[Rezension] Jenny Downham - "Die Ungehörigkeit des Glücks"

Jenny Downham - Die Ungehörigkeit des Glücks
Roman

Verlag: C. Bertelsmann
Umschlaggestaltung: Sabine Kwauka
Umschlagmotiv: © Rekha Garton /Trevillion Images
ISBN-13: 978-3-570-10292-3
Seiten: 480 Seiten
Erschienen: 22. Februar 2016
Originaltitel: „Unbecoming“
Übersetzerin: Astrid Arz

Zum Inhalt 
„Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine dramatische Wendung, als ein Anruf ankündigt, dass ihre Großmutter Mary bei ihr zu Hause einziehen wird. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Ich war erst skeptisch, als ich den Klappentext gelesen habe, ob mir diese Geschichte tatsächlich gefallen wird – aber ich muss sagen, dass es der Autorin trotz der ersten Themen gelungen ist, eine schönes und auch unterhaltsames Buch zu schreiben.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei Frauen aus drei Generationen. Mary zieht zu ihrer Tochter Caroline, weil sie wegen der fortschreitenden Demenz nicht mehr alleine zu Hause wohnen kann. Nach jahrelanger Funkstille zwischen den beiden ist ihre Beziehung auch jetzt alles andere als gut – ganz im Gegensatz dazu versteht sich Carolines Tochter, die 17-jährige Katie, viel besser mit Mary. Und sie brennt darauf, mehr aus ihrer Vergangenheit zu erfahren, doch die Zeit drängt, denn das Vergessen nimmt immer weiter zu.

In diesem Roman werden viele Themen angesprochen – es geht nicht nur um die Demenzerkrankung Marys, sondern auch darum, wie die anderen damit umgehen, ihre Hilflosigkeit und Unsicherheit. Der meiste Teil der Geschichte wird aus Sicht Katies, der Enkelin von Mary, geschrieben und auch sie trägt einige Probleme mit sich rum und lässt den Leser daran teilhaben. Sie steckt mitten in der Phase des Erwachsenwerdens und des sich-selber-Findens – und das ist bekanntlich ja nicht immer leicht.

Mit den drei Frauen Mary, Caroline und Katie hat die Autorin drei sehr unterschiedliche Charaktere. Durch ihre gute Darstellung wirken sie alle drei sehr authentisch. Mary hat in ihrer Jugend nur ein Ziel gehabt – das Leben zu genießen, musste dafür aber auch einen hohen Preis zahlen. Einige ihrer Entscheidungen bereut sie bis ins hohe Alter – und dieser Schmerz sitz so tief, dass auch die Demenz ihn nicht vergessen lässt. Katie steckt gerade mitten in der Phase, sich selbst zu finden und neben der schwierigen Situation zu Hause mit ihrer neu eingezogenen Großmutter, kämpft sie auch mit sich und ihren Gefühlen. Caroline, Katies Mutter, war mir zwar nicht unsympathisch, aber verstanden habe ich sie eigentlich nie – durch ihre selbst aufgelegten Regeln macht sie sich das Leben unnötig schwer und wirkt dadurch sehr verkniffen und dominierend. Dabei hat sie eigentlich das Herz am rechten Fleck, weiß das aber sehr gut zu verbergen.

Die Geschichte ist überwiegend aus Katies Sicht erzählt, so dass man ihre Gedanken und Gefühle kennenlernt. Es gibt aber immer wieder Rückblenden in Marys Vergangenheit, in der sie dann das Wort ergreift – und so erschließt sich nach und nach, was in der Vergangenheit passiert und wie es zu der Entzweiung zwischen Mary und ihrer Tochter Caroline gekommen ist.

Der Schreibstil ist trotz der ernsten Themen locker und lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, man könnte ihn auch schon fast als umgangssprachlich bezeichnen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, so dass die Seiten rasch dahinfliegen. Im Mittelteil gab es für mich dann leider doch einige Längen, sicherlich aber auch, weil mich Katies Geschichte, die neben Marys einen großen Raum einnimmt, nicht so fesseln konnte. Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn es um Mary ging und ihre Geschichte mochte ich viel lieber. 

Insgesamt hat mich das Buch trotz der ernsten Themen gut unterhalten. Da es mich aber nicht durchweg packen konnte und ich einzelne Erzählstränge nicht ganz so interessant fand, gebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein berührender Roman, der sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzt, in dem aber auch andere angesprochen werden, wie zum Beispiel das Erwachsenwerden und sich-selber-finden oder die unterschiedlichen Probleme innerhalb einer Familie. Durch den lockeren, fast schon umgangssprachlichen Schreibstil fliegen die Seiten nur so dahin, und trotz der ernsten Themen bietet das Buch auch gute Unterhaltung. Da mich nicht alle Erzählstränge richtig fesseln konnten und ich dadurch im Mittelteil einige Längen empfunden habe, gebe ich dem Buch 3,5 von 5 Sternen, würde es aber dennoch empfehlen, wer sich auf diese Themen einlassen kann und will. 


Kommentare:

  1. Hallo Sabine,
    nachdem ich dich beim gestrigen TTT nicht gesehen habe, musste ich doch mal vorbeikommen und bin natürlich hier gelandet, da das Buch auch auf meinem Wunschzettel zu finden ist.
    Nach deiner Meinung bin ich sehr gespannt, wie das Buch auf mich wirken wird.
    Danke für die aussagekräftige Rezension.
    Liebe Grüße,
    Hibi

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    1. Ja - die Woche war einfach sher viel zu tun und ich war immer erst spät zu Hause, da war einfach keine Zeit, den TTT vorzubereiten. :-(
      Ich bin gespannt, wie dir das Buch gefallen wird, mich hat es ja nicht ganz überzeugt, was aber vor allem an Katie und ihren Problemen lag - aber das kann bei dir ja auch ganz anders sein. :-)
      LG Sabine

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    2. Den stetigen Zeitmangel kenne ich, daher wird es wohl noch etwas dauern bis ich dazu komme, das Buch zu lesen. Aber es ist ja vermerkt und kommt nicht abhanden. ;-)
      Ganz liebe Wochenendgrüße an dich,
      Hibi

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