[Rezension] Julia Holbe - "Unsere glücklichen Tage"

Julia Holbe - Unsere glücklichen Tage
Gegenwartsliteratur
 

 Verlag: Penguin-Verlag
 ISBN-13: 978-3328106463
 Seiten: 320 Seiten
 Erschienen: 13.4.2021
 Umschlaggestaltung: bürosüd nach einem Entwurf von Cornelia Niere
 Umschlagabbildung: Arcangel Images /Nikki Smith; DEEPOL by plainpictures; Getty Images /Southern Stock

   
Buchrückentext
„Lenica, Marie, Fanny und Elsa verbringen einen nicht enden wollenden Sommer am Meer. Wie ein Versprechen liegt die Zukunft vor ihnen, so ausgelassen und unbeschwert sind sie, dass sie gar nicht merken, wie das Leben seine Weichen stellt. Als sie sich viele Jahre später wiedersehen, erkennen sie, dass ihre Sehnsüchte sie immer noch wie eine schicksalhafte Kraft verbinden. Trotz allem, was geschehen ist, seit jenem Abend, als Lenica ihren Freund Sean mitbrachte. Und die unaufhaltbare Geschichte ihren Lauf nahm …“ 

Meine Meinung
Ich hatte das Buch in einem Bücherschrank entdeckt, und das Cover hat mir sehr gut gefallen – genauso wie der Klappentext. Dass es eine so schöne Geschichte wird, hatte ich da aber nicht gedacht.

Eine Clique junger Frauen, ein endloser Sommer an der Atlantikküste und das Gefühl, dass die Zukunft offen vor ihnen liegt: Lenica, Marie, Fanny und Elsa spüren kaum, wie prägend die gemeinsamen Wochen in Frankreich für ihr gesamtes Leben werden sollen. Erst als sich ihre Wege viele Jahre und eine lange Funkstille später wieder kreuzen, wird ihnen klar, wie unlösbar sie immer noch miteinander verbunden sind. Denn der Sommer von damals hinterließ Spuren – nicht zuletzt wegen Sean, der damals plötzlich in ihrem Kreis auftauchte und das Gefüge der Gruppe für immer veränderte.

Dieses Buch hat mir richtig gut gefallen, was vor allem an der schönen, sommerlichen und irgendwie auch wehmütigen Atmosphäre liegt. Julia Holbe fängt den Sommer, die Wärme, das Meer und das Gefühl von purer Freundschaft wunderbar ein. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: zum einen in jener unbeschwerten Jugendzeit an der Küste, zum anderen in der Gegenwart, in der die erwachsenen Frauen wieder aufeinandertreffen.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet – authentisch, frei von Stereotypen und so vielschichtig, dass ich das Gefühl hatte, sie alle aus dem echten Leben zu kennen.

Lenica ist wohl die schillerndste von ihnen, ein echter Magnet für ihre Mitmenschen. Sie ist sich ihrer selbst sehr bewusst und sehr eigenwillig. Mir hat unheimlich gut an ihr gefallen, dass es ihr völlig egal ist, was andere über sie denken – sie macht sich selbst zum Mittelpunkt, ohne dabei aber egoistisch zu wirken. 

Marie und Fanny bleiben zwar etwas blasser im Hintergrund, doch auch sie nehmen wichtige Rollen ein und machen dieses Gespann erst komplett. 

Die Erzählerin Elsa wirkt im Vergleich zu Lenica viel „normaler“, lässt sich von deren Energie aber sehr gerne anstecken. 

Eine Schlüsselrolle nimmt Sean ein, der Unruhe in die Gruppe bringt – aber nicht im negativen Sinne, sondern im positiven, weil er eine ganz neue Dynamik mitbringt. Nach außen wirkt er wie ein „Bad Guy“ mit seiner coolen Art und den vielen Tätowierungen. Im Zusammenspiel mit den anderen lernt man aber seine liebevolle Seite kennen, mit guten Ideen, Hilfsbereitschaft und einem gewissen Charme. Man merkt aber auch, dass er ein Problem mit Nähe hat.

Jetzt darf man nicht denken, dass es sich um eine reine „Summer Romance“ handelt, auch wenn die Figuren zunächst daran denken lassen. Es ist ein Buch über Freundschaft und Liebe, einen unvergesslichen Sommer, aber eben auch ein Werk, in dem es um Schmerz, Verlust und Trauer geht.

Der Schreibstil ist angenehm, sommerlich und dicht. Gerade das Sommergefühl der französischen Küste ist sehr gut eingefangen: die Lethargie, die Hitze, diese fast greifbare Langsamkeit und das Sich-durch-den-Tag-Treiben-Lassen. Ich habe dieses Gefühl sehr geliebt – und vor allem genossen, dass es dennoch auch ernste Aspekte in diesem Buch gibt.

Mein Fazit 
Ein wunderschöner, atmosphärischer und mitreißender Roman über das Gefühl der Jugend, die Kraft der Freundschaft und die Spuren, die das Leben hinterlässt. Die nahbaren Figuren und der gekonnte Wechsel der Zeitebenen haben mich in der genau passenden Stimmung erwischt. Perfekt für alle, die Geschichten mit viel Sommergefühl suchen, die gleichzeitig aber auch eine spürbare emotionale Tiefe besitzen.


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