[Rezension] Liz Gallaga - "Fesseln des Schicksals"

Liz Gallaga - Fesseln des Schicksals
Historischer Roman

Verlag: Rororo-Verlag
Umschlaggestaltung: any.way, Cathrin Günther
Umschlagfoto: Trevillion Images; Corbis; neuebildanstalt
ISBN-13: 978-3-499-15593-9
Seiten: 704 Seiten
Erschienen: 1. Juni 2011
Originaltitel: „Lazos y cadenas“
Übersetzerin: Inka Marter

Zum Inhalt 
Louisiana, im Jahr 1837: In der gleichen Nacht werden zwei weiße Mädchen geboren – die eine ist die Tochter Katherines, die Frau des Plantagenbesitzers, die andere die Tochter Mollys, Katherines Sklavin, aber auch ihre engste Vertraute. Molly stirbt bei der Geburt – doch Katherine nimmt sich ihrer Tochter an, denn der Vater des Kindes ist ihr Mann, der Molly missbraucht und geschwängert hat.
Die beiden Töchter Hortensia und Charlotte wachsen zusammen auf und werden engste Freundinnen – doch auf dem Sterbebett sagt Katherine ihnen die Wahrheit. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war…

Meine Meinung
Wieder ein Buch, das schon lange auf meinem SuB liegt und bei dem ich nicht mal sagen kann, was mich vom Lesen abgehalten hat. Aber jetzt wollte ich es wissen und habe zu diesem Südstaatenroman gegriffen – und es nicht bereut: es ist ein toller Schmöker, der gut unterhält und den Leser in eine andere Welt entführt – ich zumindest bin völlig abgetaucht. Nur den Klappentext sollte man vorweg nicht lesen – er verrät sehr viel und gibt dem Buch eine ganze falsche Richtung.

Im Mittelpunkt stehen zwei ungleiche Schwestern, Charlotte und Hortensia, die Mitte des 19. Jahrhunderts auf einer Plantage nahe New Orleans aufwachsen. Sie sind nicht nur Schwestern, sondern auch beste Freundinnen, wissen aber nicht, dass eine von ihnen die Tochter einer Sklavin ist. Das erfahren sie erst auf dem Sterbebett der Mutter – und plötzlich ist alles anders als es einmal war. 
Die Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt, weil sie einfach interessant ist und viele unerwartete Wendungen parat hält, mit denen ich nicht gerechnet habe. Immer, wenn ich zwischendurch dachte, was denn jetzt wohl noch kommen mag, hat mich die Autorin doch wieder überraschen können mit unvermuteten Ereignissen – und das Ganze blieb dabei dennoch glaubhaft und authentisch. 

Dass ich so in der Geschichte versinken konnte, lag sicherlich auch den so unterschiedlichen und gut gestalteten Charakteren. Sie wirkten sehr lebendig und waren nicht einfach nur Gut oder Böse, sondern Menschen mit Ecken und Kanten, so dass sie sehr echt wirkten und ich sie mir sehr gut vorstellen konnte. So unterschiedlich die beiden Schwestern Hortensia und Charlotte auch waren, habe ich sie beide ins Herz geschlossen, Charlotte wegen ihrer mutigen und nie kleinzukriegenden Art, Hortensia wegen ihres großen Herzens und ihrer ruhigen Weise, Dinge anzugehen. Aber auch Noah, ihr Halbbruder, war mir von Anfang an sympathisch, mit ihm habe ich gelitten und gefiebert und auch von ihm hatte ich stets ein Bild vor Augen. Es gab noch viele weitere Figuren, wie zum Beispiel Scott oder Richard, der Großvater und vor allem auch Katherine – alle waren sehr lebendig und tief gestaltet, und  ich habe sie in der Geschichte gerne begleitet. Ich habe mich mit den so unterschiedlichen Figuren wirklich wohl gefühlt.

Der Schreibstil ist leicht und sehr flüssig zu lesen. Trotzdem konnte die Autorin die Stimmung und Atmosphäre der damaligen Zeit gut einfangen. Dabei wird es aber nie zu politisch, sondern alle Probleme, die sich aus der Sklavenhaltung ergeben, sind eher aus Sicht der Betroffenen beschrieben, so dass ich mich sehr gut in die Figuren hineinversetzen konnte. Man sollte jetzt aber nicht denken, dass das Buch nur bedrückend und traurig ist – nein, denn neben der Thematik der Sklaverei geht es auch um Freundschaft und Familie, um Zusammenhalt und Liebe. Es ist vor allem eins – sehr unterhaltsam und hat mich tatsächlich in eine andere Welt abtauchen lassen.

Mein Fazit
Eine interessante Geschichte mit lebhaften Charakteren und vielen überraschenden Wendungen – mich hat sie von der ersten Seite an gepackt und in eine andere Welt entführt, die ich nicht mehr verlassen wollte, so dass das Buch rasch beendet war. Dazu hat sicherlich auch der leichte und sehr eingängige Schreibstil beigetragen, der aber dennoch die Stimmung und Atmosphäre der damaligen Zeit gut einfangen konnte. Mit hat das Buch sehr unterhaltsame Lesestunden geschenkt – deshalb gebe ich gerne 4 von 5 Sternen.


Kommentare:

  1. Hey :)

    Ich überlege gerade, ich habe glaube ich seit "Vom Winde verweht" keinen historischen Roman mehr gelesen, der in den Südstaaten spielt ... Dabei war es gerade in Hinsicht auf den Bürgerkrieg durchaus eine interessante Zeit. Werde das Buch einmal auf meine Wuli packen, damit ich nicht drauf vergesse :).

    Liebe Grüße
    Ascari vom Leseratz Blog

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    1. Alle Achtung - du hast "Vom Winde verweht" gelesen? Ich kenne nur denFilm, dabei soll das Buch ja sehr gut sein. Sonst bin ich auch nicht so der Südstaaten-Roman-Leser - aber "Fesseln des Schicksals" hat mich wirklich sehr gut unterhalten!
      Liebe Grüße
      Sabine

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