[Rezension] Christoph Marzi - "Grimm"

Christoph Marzi - Grimm
Jugendfantasy

Verlag: Heyne-Verlag
Umschlaggestaltung: Teresa Mutzenbach, München
ISBN-13: 978-3-453-26661-2
Seiten: 560 Seiten
Erschienen: 15. November 2010

Zum Inhalt 
„Als der Vater der 17-jährigen Vesper Gold stirbt und ihr einen Brief mit rätselhaftem Inhalt hinterlässt, ist plötzlich nichts mehr, wie es vorher war: Ein Wolf scheint sie zu verfolgen – mitten in Hamburg. Merkwürdige Unfälle ereignen sich, kleine Kinder fallen in einen unerklärlichen Tiefschlaf. Vesper ahnt, dass es einen Zusammenhang zwischen den unheimlichen Ereignissen gibt. Gemeinsam mit dem Studenten Leander kommt sie einer dunklen und uralten Bedrohung auf die Spur, um die bereits die Brüder Grimm wussten und die sie in ihren Märchen zu bannen suchten …“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich weiß gar nicht mehr, warum ich dieses Buch mal gekauft habe, denn es passt überhaupt nicht in mein Beuteschema. Trotzdem wollte ich es jetzt nach Jahren endlich wissen und von meinem SuB befreien – und muss sagen, dass ich positiv überrascht wurde.

Die Geschichte selbst klang vielversprechend und ich mochte die Idee, dass Märchen hier eine große Rolle spielen. Zwar braucht das Buch einige Zeit, um richtig Fahrt aufzunehmen, dann aber ist es spannend und bleibt es auch bis zum Schluss.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 17-jährige Vesper Gold, ein eigensinniger Teenager, der es mir am Anfang schwer gemacht hat, sie zu mögen und ins Herz zu schließen. Erst nach und nach zeigen sich ihre Verletzlichkeit und liebenswerte Seiten, die sie den Menschen gegenüber wirklich gut zu verstecken weiß. Als ihre Eltern beide umgebracht werden und die Kinder der Welt in einen tiefen Schlaf fallen, fällt ihr ein Spruch aus Kindertagen ein: „Hüte dich vor den Wölfen“ – und tatsächlich beginnt für Vesper eine aufregende Jagd, um die Welt zu retten.

Ich war am Anfang positiv überrascht von der Geschichte, die sich langsam aufbaut und dann aber spannend und fesselnd wird. Vesper und ihre Freunde haben eine große Aufgabe zu erledigen und sind dabei ständig auf der Flucht – und die sind wirklich sehr rasant und gefährlich und hat mich als Leser auch bei der Stange gehalten. Leider muss ich sagen, dass die letzten 100 Seiten diesen positiven Eindruck dann doch sehr gedrosselt haben – denn hier passiert auf einmal alles Schlag auf Schlag und das Ende hat mir dann gar nicht gefallen. Nicht, weil vieles offen geblieben ist, sondern auch, weil hier Dinge geschehen, die die Geschichte nicht gebraucht hätte und die mich etwas ratlos zurückgelassen haben.

Die Charaktere sind außergewöhnlich, erfrischend anders und auch gut gezeichnet. Den Schreibstil fand ich dagegen etwas gewöhnungsbedürftig: nicht weil er jugendlich und frech ist, sondern weil mir manche Stilmittel einfach zu häufig eingesetzt wurden und sich dadurch der Effekt leider verloren hat. Da das Buch aber ein Jugendbuch ist und es dem jugendlichen Leser vielleicht gar nicht so auffällt, will ich das nicht negativ bewerten.

Das Märchen in der Geschichte eine große Rolle spielen, war ja der Grund, dieses Buch lesen zu wollen, doch es braucht lange, bis sie dann tatsächlich eine größere Rolle einnehmen. Aber da hat Christoph Marzi dann doch sehr tief in die Märchenkiste gegriffen – und mir hat gefallen, dass sie nicht einfach nur lieblich und schön sind mit einer rasch zu durchschauenden Botschaft, sondern durchaus noch böser als das, was man landläufig so kennt.

Ich hätte dem Buch eigentlich 4 Sternen geben wollen, das so rasche und abrupte Ende hat mir aber leider gar nicht gefallen, so dass ich leider dafür einen Stern abziehe und 3 von 5 Sternen vergebe. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach nicht mehr der Zielgruppe entspreche, so dass ich es fantasy-begeisterten Jugendlichen durchaus als spannende und actionreiche Geschichte empfehlen würde.

Mein Fazit
Eine spannende und sehr außergewöhnliche Geschichte, die sich langsam aufbaut, dann aber gehörig an Fahrt aufnimmt – lediglich der Schluss hat mich leider gar nicht überzeugt, weil er zu abrupt und rasch kam und mich leider auch mit zu vielen offenen Fragen zurückgelassenen hat. Der Schreibstil ist sehr jugendlich  und flott zu lesen, die Charaktere sind außergewöhnlich und anders, dabei aber nicht unsympathisch, ganz im Gegenteil. Ich gebe diesem Buch 3 von 5 Sternen, vor allem wegen des mich enttäuschenden Endes habe ich dann doch einen Stern abziehen müssen. Dennoch würde ich diese rasante Geschichte fantasy-interessierten Jugendlichen durchaus empfehlen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare: