[Rezension] Teresa Simon - "Die Frauen von der Rosenvilla"

Teresa Simon - Die Frauen von der Rosenvilla
Familiengeheimnisroman

Verlag: Heyne-Verlag
Umschlaggestaltung: © Nele Schütz Design unter Verwendung von shutterstock/Nejron Photo
ISBN-13: 978-3-453-47131-3
Seiten: 448 Seiten
Erschienen: 9. Februar 2015

Buchrückentext
„Anna Kepler, Erbin einer alten Schokoladendynastie, hat gerade ihre zweite Chocolaterie in der Dresdner Altstadt eröffnet. Sie bewohnt wieder die einstige Familienvilla, das Erbe ihres Großvaters. Als sie den legendären Rosengarten, der der Villa einst ihren Namen gab, neu anlegt, stößt sie auf eine alte Schatulle. Sie enthält das Tagebuch einer Frau, die vor hundert Jahren in der Villa gelebt hat. Doch Anna hat noch nie von dieser Emma gehört und begibt sich auf Spurensuche. Dabei stößt sie auf ein tragisches Familiengeheimnis ...“

Meine Meinung
Das wunderschöne Cover hat mich schon neugierig gemacht, und die vielen guten Rezensionen haben mich dann endgültig zu diesem Buch greifen lassen. Ich liebe Bücher mit Familiengeheimnissen, die zufällig entdeckt und gelüftet werden wollen, daher waren meine Erwartungen sehr hoch. 

Der Einstieg in die Geschichte gelingt mühelos und sofort ist man mitten drin im Geschehen. Die Protagonistin Anna macht eine zweite Chocolaterie in Dresden auf, und als Leser wird man mitgenommen in die eigene Welt der Pralinenherstellung. Zum Lesen empfiehlt sich, immer etwas Schokolade greifbar zu haben, denn beim Schmökern läuft einem im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser im Mund zusammen - und dies zieht sich auch durch das ganze Buch.

Neben der Chocolaterie hat Anna sich zum Ziel gesetzt, die gerade geerbte Rosenvilla zu renovieren – und da gehört natürlich auch der Rosengarten zu, nach dem die Villa benannt ist. In schillernden Farben beschreibt die Autorin die Pflanzen, die neu gesetzt werden und als Leser habe ich nicht nur die prachtvollen Rosen vor Augen, sondern auch den Duft in der Nase. Beim Pflanzen und sähen entdeckt Anna eine Kiste voller alter Briefe und Tagebuchseiten – und man kann sich denken, dass ihr das keine Ruhe lässt. 

Es sind Briefe von verschiedenen Frauen aus verschiedenen Zeiten, Frauen, die alle mit der Rosenvilla verbunden sind. Doch jede scheint ein Geheimnis zu wahren, denn die Briefe sind mysteriös und mit vielen Andeutungen geschrieben und auf den ersten Blick nicht immer verständlich. 

Diese Briefe begleiten auch den Leser durch die ganze Geschichte – und leiten jedes Mal einen Sprung in eine andere Zeit ein mit einer anderen Protagonistin. Insgesamt gibt es neben dem Handlungsstrang der Gegenwart noch drei in der Vergangenheit, so dass man in ca. 100 Jahre Dresdner Geschichte Einblick erhält. Zwar musste ich manches Mal hin und her blättern, in welcher Zeit ich mich gerade befand, das jeweilige Datum war aber den Kapiteln jeweils vorangestellt, so dass dies ein leichtes war.

Mir haben die Abschnitte der Vergangenheit deutlich besser gefallen als die der Gegenwart, sie waren sehr emotional und berührend, die Charaktere sehr lebendig und authentisch. Zwar wurden politische Geschehen der jeweiligen Zeit nur am Rande erwähnt, dennoch aber hat mein Einblick bekommen in das Leben Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Neugierig war ich vor allem, wie denn nun die verschiedenen Handlungsstränge zusammenhängen und wie die Fäden zusammenlaufen werden – zwar hatte ich eine Ahnung, die sich dann auch bestätigt hat, dennoch aber fand ich es interessant, die verschiedenen Handlungen zu verfolgen und langsam zusammenwachsen zu sehen. 

Der Schreibstil der Autorin ist sehr einfach und schlicht, und ich muss zugeben, dass er mir nicht so gut gefallen hat. Er ist fast schon umgangssprachlich und besteht eigentlich fast nur aus Dialogen – mir war das einfach zu viel und ich hätte mir – auch außerhalb der Schokoladen- und Rosenwelt – mehr Beschreibungen gewünscht – sowohl von Handlungen, Dingen aber auch Gedanken der verschiedenen Protagonistinnen.

Ein zweites Problem war für mich Anna, die Protagonistin der Gegenwart, mit der ich leider nicht so richtig warm geworden bin. Sie ist zwar nicht unsympathisch, aber irgendwie wirkt sie sehr burschikos mit ihrer direkten und unverblümten Art – dass sie damit den Menschen auch schon mal vor den Kopf stößt, ist ihr nur selten bewusst. Außerdem fehlt ihr häufiger das Feingefühl für Menschen und Situationen – meist hat sie nur ihre eigenen Interessen im Blick und wirkt dadurch häufig egoistisch und rücksichtslos. Die Protagonistinnen der Vergangenheit – Helene, Emma und Charlotte – fand ich viel besser gezeichnet und angelegt. Alle drei hatten zwar ihre Ecken und Kante, wirkten aber sehr authentisch und echt – mit ihnen habe ich mitgefiebert und gelitten und sie gerne begleitet.

Nach und nach erschließt sich die ganze Geschichte um die Frauen der Rosenvilla, Zusammenhänge werden geklärt, Fragen beantwortet – entweder durch die Briefe und Tagebucheinträge selbst, irgendwann aber kann auch Annas Vater sein Schweigen über seine Familie brechen und restliche Fragen klären. Das Ende ist zwar nicht unvorhersehbar und leider auch ein wenig kitschig, dennoch aber hinterlässt das Buch ein gutes und zufriedenes Gefühl.

Mein Fazit
Eine schöne Geschichte für zwischendurch, die ins alte Dresden entführt und ein spannendes Familiengeheimnis aufdeckt. Zwar sind mir nicht alle Charaktere richtig ans Herz gewachsen, dennoch habe ich sie gerne begleitet, und war neugierig, wie die verschiedenen Handlungsstränge zusammenlaufen werden. Mit dem sehr schlichten Schreibstil musste ich mich erst anfreunden, dafür aber sind die Seiten nur so dahingeflogen. Lange nachhallen wird die Geschichte sicherlich nicht, dennoch aber war sie nett und hat mich unterhalten können. Von meiner Seite 3,5/5 Sternen.

Vielen Dank an den Heyne-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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