[Leseeindruck] Haruki Murakami - "Schlaf"

Haruki Murakami - Schlaf
Erzählung

Verlag: Dumont-Verlag
Umschlaggestaltung: Christine Sieber
Umschlagabbildung: Kat Menschik
ISBN-13: 978-3832161361
Seiten: 78 Seiten
Erschienen: 1. Oktober 2010

Buchrückentext
„“Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf.“ So beginnt Haruki Murakamis Erzählung von einer Frau, die nachts kein Auge mehr zumacht. Aber es fühlt sich anders an als die quälende Schlaflosigkeit, die sie als Studentin erlebt hat: Jetzt ist sie auf zauberhafte Weise nicht mehr müde. „Ich kann einfach nicht schlafen. Noch nicht einmal ein Nickerchen.“ Spätabends, wenn ihr Mann und ihr Sohn im Bett liegen, beginnt sie ein zweites Leben, und die Nächte sind bei Weitem aufregender als ihre gleichförmigen Tage – aber auch gefährlicher. Die Illustratorin Kat Menschik hat den Zauber von Murakamis Erzählung in traumgleiche Bilder gebracht. Auch deshalb ist dieser durchgehend in Duotone (Nachtblau/Silber) gedruckte Band ein guter Grund, nachts wach zu bleiben.“

Meine Meinung
Eine junge Mutter kann nicht mehr schlafen. Es ist keine quälende Schlaflosigkeit, die sie aus ihrer Studentenzeit kennt und die sie den Tag über quälend und hundemüde verbringen ließ. Es ist vielmehr eine kraftvolle Form der Schlaflosigkeit, die ihr neue Perspektiven eröffnet und ihr die Möglichkeit gibt, Freiräume zu nutzen und aus ihrem Alltag auszubrechen.

Ich bin sehr gut reingekommen in diese Erzählung und war schnell gefangen in der Geschichte. Sie beginnt ganz harmlos, indem die junge Frau, die nicht mehr schlafen kann, von ihren alltäglichen Beschäftigungen erzählt. Sie geht einkaufen, kocht für ihre Familie, eingefleischte Gesten des Abschieds werden erörtert oder sie erzählt von ihrem Hobby, das Schwimmen. Doch mit zunehmender Dauer der Schlaflosigkeit entdeckt die Frau neue Möglichkeiten. Während sie zunächst mehrmals Tolstois Anna Karenina liest, macht sie sich im Weiteren auf den Weg, verlässt die Wohnung und fährt mit dem Auto durch die Gegend. Und hier lässt sie ihre Gedanken kreisen, die sich immer mehr mit Themen wie Tod und Sterben beschäftigen. Warum die Frau sich nicht ihrem Mann anvertraut, ist nicht klar. Auch das Ende der Geschichte ist offen und lässt dem Leser daher viel Freiraum zur eigenen Interpretation.

Der Schreibstil ist toll, er lässt sich leicht und flüssig lesen und hat mich völlig abtauchen lassen. Außerdem schafft Murakami es, genau die richtige Dosis von Beschreibungen zu wählen, nicht zu viel, dass es langatmig wird, und nicht zu wenig, so dass man die Szenen immer vor Augen hat. 

Mich konnte Murakami mit dieser Erzählung überzeugen. Sicher werde ich mich nun auch an einen Roman von ihm heranwagen, zum Einstieg war daher diese Geschichte genau das Richtige.


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