[Rezension] Sarah Darer Littman - "Die Welt wär besser ohne dich"

Sarah Darer Littman - Die Welt wär besser ohne dich
Jugendbuch (ab 12.Lj.)

Verlag: Ravensburger-Verlag
Umschlaggestaltung: formlabor unter Verwendung von Fotos von © Benoit Daoust /Shutterstock und © Karamysh /Shutterstock
ISBN-13: 978-3-473-40135-2
Seiten: 383 Seiten
Erschienen: 18. Januar 2016
Originaltitel: „Backlash“
Übersetzerin: Franziska Jaekel

Buchrückentext
„Seit Wochen chattet Lara mit Christian. Sie ist total verliebt und möchte ihn endlich treffen. Doch dann postet Christian plötzlich fiese Kommentare auf ihrer Facebook-Pinnwand. Und minütlich schließen sich ihm andere an. Als Lara die Beleidigungen nicht mehr erträgt, trifft sie eine verzweifelte Entscheidung.“

Meine Meinung
Ich gebe zu, dass ich Jugendbücher eigentlich nicht so gerne lese, bei diesem jedoch hat mich die Thematik „Cybermobbing“ sofort angesprochen – und ich wurde nicht enttäuscht. Ein aufrüttelndes Buch, das nachdenklich macht und das wohl immer in irgendeiner Form aktuelle Problem Mobbing von verschiedenen Seiten beleuchtet. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 15-jährige Lara, die über Facebook den attraktiven Christian kennengelernt hat. Sie liebt es, mit ihm zu chatten – und auch zu flirten, nur persönlich kennengelernt hat sie ihn noch nie. Und dazu kommt es auch nicht, denn aus heiterem Himmel kündigt er ihr die Freundschaft – „Die Welt wär besser ohne dich, du Loser“ ist einer seiner letzten Posts, und es gibt genug Liker dieses Kommentars.

Die Geschichte ist aus Sicht verschiedener Charaktere geschrieben, die sich kapitelweise abwechseln. Es sind Lara und ihre 13–jährige Schwester Syd sowie die Kinder des befreundeten Ehepaars Connors Bree und Liam. Durch die unterschiedlichen Perspektiven lernt man nicht nur die verschiedenen Meinungen kennen, sondern kann sich auch besser in die Charaktere hineinversetzen. Ich fand es sehr interessant, wie die so unterschiedlichen Figuren denken und fühlen und auch wenn ich selber vermutlich ganz anders handeln würde, haben mir diese Einblicke in das Gefühlsleben der anderen doch geholfen, sie vielleicht auch ein bisschen zu verstehen.

Neben den verschiedenen Perspektiven gibt es auch noch verschiedene Zeitebenen – einmal die der Gegenwart, dann die Zeit ca. 3 Monate vorher und einen Epilog, der ein Jahr danach spielt. Wird man am Anfang in die Geschichte reingeschmissen und versteht die Zusammenhänge noch nicht, erschließen sich diese dann aber nach und nach, und die Fäden laufen geschickt zusammen.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, gerade Lara und Syd haben mir sehr gut gefallen. Die beiden Geschwister, so unterschiedlich sie auch waren, waren mir einfach sympathisch, an Lara hat mir vor allem ihre Entwicklung innerhalb der Geschichte gefallen, was sie für sich aus dem furchtbaren Erlebnis gezogen hat und wie sie nach und nach lernt, auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Syd fand ich sehr authentisch mit ihren Gefühlen, immer spielt sie nur „die zweite Geige“, muss stets zurückstecken hinter ihrer kranken Schwester. Manches Mal wirkte sie mit ihren Ansichten viel älter und oft auch vernünftiger als mancher Erwachsener, trotzdem aber fand ich ihre Figur schlüssig. Auch Liam und Bree sind gut gestaltet, etwas überzogen fand ich dagegen die beiden Elternpaare. An manchen Stellen konnte ich deren Handlungen kaum glauben und hätte sie am liebsten geschüttelt, andererseits jedoch zeigt sich daran auch das Unvermögen, mit schwierigen Situationen umzugehen und einen klaren Kopf zu behalten – und auch, dass Mobbing nicht ausschließlich ein Problem junger Menschen ist, sondern letztlich ein zeitloses.

