[Rezension] Alessandro D'Avenia - "Die Welt ist eine Muschel"

Alessandro D'Avenia - Die Welt ist eine Muschel
Gegenwartsliteratur

Verlag: btb-Verlag
Umschlaggestaltung: semper smile, München
Umschlagmotiv: © Marta D‘Avenia
ISBN-13: 978-3-442-74662-0
Seiten: 416 Seiten
Erschienen: 9. Dezember 2013

Zum Inhalt
Ihren 14. Geburtstag verbringt Margherita noch mit ihrem Vater auf dem Segelboot, nicht ahnend, dass es erst mal das letzte gemeinsame Erlebnis ist. Denn ihr Vater verlässt kurz darauf ohne Erklärung die Familie und lässt seine kleine Tochter mit einem unaussprechlichen Gefühl der Trauer und vielen Fragen zurück. Dass sie zudem eine neue Schule besucht, hilft ihr zunächst auch nicht weiter. Und doch findet Margherita hier Verbündete. Sie lernt Guilio, einen geheimnisvollen jungen Mann, kennen, der sie fasziniert und der trotz seiner Traurigkeit ihr Wärme und Sicherheit spendet. Und ihren Lehrer, der vor lauter Literatur und Büchern sein richtiges Leben nicht zu leben weiß. Jeder von ihnen hadert auf seine Weise mit dem Schicksal, doch Margherita will sich nicht geschlagen geben und macht sich auf die Suche.

Meine Meinung
Ein wundervolles Buch, dass ich gar nicht beenden wollte, so fasziniert war ich von der Geschichte und fast noch mehr von dem mich berührenden Schreibstil. Es ist kein Buch, das man mal eben weg liest, vielmehr eines, für das man sich Zeit nehmen sollte, um die ganzen großen und kleinen Weisheiten zu überdenken und die vielen Metaphern zu verstehen. Die Muschel zum Beispiel zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch, mal mit größerer, mal mit kleinerer Bedeutung. Auch das Buch „Die Odyssee“ spielt eine wichtige Rolle und mir hat diese Verknüpfung zur Geschichte Margheritas sehr gut gefallen. Die blumige Sprache mit ihren vielen Bildern und Metaphern hat mich sehr beeindruckt und bestimmt werde ich noch häufiger zu dem Buch greifen, um einzelne markierte Stellen nochmal zu lesen. 

Die Charaktere sind alle sehr gut gezeichnet, gerade Margherita, Guilio und der Lehrer haben mir sehr gut gefallen. Vielleicht wirken alle drei Figuren und jede auf ihre Art traurig und frustriert, dennoch mochte ich sie gerade wegen ihrer reflektierenden Art und der Verzweiflung, die das Leben in ihnen auslöst. Dabei zeigen gerade Guilio und der Lehrer eine tolle Entwicklung, die mich zufrieden das Buch beenden lässt. Aber auch andere Charaktere sind einfach nur rührend. Der kleine Andrea, der Dinge so einfach und verständlich erklärt, dass es berührt und manchmal auch traurig stimmt, oder die Großmutter Nonna mit ihren sizilianischen Weisheiten, die oft den Nagel auf den Kopf trifft. Und noch erwähnen möchte ich Stella, die mit ihrem Liebesbrief an den Lehrer auch in mir etwas bewegt hat und mich damit tief berührte.

Die Stimmung im Buch ist fast durchweg melancholisch und dennoch ist es kein Buch, das herunterzieht, sondern Mut macht, Dinge anzugehen und dass es lohnt, auch ein Wagnis einzugehen. Ein Buch über die Freundschaft und die Liebe, über das Wagnis und den Schmerz und nicht zuletzt auch über die Hoffnung, die man niemals aufgeben sollte.

Mein Fazit
Ich bin wirklich froh, dieses Buch gefunden zu haben, denn es hat mir sehr bewegende Lesestunden beschert. Wundervolle Charaktere, eine berührende Geschichte und ein Schreibstil zum Eintauchen und mit vielen Möglichkeiten zum Nach- und Überdenken. Ein Buchschatz, den ich nicht mehr missen möchte!

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