[Rezension] Melanie Metzenthin - "Im Lautlosen"

Melanie Metzenthin - Im Lautlosen
Historischer Roman

Verlag: Tinte & Feder
Umschlaggestaltung: bürosüd°, München
Umschlagabbildung: © Melanie Metzenthin Privatarchiv; © Geanine87 /Shutterstock
ISBN 13: 978-1-542-04596-4
Seiten: 524 Seiten
Erschienen: 11. Juli 2017

Buchrückentext
„Hamburg, 1926: An der noch jungen Universität der Hansestadt gehören Richard und Paula zu den begabtesten Medizinstudenten ihres Jahrgangs. Sie beide verbindet mehr als nur die Leidenschaft für den Arztberuf – sie verlieben sich unsterblich ineinander. Als nach ihrer Heirat die Zwillinge Emilia und Georg geboren werden, ist ihr Glück komplett, auch wenn der kleine Georg gehörlos ist. Doch dann ergreifen die Nationalsozialisten die Macht und das Leben der jungen Familie ändert sich von Grund auf. Richard, der inzwischen als Psychiater in der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn arbeitet, kann sich mit der menschenverachtenden Gesetzgebung der Nazis nicht arrangieren, von der auch sein gehörloser Sohn betroffen ist. Um seine Patienten vor der Euthanasie zu bewahren, erstellt er fortan falsche Gutachten. Damit nimmt er ein großes Wagnis auf sich, das nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Familie bedroht …“

Meine Meinung
Ich habe schon viele Bücher gelesen, die sich mit dem Holocaust beschäftigen und immer finde ich neue, interessante Aspekte – so auch in dieser Geschichte, bei der die Psychiatrie zur NS-Zeit, die systematische Tötung psychisch Kranker und die Zwangssterilisation Behinderter den Dreh- und Angelpunkt bildet.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr gut gelungen und die ersten 50 Seiten habe ich in einem Rutsch weggelesen – man lernt die beiden Medizinstudenten Richard und Paula im Hamburg des Jahres 1926 kennen und begleitet sie im weiteren dann über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren. Gerade zu Beginn ist die Geschichte sehr lebendig erzählt, die Charaktere wirken sehr authentisch und ich hatte fast das Gefühl, selbst Teil der Geschichte zu sein, so sehr hat mich die Autorin fesseln können. Zwar wechselt im Laufe des Buches die Erzählweise, und es gibt immer wieder Passagen, die dann sehr distanziert und kühl erzählt sind und dann eher an einen Bericht erinnern (vor allem gerade dann, wenn mehrere Jahre zusammengefasst werden und darüber berichtet wird), immer wieder aber auch kann man diesen gewinnenden und sehr lebendigen Schreibstil erleben, der mich fesseln und packen konnte. Aber auch die Geschichte selber war spannend und hat mich nicht losgelassen – ich habe bisher nur wenig über das Thema Psychiatrie in der Nazi-Zeit gelesen und gerade auch die Einblicke in das Thema der Tötung psychisch Kranker war sehr interessant. 

Natürlich haben auch die Charaktere das Ihre dazu beigetragen, dass ich mich in dem Buch so wohl gefühlt habe – Paula ist eine sehr selbstbewusste junge Frau, die sich zwar nicht so schnell unterbuttern lässt, dennoch aber auch ihre Grenzen kennt und weiß, wann sie besser den Mund hält. So findet sie ihren Weg und schafft es auch, sich durch die politischen Wirren zu lavieren. Richard leistet auf eine andere Art Widerstand und gerät dann natürlich auch in die politischen Mühlen – toll fand ich vor allem die Diskussionen zwischen den beiden, durch die ich viel über das damalige Denken und Fühlen gelernt habe. 

Ich habe dieses interessante und vor allem auch gut recherchierte Buch sehr gerne gelesen und freue mich, dass bald die Fortsetzung erscheinen wird. Einen Stern ziehe ich leider ab, weil mir dieser berichtartige, eher distanziert wirkende Erzählstil nicht so zugesagt hat – trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter und gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein interessantes Buch, in dem die Psychiatrie zur NS-Zeit im Mittelpunkt steht und ich viele für mich neue Einblicke gewinnen konnte. Zu großen Teil erzählt die Autorin sehr lebendig und spannend, immer wieder aber fällt sie auch in einen berichtartigen, kühlen Erzählstil, der mir nicht so zugesagt hat. Trotzdem ist die Geschichte spannend und ich habe die sympathischen Charaktere gerne begleitet – ich gebe 4 von 5 Sternen und freue mich auf die Fortsetzung.

Reihenfolge
1. Im Lautlosen
2. Die Stimmlosen (erscheint im Juli 2018 als ebook)


Kommentare:

  1. Das Buch schlummert schon eine ganze Weile auf meinem Reader, muss ich mir bald mal vorknöpfen.
    Liebe Grüße
    Susanne

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    1. Unbedingt - es lohnt sich!
      LG Sabine

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  2. Oh, das hört sich in der Tat interessant an - vielen Dank für die Vorstellung, da muss ich doch gleich mal gucken, ob meine Onleihe das hat.

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