Der Schreibstil ist den Charakteren angepasst, sehr jugendlich und umgangssprachlich, so dass sie nochmal mehr authentisch und glaubhaft sind. Er war sehr leicht zu lesen, so dass die Seiten einfach nur so dahingeflogen sind. Außerdem ist die Geschichte spannend und fesselnd, da man wissen möchte, wer sich hinter Christian verbirgt und wie Lara mit der Situation umgeht. Dabei gibt es einige Überraschungen und Wendungen, mit denen ich nicht immer gerechnet habe. Das Ende hat mich sehr versöhnlich gestimmt, vor allem aber habe ich mich über die positive Entwicklung von Lara gefreut. Insgesamt hat die Autorin die verschiedenen Themen Cybermobbing und Depression, an die sich dann noch viele weitere Themen anknüpfen, sehr sensibel und vor allem glaubhaft behandelt. Das Buch macht nachdenklich und ist aus meiner Sicht bestens als Schullektüre geeignet, aber nicht nur Jugendliche ab 12 sollten dieses Buch lesen. Eigentlich richtet es sich an alle, die im Internet unterwegs sind, jung und alt, da es die Gefahren des Internets – so interessant, hilfreich und schön es auch ist – aufzeigt und das eigene „Surfverhalten“ noch mal überdenken lässt. Ich gebe dem Buch 5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Das aktuelle Thema „Cybermobbing“ wird von der Autorin in dieser Geschichte sensibel und authentisch aufgearbeitet. Im Mittelpunkt stehen vier Jugendliche, aus deren Sicht die Geschichte auch erzählt wird. Immer abwechselnd gibt es Kapitel aus ihren Perspektiven, so dass man sich sehr gut in die Gedanken und Gefühle der einzelnen Figuren hineinversetzen kann. Der jugendliche und umgangssprachliche Schreibstil machen das Ganze nochmal glaubhafter. Die Geschichte bietet einige Wendungen und Überraschungen, am Ende aber fügt sich alles zusammen und lässt mich als Leser versöhnt zurück. Ich gebe dem Buch 5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Ravensburger Verlag und an Lovelybooks für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars zur Leserunde.

Kommentare:

  1. Hallo Sabine ;-9
    WOW, was für eine ausführliche und Neugier weckende Rezension. Ich kannte das Buch bis eben gar nicht.
    Doch sowohl als Mutter wie auch als Mensch, der sich dafür interessiert, was es in der heutigen Zeit bedeutet, ein Kind/Jugendlicher zu sein, empfinde ich es als wichtig, dass man sich mit dieser Thematik auseinandersetzt.
    Das Buch wird doch gleich mal vermerkt, nicht nur für mich, sondern auch für das Jugendbuchregal der Bib.
    Liebste Grüße,
    Hibi

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    1. Danke! Es freut mich, dass ich dich neugierig gemacht habe. Das Buch lohnt auf jeden Fall, als Mutter, als Vater, als Sohn oder Tochter - und in einer Bibliothek sollte es nciht fehlen. Das Thema ist soo wichtig...
      LG Sabine

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  2. Hallöchen Sabine,
    ein wunderbare und sehr ausführliche Rezension zu einem grandiosen Buch, dass auch von mir schlichtweg eine Leseempfehlung bekommen hat. Du hast vollkommen recht, das Thema ist wirklich wichtig und aktueller denn je. Manch einer macht sich einfach keine Gedanken und ich finde, dass dieses Buch auch in der Schule gelesen werden sollte. Besser kann man es gar nicht schreiben, denke ich.

    Liebst, Lotta

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    1. Da gebe ich dir vollkommen Recht! Ein so wichtiges Thema sollte, nein muss in Schulen behandelt werden - und da bietet sich dieses Buch geradezu an!

      Und danke für das Lob zur Rezi - das freut mich sehr, da ich da auch immer mit mir hadere, ob sie nicht einfach viel zu lang sind...

      LG Sabine

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