[Rezension] Natalio Grueso - "Der Wörterschmuggler"

Natalio Grueso - Der Wörterschmuggler
Roman

Verlag: Atlantik-Verlag
Umschlaggestaltung: Katja Maasböl; Hamburg;
Illustration: Yan Hoong Tang
ISBN-13: 978-3-455-60019-3
Seiten: 251 Seiten
Erschienen: 15. August 2015
Originaltitel: „La Soledad“
Übersetzerin: Marianne Gareis

Buchrückentext 
„Eine geheimnisvolle Japanerin in Venedig, ein Bücher, der Bücher verschreibt, ein Junge, der aus Liebe Wörter schmuggelt – Geschichten voller Phantasie, Weisheit und Abenteuer.“

Meine Meinung
Es war das wunderbare Cover, was mich zuerst auf das Buch aufmerksam gemacht hat – viel mehr noch haben mich dann aber die berührenden und phantasievollen Geschichten gefangen genommen!

Ich gebe zu, dass mich dieses Buch als Roman nicht so recht überzeugen konnte, als Sammlung verschiedener Kurzgeschichten jedoch fand ich es grandios. Ich konnte mich des Eindrucks nicht verwehren, dass zuerst die verschiedenen Geschichten entstanden sind und diese dann in einem zweiten Schritt lose miteinander verknüpft wurden – nur dass mir diese Verknüpfung leider nicht so gefallen hat und für mich leider kein großes Ganzes entstanden ist. Auch wenn die Fäden tatsächlich irgendwie zusammenlaufen, war mir die Verknüpfung einfach zu locker, es hat mir die große Geschichte zwischen den vielen kleinen gefehlt. Natürlich bleibt so viel Spielraum für die eigene Phantasie, trotzdem hätte mir eindeutiger roter Faden einfach besser gefallen.

Die einzelnen Geschichten jedoch fand ich umwerfend und beeindruckend – nicht nur, weil sie voller Phantasie und Weisheit stecken, sondern weil ich die einnehmende und melancholische Stimmung sehr gemocht habe. Außerdem sind die Charaktere nicht nur gut gestaltet, sie sind vor allem außergewöhnlich und jeder auf seine Art liebenswert. Ich könnte gar nicht sagen, wer der vielen mir am liebsten war – da gibt es Horace, der Bücher verschreibt wie ein Arzt Medikamente, den jungen Mann, der Wörter schmuggelt, um seine Liebe kundzutun oder den charmanten Dieb Bruno Labastide, der sich geschickt durchs Leben laviert und für den sieben Wörter das Leben verändern. Es gibt noch viele weitere Charaktere – und alle sind irgendwie besonders und vor allem liebenswert. Selten habe ich mich Menschen so nahe gefühlt wie denen in diesen Kurzgeschichten.

Das liegt sicherlich auch an dem wundervollen Schreibstil, der mich von der ersten Seite an eingenommen und umhüllt hat. Er ist angenehm zu lesen und verzaubert mit jedem Wort – eindringlich, berührend und poetisch schafft er eine wundervolle Atmosphäre, die mal melancholisch, mal hoffnungsvoll ist, immer aber warmherzig und liebevoll. Ich zumindest habe mich sehr wohlgefühlt beim Lesen, eben weil die Geschichten – obwohl sie oft traurig erscheinen – von der Kraft der Liebe und der Kraft der Wörter erzählen.

Sicher werde ich dieses Buch immer mal wieder zur Hand nehmen, um genau diese behütete Gefühl noch mal zu spüren, um einzutauchen in die wunderbaren Welten, die der Autor mit seinen Geschichten geschaffen hat - und ich freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit den liebenswerten Charakteren.

Mein Fazit
Als Roman hat dieses Buch für mich leider nicht so gut funktioniert, aber die einzelnen Geschichten haben mich vollends überzeugt. Nicht nur, weil sie voller Weisheit und Phantasie stecken, sondern weil sie eine wunderbare Atmosphäre schaffen, die einen die Kraft der Liebe und die Magie der Wörter spüren lassen. Schon jetzt weiß ich, dass ich in diesen Geschichten noch viele Male versinken werde – nicht zuletzt auch weil mich der einhüllende, magische und poetische Schreibstil völlig überzeugen konnte. Einen Stern ziehe ich nur deshalb ab, weil mir die rote Faden des ganzen Romans, die große Geschichte sozusagen gefehlt hat, die einzelnen kleinen finde ich aber großartig und bin gespannt auf weitere Bücher des Autors.

Vielen Dank an den Atlantik-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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