[Rezension] Andrew Miller - "Friedhof der Unschuldigen"

Andrew Miller - Friedhof der Unschuldigen
Historischer Roman

Verlag: Paul Zsolnay Verlag
Umschlaggestaltung: Hauptmann und Kompanie Werbeagentur, Zürich, Michael Hofstetter unter Verwendung einer Illustration von © Roy Knipe
ISBN-13: 978-3552056442
Seiten: 383 Seiten
Erschienen: 29. Juli 2013

Buchrückentext
„Kurz vor der Französischen Revolution erhält ein junger, ehrgeiziger Ingenieur aus der Provinz den Auftrag, einen jahrhundertealten Friedhof zu beseitigen, dessen Ausdünstungen die Stadt Verpesten und allmählich die Anwohner zu vergiften drohen. Jean-Baptiste Baratte versucht, sich in der neuen Umgebung und unter den fremden Menschen zurechtzufinden, die ihm keineswegs alle wohlgesinnt sind. Die bedrohlichen, unheimlichen oder auch nur unerklärlichen Vorfälle zeigen, wie stark das Alte noch in den Köpfen der Menschen steckt."

Meine Meinung
Jean Baptiste Baratte, ein junger Ingenieur aus der Normandie, bekommt einen ungewöhnlichen Auftrag: Ein alter Friedhof in Paris verpestet mit seinen Ausdünstungen die Stadt und macht die Menschen, die unweit von ihm leben, krank – also muss der Friedhof mitsamt seiner Kirche weg. Ein bizarrer Aufrag, genauso sind auch die Reaktionen der in Paris lebenden Menschen: Verständnis, Entsetzung, Unmut und Verzweiflung machen sich breit und die Arbeit von Barette wird nicht nur unterstützt, sondern auch boykottiert …

Die Idee des Romans hat mich sehr angesprochen, zumal sie auf einer wahren Begebenheit beruht und viele Orte tatsächlich auch in Paris zu finden sind. Anfangs hatte ich jedoch etwas Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzukommen, zum Einen, weil in der ersten Hälfte nur wenig passiert, dafür umso mehr Charaktere und Orte vorgestellt, die oft sehr detailliert beschrieben sind. Zum Anderen ist der Schreibstil nicht einfach zu lesen, er ist dem 18. Jahrhundert angepasst, oft sehr anspruchsvoll mit langen Sätzen und bildhaften Beschreibungen. Die Dialoge dagegen sind oft sehr eigenwillig, mit wenigen Worten und dadurch manchmal nicht einfach zu verstehen. Aber ich konnte mich an den Schreibstil gewöhnen und dann auch in die Geschichte einfinden.

Ich habe während des Lesens viel erfahren über das Leben in Paris im 18. Jahrhundert kurz vor der französischen Revolution. Denn es wird nicht nur die zum Teil doch unmenschliche Arbeit auf dem Friedhof beschrieben, sondern auch viele Episoden aus dem Alltag der Bürger. Es sind Probleme der Arbeiter zu lösen, finanzielle Dinge zu regeln, das Wetter zu beachten und die freien Abende zu gestalten. 

Die zweite Hälfte des Buches hat mir dann richtig gut gefallen, hier wird es spannend, die Arbeit fordert zwar Opfer, doch Jean-Baptiste wächst mit seiner Aufgabe und entwickelt sich vom unerfahrenen Jüngling zum gestandenen Mann. Er findet Freunde und die Liebe und kann seinen Mann stehen gegen die Anfeindungen aus der Stadt. Das Ende kam ein bisschen plötzlich und dennoch machte es Sinn und hat dem Buch einen passenden Abschluss gegeben.

Ich mag historische Romane und auch dieser hat mir mit seiner ungewöhnlichen Thematik gut gefallen. Nach anfänglichen Problemen mit dem Schreibstil habe ich mich dann doch noch einfinden können in die Geschichte, und habe Gefallen gefunden an den skurrilen Charakteren mit einem ungewöhnlichen Auftrag.


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