[Leseeindruck] Patrick Süskind - "Die Taube"

Patrick Süskind - Die Taube
Gegenwartsliteratur

Verlag: Diogenes-Verlag
Umschlagillustration: nach einer kolorierten Lithographie von Joseph Brodtmann aus: H. R. Schinz, „Naturgeschichte und Abbildungen der Vögel“, 1830
ISBN: 3-257-21846-X
Seiten: 100 Seiten
Erschienen: 24. April 1990

Buchrückentext
„In fünf Monaten wird der Wachmann einer Pariser Bank das Eigentum an seiner Mansarde endgültig erworben haben, wird ein weiterer Markstein seines Lebensplanes gesetzt sein. Doch dieser fatalistische Ablauf wird an einem heißen Freitagmorgen im August 1984 jäh vom Erscheinen einer Taube in Frage gestellt."

Meine Meinung
Bisher kannte ich nur „Das Parfum“ und fand die Geschichte fantastisch – und ich muss sagen, dass mich auch „Die Taube“, so kurz diese Novelle war, völlig eingenommen und gefesselt hat – einfach großartig.

Die Geschichte ist skurril – keine Frage. Aber sie hat mir gefallen, weil sie viel Spielraum zur Deutung bietet und ich diesen vorgehaltenen Spiegel sehr mochte – zumindest hatte ich das Gefühl, dass das der Autor wollte. Inwieweit die Geschichte auch autobiografisch ist, kann ich nicht sagen – aber auch Patrick Süskind führt ja ein eher zurückgezogenes Leben.

Jonathan Noel führt nach drastischen Erlebnissen ein Leben fernab anderer Menschen und ohne Vergnügungen, sein Lebenstraum ist ein kleines Zimmer und ein geregeltes, ereignisloses Leben. Damit geht es ihm gut – bis eine Taube vor seiner Wohnungstür sein Leben völlig auf den Kopf stellt.

Es ist vor allem die Sprache, die mich – wieder mal – völlig eingenommen hat. Mit Worten weiß Patrick Süskind einfach umzugehen. Mal ist der Stil direkt und präzise, dann wieder poetisch und weise. Er kann alltägliche Dinge beschreiben, so dass sie zu etwas ganz besonderem werden, dass man nicht nur Bilder vor seinen Augen hat, sondern ganze Situationen und Stimmungen spüren kann, sie fassbar werden. Und trotzdem bleibt die Geschichte gut lesbar – schade nur, dass sie so kurz ist und das Lesevergnügen rasch vorbei war. 

Von mir gibt es für diese Novelle volle 5 Sterne – und jetzt werde ich auf jeden Fall noch weitere Werke des Autors lesen. Geschrieben hat er ja noch einiges!


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