[Rezension] Santa Montefiore - "Der Geisterbaum"

Santa Montefiore - Der Geisterbaum
Gegenwartsliteratur

Verlag: Weltbild-Verlag
Umschlaggestaltung: Studio Höpfner-Thoma, München
Umschlagmotiv: Photonica, Hamburg/IFA-Bilderteam, München
ISBN-13: 978-3-8289-7194-3
Seiten: 592 Seiten
Erschienen: 2003

Zum Inhalt 
Sofia Solanas ist hübsch, eigensinnig und wild. Nichts liebt sie mehr als die Pferde und das Polospiel – und dazu hat sie auf der Familienranch Santa Catalina in Argentinien auch genug Gelegenheit. Ihre glückliche Kindheit findet jedoch ein abruptes Ende, als sie sich in ihren Cousin Santi verliebt und eine Beziehung mit ihm beginnt. Enttäuscht und in Sorge, das Ansehen der Familie zu beschmutzen, schicken Sofias Eltern sie nach Europa – doch Sofia und Santi schwören sich ewige Treue und ein baldiges Wiedersehen. Doch ihre Pläne werden durchkreuzt und vereitelt. Kann man die Liebe seines Lebens einfach vergessen?

Meine Meinung
Wow – endlich mal wieder ein Buch, in das ich eingetaucht und versunken bin! Zwar bin ich schlecht in die Geschichte reingekommen und die ersten 100 Seiten waren für mich sehr schleppend, aber der Rest des Buches hat mich so sehr gefesselt, dass ich den mühsamen Einstieg verschmerzen konnte. 

Der Schreibstil der Autorin hat mir dabei von Anfang an gut gefallen – er ist angenehm und flüssig zu lesen. Beschreibend da, wo Bilder vor meinem Auge entstehen sollen, prägnant und bündig dort, wo es keiner ausführlicher Beschreibungen braucht. Für mich war es wie ein Film, in dem ich mitgespielt habe, ich fühlte mich als der Teil der großen Familie in Argentinien, schien auf der Familienranch Santa Catalina genauso zu Hause wie die Protagonisten.

Leider waren die ersten 100 Seiten sehr mühsam zu lesen, zum Einen weil die sehr große Familie vorgestellt wird, zum Anderen, weil es viel um Pferde und das Polospiel geht. Beides hat mich nicht so angesprochen. Ich konnte jedoch die drei Protagonisten Sofia, Santi und Maria kennenlernen – die mich dann durch das ganze Buch begleitet haben. Dann ist beim Lesen plötzlich der Knoten geplatzt und ich war drin in der Geschichte.

Die Charaktere sind alle toll gezeichnet, sie wirken echt und lebensnah, weil sie Ecken und Kanten haben und nicht einfach nur gut oder schlecht sind. Und das gilt nicht nur für die Hauptcharaktere, sondern auch für die Nebenfiguren – das hat mir wirklich sehr gut gefallen und hat mich mitfühlen lassen in der ganzen Tragödie. 

Dabei ist mir Sofia noch nicht mal sonderlich sympathisch. Gerade zu Beginn war sie mir zu anstrengend, zu egoistisch und ihr ständiges Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen, hat mir nicht gefallen. Sie ändert sich aber im Verlauf der Geschichte und wächst mir dann doch ans Herz, auch wenn ich ihre Handlungen nicht immer verstehen und nachvollziehen konnte. Ihre beste Freundin und Cousine Maria ist dagegen zunächst ein wirklich liebes Mädchen, aber im Verlauf der Geschichte zeigt sie Gefühl und Schwäche, was sie zwischenzeitlich in ein anderes Licht rückt, sie jedoch menschlich erscheinen lässt. Im letzten Drittel aber glänzt sie durch eine Stärke, die ich bewundernswert fand und hat damit einen Platz in meinem Herzen ergattert. Ich könnte jetzt noch über viele Charaktere schreiben, doch das würde den Rahmen sprengen. Für mich waren sie aber alle sehr echt und zeigten im Laufe der Geschichte, die über etwa 25 Jahre spielt, Entwicklung. 

Nur wenig werden politische Ereignisse in die Geschichte eingebaut, nur grob ein Rahmen geschaffen. Das hätte vielleicht interessant sein können, mir hat es aber nicht gefehlt und die wenigen Informationen über das Regime und die vorherrschende Diktatur haben mir im Rahmen dieser Familiengeschichte völlig gereicht.
   
Mein Fazit
Ich liebe Familiengeschichten und „Der Geisterbaum“ hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Ein warmes und sehr emotionales Buch, Charaktere, wie sie das Leben schreibt und eine wunderbare Kulisse, die zum Abtauchen einlädt. Durch den sehr angenehmen und flüssigen Schreibstil fliegen die Seiten nur so dahin und der Wälzer war trotz der vielen Seiten viel zu schnell beendet. Einen halben Stern Abzug gibt es nur für den schleppenden Anfang – aber auf jeden Fall ein empfehlenswertes Buch! 4,5 Sterne.


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