Mit Amtmann Henrik Venray bin ich bis zum Schluss nicht warmgeworden. Er wirkt sehr dröge und verhält sich schlicht wie ein Beamter. Obwohl er viel durchmacht, man ihn auf Schritt und Tritt begleitet und er immer wieder in lebensgefährliche Situationen gerät, die eigentlich erschüttern müssten, habe ich emotional nicht mit ihm mitgefühlt. Die Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt hingegen mochte ich. Sie ist direkt, nicht auf den Mund gefallen und lässt sich absolut nichts vormachen. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden kam für meinen Geschmack jedoch viel zu plötzlich und wirkte auf mich leider nicht glaubhaft.
Der Roman lässt sich zügig lesen, stellt aber den fiktiven Mordfall deutlich stärker in den Vordergrund als das eigentliche Flutgeschehen. Der Schreibstil ist etwas eigenwillig, sodass ich eine kurze Eingewöhnungszeit brauchte. Durch historische Begriffe wie Redingote oder die damaligen Schreibweisen Cöln und Müllem wird die Atmosphäre der Epoche jedoch sprachlich gut transportiert.
Insgesamt konnte mich das Buch leider trotz einiger wirklich interessanter Ansätze nicht begeistern – vielleicht hatte ich aber auch einfach die falschen Vorstellungen.
Mein Fazit
Ein historischer Kriminalroman vor einer faszinierenden, sehr gut recherchierten Kulisse, der mein Wahl-Kölner Herz bezüglich der Ortsgeschichte absolut angesprochen hat. Trotz der tollen Grundidee zum Eiswinter 1784 blieb die Geschichte für mich wegen der blassen Hauptfigur und des recht konstruierten Mordfalls hinter meinen Erwartungen zurück. Wer detailliert recherchierte Lokalhistorie mag, findet hier aber dennoch eine interessante Lektüre für zwischendurch.
~~ Das Buch ist Gewinner des Goldenen HOMER 2022 ~~
Henrik Venray und Anna-Maria Scheidt
1. Eisflut 1784
2. Sündflut 1784

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