[Rezension] Julie Kibler - "Zu zweit tut das Herz nur halb so weh"

Julie Kibler - Zu zweit tut das Herz nur halb so weh
Gegenwartsliteratur

Verlag: Pendo-Verlag
Umschlaggestaltung: Mediabureau Di Stefano, Berlin
Umschlagabbildung: Sandra Cunningham/Arcangel Images
ISBN-13: 978-3-86612-325-0
Seiten: 316 Seiten
Erschienen: 20. August 2012

Zum Inhalt 
Die schon über 80jährige Isabelle bittet ihre farbige Friseurin Dorrie, sie zu einer Beerdigung am anderen Ende des Landes zu begleiten. Auf dieser gemeinsamen Reise kommen sich die beiden Frauen näher und Isabelle erzählt aus ihrer Kindheit und Jugend. Keine leichte Zeit, denn die Sklaverei war zwar abgeschafft, dennoch war der Kontakt mit Farbigen nicht erlaubt. Doch Isabelle verliebt sich ausgerechnet in den Sohn der farbigen Hausangestellten – und sie ist bereit, zu ihrer Liebe zu stehen und setzt sich über alle Konventionen hinweg. Doch das hat leider seinen Preis.

Leseeindruck
Ich war sehr überrascht – positiv überrascht, denn dass mich das Buch so fesseln wird, dass es mir so gut gefällt, hätte ich nicht gedacht, als ich es nur wenig neugierig aus meinem Bücherregal gezogen habe.

Eigentlich sind es ja sogar zwei Geschichten, die die Autorin geschickt miteinander verknüpft. Zum einen die von Isabelle, einer alten Dame, die von ihrer Kindheit und Jugend in den 30er Jahren erzählt, einer Zeit, in der die Sklaverei zwar schon abgeschafft war, Menschen mit dunkler Hautfarbe aber immer noch gemieden wurden. Die andere Geschichte ist die von Dorrie, die gerade große Probleme mit ihrem Sohn hat - und diese spitzen sich zu als sie die ältere Dame quer durch das Land auf einer für Isabelle wichtigen Reise begleitet.

Die Idee des Romans, die beiden Frauen auf einen gemeinsamen Road-Trip zu schicken, hat mir sehr gut gefallen und ich fand sie klasse umgesetzt. Vor jedem Kapitel war immer angegeben, wer gerade erzählt und in welcher Zeit man sich befindet, so dass man gar nicht durcheinander kommen kann. Der Schwerpunkt liegt sicherlich auf der tragischen Geschichte von Isabelle, die dann in der Gegenwart ihren Abschluss findet und auch die Reise erklärt, die die beiden Frauen antreten. Isabelles Geschichte hat mich sehr berührt, ich habe mit ihr gelitten, geweint und gehofft. Gerade in ihren Jugendjahren war sie mir sehr nahe, aber auch als ältere Frau ist sie mir sympathisch. Dorrie ist ganz anders als Isabelle, nicht nur um Jahre jünger und von dunkler Hautfarbe, sondern auch vom Charakter. Sie arbeitet hart für sich und ihre Kinder, den Traum von einer glücklichen Beziehung hat sie fast aufgegeben - aber halt nur fast. Sie ist eine Frau, die im Leben steht und die die Dinge anpackt – auch sie habe ich sehr gemocht.

Das Buch hat mich gleich zu Anfang fesseln und packen können, gerade die Geschichte um Isabelle war sehr berührend und emotional. Und dachte ich zunächst, zu wissen, wie das Ende sein wird, gab es im letzten Drittel noch eine Wendung, die mich hat hoffen lassen und dem Buch noch mal richtige Spannung verliehen hat. 

Mein Fazit
Eine berührende Geschichte, die zwar mit einfachen Worten erzählt wird, dafür umso mehr mein Herz angesprochen hat. Es ist keine seichte Liebesgeschichte, sondern eher ein Drama, das in den 30er Jahren in Amerika spielt, zu einer Zeit, als die Liebe zwischen Menschen verschiedener Hautfarben noch nicht geduldet wurde. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich habe mitgefühlt und gelitten und auch die eine oder andere Träne vergossen. 5 Sterne!


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