[Rezension] Sabine Weiß - "Hansetochter"

Sabine Weiß - Hansetochter
Historischer Roman

Verlag: Bastei Lübbe
Umschlaggestaltung: Johannes Wiebel, punchdesign, München
Titelillustration: © Richard Jenkins Photography
ISBN-13: 978-3-404-16887-3
Seiten: 591 Seiten
Erschienen: 17. Januar 2014

Zum Inhalt 
Lübeck, 1375. Henrike und ihr Bruder Simon wachsen nach dem Tod ihrer Mutter wohlbehütet bei ihrem Vater Konrad Vresdorp auf und helfen dem Vater gerne bei den Handelsgeschäften in Lübeck. Doch das Glück nimmt ein jähes Ende, als der Vater plötzlich stirbt und der verhasste Onkel Hartwig die Vormundschaft für die Geschwister übernimmt. Gewalt und Brutalität stehen fortan an der Tagesordnung und schnell merkt Henrike, dass Hartwig und seine Frau Ilsebe nichts Gutes im Schilde führen. Doch es ist schwer, die Wahrheit aufzudecken – zum Glück hat sie Freunde, die sie dabei unterstützen…

Meine Meinung
Der Einstieg in diesen historischen Schmöker ist spannend und macht direkt Lust auf mehr, erfährt man doch im Prolog von einem Besuch Henrikes in einem Hurenhaus – jedoch als Junge verkleidet. Warum es zu diesem Besuch kommt, erfährt man aber erst 500 Seiten später, so dass über dem ganzen Roman eine Spannung und Neugier liegt, wie es denn nun zu dieser Situation gekommen ist.

Das Buch liest sich sehr flüssig, es gibt viele Beschreibungen, insbesondere von Alltäglichkeiten und Handelsbeziehungen, aber auch von der Hansestadt Lübeck und der Umgebung. Manches war mir zu langatmig und hat den Roman ein bisschen in die Länge gezogen, gerade aber der Handel hat mich sehr interessiert und mir viele Informationen geliefert. So konnte ich mir alles genau vorstellen und war mitten in der Geschichte drin.

Die Charaktere sind zwar an vielen Stellen sehr stereotyp gehalten, dennoch sind sie mir ans Herz gewachsen und ich habe mit ihnen gefiebert. Die junge Kaufmannstochter Henrike ist ein liebes und gutmütiges Mädchen, das wissbegierig vieles aus dem Handelsbereich lernen durfte und nun nach dem Tod ihres Vaters sehr unter der Gewalt und Brutalität des neuen Vormunds, ihrem Onkel, zu leiden hat. Sie ist mir wirklich sehr sympathisch, auch wenn sie manchmal ein wenig naiv an die Sache herangeht. Dennoch bewundere ich ihren Mut, sich gegen ihren Onkel zu stellen, wohl wissend, dass sie damit wieder neue Strafen und letztlich auch Leben riskiert.

Adrian, ein belgischer Kaufmannssohn, der in Verhandlung mit Henrikes Vater stand, ist auch ein mir sympathischer Charakter, obwohl er ein bisschen wie ein Held in der ganzen Geschichte wirkt und keine schlechten Eigenschaften zu besitzen scheint. Aber ich mochte sein Beharren, sich in Lübeck einen guten Namen zu machen und natürlich auch seine Bemühungen, mit Henrike den Kampf gegen ihren Onkel zu bestehen. 

In dem Roman tauchen noch viele weitere Personen auf, manche davon haben tatsächlich gelebt, manche sind nur erdacht, aber geschickt in den historischen Rahmen eingewebt. Durch ein vorgestelltes Personenregister verliert man trotz der vielen Menschen jedoch nie den Überblick.
Gewünscht hätte ich mir noch eine Karte insbesondere der Seewege und der Handelsrouten, Platz genug hätten die Innenseiten der Klappbroschur ja geboten.

Mein Fazit
Ein angenehm und flüssig zu lesender historischer Roman, der im Milieu der Kaufmänner aus der Hansestadt Lübeck angesiedelt ist. Die Geschichte um Henrike, Simon und Adrian ist interessant und spannend und ganz nebenbei lernt man auch ein bisschen über die Blütezeit der Hansestadt im späten Mittelalter. Mag man also historische Romane und kann sich auch mit vielleicht etwas langatmigeren Beschreibungen anfreunden, dann kann ich dieses Buch durchaus empfehlen. 

Das kostenlose Leseexemplar wurde mir vom Verlag Bastei-Lübbe sowie von Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür! 

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