[Rezension] Luca Di Fulvio - "Der Junge, der Träume schenkte"

Luca Di Fulvio - Der Junge, der Träume schenkte
Historischer Roman

Verlag: Lübbe Audio 
ISBN-13: 978-3-8387-7010-9
Dauer: 6 CDs, 397 min.
Erschienen: 16.3.2012
Sprecher: Timmo Niesner  

Hörbuchrückentext
„New York, 1909. Aus einem transatlantischen Frachter steigt eine junge Frau mit ihrem Sohn Natale. Sie kommen aus dem tiefsten Süden Italiens – mit dem Traum von einem besseren Leben in Amerika. Doch in der von Armut, Elend und Kriminalität gezeichneten Lower East Side gelten die gnadenlosen Gesetze der Gangs. Nur wer über ausreichend Robustheit und Durchsetzungskraft verfügt, kann sich hier behaupten. So wie der junge Natale, dem überdies ein besonderes Charisma zu eigen ist, mit dem er die Menschen zu verzaubern vermag ...“

Höreindruck
Ich bin hin und her gerissen bei diesem Roman und war bei der ersten CD drauf und dran, das Hörbuch abzubrechen. Grund waren die in aller Ausführlichkeit beschriebenen brutalen Passagen, speziell die demütigenden und gewalttätigen Szenen Frauen gegenüber. Mir ist natürlich klar, dass das Leben in den 20er Jahren auf den Straßen von New York kein Zuckerschlecken war, dennoch hätte es aus meiner Sicht andere Möglichkeiten gegeben, dies literarisch umzusetzen. Da mich aber die Geschichte interessierte, habe ich weitergehört und fand diese dann auch interessant. 

Neben der Geschichte Natales, der sich zunächst auf den Straßen rumschlägt, es dann aber mit Geschick und Charme schafft, seine Erlebnisse zu „vermarkten“, geht es auch um Ruth, die nach ihrer frühen Vergewaltigung kaum mehr ein normales Leben führen kann. Die beiden lernen sich kurz kennen, als Natale sie schwer verletzt auffindet und ihr so das Leben rettet, doch dann werden sie auch schon wieder getrennt – gesellschaftlich kann es einfach keine Verbindung zwischen ihnen geben. 

Es dauert lange, bis sie sich endlich wiederfinden und jeder geht in der Zwischenzeit seinen eigenen beschwerlichen Weg.

Obwohl mich die Geschichte interessierte, ist mir leider keiner der Charaktere richtig ans Herz gewachsen, dabei sind sie nicht schlecht gezeichnet, ganz im Gegenteil, gerade Ruth als Figur fand ich sehr interessant, ihr Charakter sehr gut ausgearbeitet. Trotzdem blieb sie mir fremd, genauso wie Natale, dessen Geschichte ebenso beeindruckend wie spannend ist.

Das Hörbuch ist wirklich gut umgesetzt, Sprecher und Musik sehr passend ausgesucht. Durch die Musik hatte ich direkt Bilder vor der Nase und kann mir diesen Roman auch gut als Film vorstellen. Timmo Niesner hat zudem gute Arbeit geleistet und mit seiner Stimme die Stimmung der 20er Jahre auf den Straßen New Yorks einfangen können. Obwohl eine gekürzte Version, hat es dem Verlauf der Geschichte keinen Abbruch getan – nie hatte ich das Gefühl, Wesentliches verpasst zu haben.

Ich bin leider nicht überzeugt von diesem Hörbuch, was aber mit an den vielen mir zu ausführlich geschilderten brutalen Szenen liegt. Im Buch kann ich sowas überfliegen, im Film weggucken, doch beim Hörbuch fühlte ich mich dem ausgesetzt. Das hat mich leider sehr gestört und vielleicht auch verhindert, mich völlig in die Geschichte hineinfallen zu lassen.

Mein Fazit
Eine interessante Geschichte mit gut gezeichneten Charakteren und einer tollen Umsetzung als Hörbuch – doch wirklich gestört haben mich die Brutalität und die vielen demütigenden Szenen. Ich konnte mich daher leider nicht gut in die Geschichte hineinfallen lassen.



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