[Rezension] Matthias Gerhards – "Gott ist kein Zigarettenautomat"

Matthias Gerhards – Gott ist kein Zigarettenautomat
Gegenwartsliteratur

Verlag: Knaus & Ko
Umschlaggestaltung: GGP Media GmbG, Pößneck
ISBN-13: 978-3-8135-0550-4
Seiten: 352 Seiten
Erschienen: 26.8.2013

Buchrückentext
„Thomas Sieben ist vierzehn, geht auf die Hauptschule und hat gerade begriffen, dass es den lieben Gott nicht gibt. Es gibt auch keinen Vater, dafür eine Mutter, die das Leben nur im Suff erträgt. Zusammen mit ihr und seiner Schwester lebt er in der verfallenen alten Schule, die wie der Rest des ganzen Dorfes schon von den Vermessungstrupps der Rheinbraun AG durchstöbert wird. Und da ist noch sein Bruder. Der treibt gerade im Bach an ihm vorbei, tot, und das ganz offensichtlich nicht freiwillig.“

Meine Meinung
Thomas ist vierzehn Jahre alt und wohnt mit seiner Schwester und Mutter in einem heruntergekommenen Haus im rheinischen Braunkohlerevier. Sein Vater ist schon lange fort, seine Mutter dem Alkohol verfallen und die Wohnung sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Als er dann noch seinen Bruder im Fluss schwimmend tot auffindet, ist es um seinen Glauben wirklich bestellt. Doch Jakob scheint nicht freiwillig gestorben zu sein. Doch wen interessiert schon ein toter Junge in einem Dorf, dass eh dem Abbruch gewidmet ist.

Das Buch hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen, denn die Geschichte an sich hat mich wirklich angesprochen, doch die Umsetzung mochte ich nicht immer. Aus der Sicht des 14jährigen Thomas werden seine Erlebnisse in einem kleinen Dorf im Braunkohlerevier geschildert. Er hat es nicht leicht und oft hatte Mitleid mit dem Jungen, der für sein Alter sehr pfiffig ist, und es dennoch nicht schafft, aus seinem Umfeld auszubrechen. Wohin auch? Schon früh muss er Verantwortung übernehmen, denn die Mutter ist dem Alkohol verfallen und kümmert sich um nichts. Nicht nur, dass er sich vor den „Glatzköpfen“ verstecken muss, denn er ahnt, dass die seinen Bruder auf dem Gewissen haben, nein – auch eine Beerdigung will organisiert werden und der Abbruch des Dorfes – seiner Heimat – verhindert werden. Die Kindheit des kleinen Thomas ist wirklich erdrückend und seine Kraft und sein Mut, mit dem er das Leben angeht, beeindruckend. Thomas als Charakter ist wirklich sehr gut gelungen, manchmal ein bisschen altklug, doch gezeichnet durch seine Erlebnisse. Immer wieder macht er sich Gedanken über sein Leben, die man schon fast als Weisheiten durchgehen lassen kann und hadert zudem mit sich, seinem Dasein und Gott – doch letztlich kann er sich nicht entschließen, wirklich an ihn zu glauben. Die anderen Charaktere waren mir alle ein wenig zu flach, zwar außergewöhnlich und jeweils mit einem eigenen Charakterzug, doch irgendwie spielten sie nur Nebenrollen. Thomas ist und bleibt einfach der Mittelpunkt des Buches.

Die Geschichte ist sehr dicht erzählt und ich musste mich konzentrieren, um nichts zu verpassen. Dabei ist der Schreibstil eigentlich einfach und flüssig, oft sogar flapsig, immer wieder jedoch lässt Matthias Gerhards einzelne Charaktere in einem Dorf-Slang reden, der meinen Lesefluss gestört hat und den ich einfach nicht mochte. Dennoch passte er zur Geschichte und zum Buch und hat den Eindruck verstärkt, eingefangen zu sein in diesem kleinen Dorf. Das Thema des Buches ist eigentlich sehr ernst, dennoch musste ich an einigen Stellen schmunzeln über die ironischen und unabsichtlich witzigen Beschreibungen.

Das Ende der Geschichte hat mich wirklich gepackt, es war für mich völlig unerwartet und niemals hätte ich mit dieser Auflösung gerechnet. Aber es war passend und hat mich mit einem guten Gefühl das Buch beenden lassen.

Ein Wort noch zum Cover und zum Titel des Buches: beides hat mir gar nicht gefallen. Das Cover hat mich überhaupt nicht angesprochen und hätte ich nicht ein Leseexemplar erhalten, hätte ich es in einem Buchladen wohl auch nie in die Hand genommen. Auch der Titel spricht mich nicht an; erst nach Lesen des Buches finde ich ihn passend und er ergibt einen Sinn. Doch niemals hätte mich der Titel eingeladen, das Buch in die Hand zu nehmen – dabei lohnt es sich und jetzt bin ich froh, den Roman gelesen zu haben. Mal eine ganz andere Geschichte, die mich manchmal schmunzelnd, meist aber nachdenklich zurück gelassen hat. Von meiner Seite 4 Sterne.

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