[Rezension] Charlotte Roth - "Weil sie das Leben liebten"

Charlotte Roth - Weil sie das Leben liebten
Historischer Roman

Verlag: Knaur-Verlag
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Umschlagabbildung: © Malgorzata Maj /Arcangel Images; akg-images
ISBN-13: 978-3-426-51729-1
Seiten: 512 Seiten
Erschienen: 1. Juni 2016

Zum Inhalt 
„Berlin Ende der 1920er Jahre: Die junge Franka hat nur einen Wunsch – sie möchte Zoologie studieren. Ihre strengen Eltern und die Weltwirtschaftskrise machen ihren Traum zunichte, doch immerhin gelingt es ihr, eine Stelle als Tierpflegerin im Berliner Zoo zu bekommen. Die Arbeit mit den geliebten Tieren geht ihr über alles, ihnen schenkt sie ihre ganze Liebe – nicht den Menschen. Nur ganz allmählich fasst sie Zutrauen zu dem Tierarzt Carl, der vom Leben ähnlich gebeutelt wurde wie sie. Dann lernt sie den faszinierenden Adam kennen und lieben. Doch Adam ist Sinti, und inzwischen haben die Nazis die Macht in Deutschland ergriffen. Adams Leben ist in höchster Gefahr, und Franka ist bereit, für ihn zu kämpfen – und für ihre Tiere. Fortan weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann …“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Obwohl ich den Schreibstil von Charlotte Roth sehr mag, hat mich dieses Buch leider sehr enttäuscht: dabei ist das Thema toll und hätte viel Potential gehabt, leider war es aber langatmig und ohne Spannung umgesetzt.

Schon den Einstieg in die Geschichte fand ich nicht gelungen, sicherlich aber auch, weil ich mit der Protagonistin Franka einfach nicht viel anfangen konnte. Ihre Liebe zu Tieren ist ja gut und schön, ihr Verhalten als Kind und Jugendliche aber dennoch merkwürdig und für mich etwas befremdlich. Leider tröpfelt die Geschichte lange vor sich hin, obwohl das Thema der Verfolgung von Sinti im Nazideutschland doch ein sehr brisantes und interessantes ist, doch erst in der zweiten Hälfte des Buches kommt tatsächlich etwas Bewegung in die Geschichte. Leider aber hat die Autorin hier die Dinge nur sehr oberflächlich behandelt und bei einigen Punkten nur Andeutungen gemacht – dem Leser bleibt da viel Spielraum, sich zu überlegen, was passiert ist und wie es dazu kam. Da hätte ich mir wirklich mehr Tiefe gewünscht, auch wenn das vielleicht beim Lesen schmerzhaft gewesen wäre – aber die Zeit war nun einmal grausam und brutal und wird auch nicht besser, in dem man die Dinge nicht benennt. 

Dass ich mit der Protagonistin Franka so meine Probleme hatte, habe ich ja schon erwähnt – andere Charaktere haben mir da besser gefallen, allen voran Adam, der als Sinti von den Nazis verfolgt wird. Er hat ein so großes Herz und setzt sich für die ein, die er liebt – auch wenn er sich selber dafür opfern muss. Auch Kirschla, eine Sinti-Frau, mochte ich gerne, auch wenn sie doch sehr unkonventionell erschien und ich ihre Handlungen meist nicht nachvollziehen konnte – aber sie war beherzt in ihrem Tun und hat sich so schnell nicht kleinkriegen lassen. Auch andere Charaktere waren gut gestaltet und haben im Verlauf der Geschichte zum Teil erhebliche Entwicklungen durchgemacht – in positive wie auch in negative Richtungen. 

Große Teile des Buches spielen im Zoo und auch die Tiere nehmen in der Geschichte eine große Rolle ein. Mir hat das leider gar nicht gefallen, denn mich hätte die Geschichte der Menschen viel mehr interessiert – trotzdem aber war es interessant zu lesen, wie um das Überleben des Zoos im Hitler-Deutschland gekämpft wurde. 

Das Buch beinhaltet viele Zeitsprünge – man kommt zwar nicht durcheinander, weil die Geschichte dennoch linear erzählt ist und vor jedem Kapitel steht, in welchem Jahr man sich befindet, dennoch aber hat mich sehr gestört, dass wichtige Dinge in den übersprungenen Monaten und Jahren geschehen und man von ihnen nur im Nachhinein erzählt bekommt. Ich wäre da beim Geschehen viel lieber direkt dabei gewesen als es nur kurz im Nachhinein zu erfahren - das hat der Geschichte für mich leider auch alles an Spannung genommen. 

Toll ist dagegen der Schreibstil, der sich sehr gut und flüssig lesen lässt und der auch diese Zoo-Atmosphäre gut einfangen konnte. Die Geschichte selber hatte dagegen leider sehr viele Längen und Spannung ist kaum aufgetreten – und auch das Ende hat mich enttäuscht, denn hier hätte ich mir wirklich eine andere Auflösung gewünscht.

Mein Fazit
Mich hat dieses Buch leider gar nicht überzeugen können. Die Geschichte ist langatmig und bietet kaum Spannung, mit der Protagonistin konnte ich zudem leider gar nichts anfangen. Obwohl das Thema so viel Potential hatte, wurde es aus meiner Sicht leider nicht genutzt, vielleicht auch, weil vieles nur angedeutet, aber leider nicht richtig ausgeführt wurde. Die vielen Zeitsprünge haben das leider noch verstärkt, weil viele wichtige Ereignisse nur in Rückblenden erwähnt wurden – hier hätte ich mir gewünscht, direkt beim Geschehen gewesen zu sein. Nur der Schreibstil konnte mich wieder überzeugen – die Umsetzung des Themas aber leider gar nicht. Ich gebe 2,5 von 5 Sternen.


4 Kommentare:

  1. Ooooh. Danke. Das stand auf meiner Leseliste. Nun nicht mehr. ;-)

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    1. Ich glaube, du hättest dich auch geärgert - oder abgebrochen. Ich hätte das auch gemacht, wenn es ncih teine kleine Leserunde gewesen wäre...

      LG Sabine

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  2. Hach Sabine,
    das Buch hatte ich mir schon lang vor dem Erscheinen auf den Wunschzettel gesetzt und Steffi hatte mich sogar auf eine Leserunde hingewiesen.
    Wenn man schon mit der Protagonistin nichts anfangen kann und dazu noch Langatmigkeit kommt, dann sollte man besser die Finger von lassen.
    Ich kann jetzt verstehen, warum dieses Buch beim heutigen TTT vertreten ist.
    Danke für deine ehrliche Meinung.
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Gerne - man muss Tiere schon sehr mögen, um mit der Geschichte was anfangen zu können. Aber es war auch die Erzählweise, die für mich nicht gepasst hat. Mal schauen, ob ich von der Autorin noch mal was lese...

      LG Sabine

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