[Rezension] Dagmar Trodler - "Der Duft der Pfirsichblüte"

Dagmar Trodler - Der Duft der Pfirsichblüte
Historischer Roman

Verlag: Weltbild
Umschlaggestaltung: Johannes Frick, Neusäß/Augsburg
Umschlagmotiv: Trevillion Imags, Brighton (© Yolande de Kort)/ © Fotolia
ISBN-13: 978-3-863-65498-6
Seiten: 461 Seiten
Erschienen: 2012

Buchrückentext 
„London, im Jahr 1812; Die junge Penelope wird mit ihrer Mutter erst zum Tode verurteilt, dann ins ferne Australien verbannt. Dich die Überfahrt wird zum Höllentrip. Penelope wird vergewaltigt und bringt an Bord eine Tochter zur Welt. Als das Schiff in Sydney einläuft, wird Penelope von ihrem Kind und ihrer Kutter getrennt, Plötzlich steht sie allein da, in einem fremden, feindseligen Land…“

Meine Meinung
Ein solider Roman über die Deportation einer jungen Frau nach Australien. Nachdem Penelope zunächst zum Tod durch den Strang verurteilt wird, lässt der Richter Milde walten, und sie wird für 14 Jahre nach Australien verschifft – und das war Anfang des 19. Jahrhunderts kein Zuckerschlecken.

Hat man noch nie etwas über diese Thematik gelesen, ist dieses Buch sicherlich sehr interessant, denn es ist gut recherchiert und sehr lebensnah beschrieben und erzählt. Dabei nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund, und die der jeweiligen Gesellschaftsschicht angepasste Sprache macht die Geschichte sowohl authentisch als auch lebhaft – auch wenn die Lage für die Betroffenen meist sehr schwierig ist – egal ob in England in den unteren Schichten, im Gefängnis unter widrigen Umständen oder auf dem Gefangenenschiff mit dem Ziel Australien. Beim Lesen ist das oft bedrückend, auch wenn der Schreibstil flüssig zu lesen ist und die Seiten schnell dahinfliegen. Hat man jedoch schon Romane aus der Zeit der Deportation gelesen, könnte dieses Buch vielleicht weniger interessant sein, denn es erinnert stark an andere Geschichten und bietet wenig Neues. Daher konnte es mich leider auch nicht überraschen.

Der Einstieg in die Geschichte gelingt mühelos – durch die authentische Sprache hatte ich alles gut vor Augen: Die ärmlichen Zustände in London, aber auch das Leben der höheren Gesellschaftsschicht und die furchtbaren Umstände auf dem Schiff. Die erste Hälfte des Buches war daher schnell und flüssig gelesen, auch wenn ich hier die Thematik schon kannte, fand ich die Geschichte dennoch spannend. Einmal in Australien angekommen jedoch, hat die Spannung für mich deutlich abgenommen. Die Handlung tröpfelt langsam vor sich hin, zu oft bedient sich die Autorin glücklicher Zufälle, die ich leider nur noch wenig glaubhaft fand. Natürlich war es schön zu lesen, dass Penelope nicht nur Schlechtes widerfährt, dennoch aber schien mir der Verlauf ein wenig aufgesetzt und das Ende war mir persönlich dann doch zu kitschig.

Die Charaktere sind gut gezeichnet, auch wenn mir die junge Penelope nicht richtig ans Herz wachsen wollte. Dabei ist sie mir schon sympathisch, handelt manches Mal aber sehr naiv, was ich aber ihrem jungen Alter zurechnen würde. Trotz ihrer lieben Art aber habe ich mit ihrem Schicksal nicht richtig mitgefiebert und war in der Geschichte auch nicht richtig gefangen. Besser gefallen hat mir da Penelopes Mutter Mary, die zwar streng und herzlos daherkommt mit einer eher burschikosen Art, aber eigentlich immer nur das Wohlbefinden ihrer Tochter im Sinn hat. Auch Liam, ein verruchter Sträfling, der Gefallen an Penelope gefunden hat, hat mir als Figur gefallen, nicht, weil er liebenswert war – ganz im Gegenteil – sondern weil er Ecken und Kanten hat, Mut beweist und sich so leicht nicht unterkriegen lässt.  

Auch wenn mich das Buch nicht ganz überzeugen konnte, würde ich es allen empfehlen, die über die Thematik der Deportation von Gefangenen noch nichts gelesen haben. Denn die Geschichte ist gut recherchiert und vermittelt einen wahren Einblick in die damaligen Zustände in England, auf einem Gefangenenschiff und auch in Australien.

Mein Fazit
Wer noch nie etwas über Gefangenentransporte im frühen 19. Jahrhundert gelesen hat, dem könnte dieses Buch gefallen. Denn die Geschichte ist spannend konstruiert, gut recherchiert und lässt sich flüssig lesen. Zwar lässt die Spannung in der zweiten Hälfte nach und Zufälle bestimmen den Verlauf, was leider wenig glaubwürdig wirkt, dennoch aber hat mich das Buch gut unterhalten. Da für mich die Thematik leider nicht neu war, war ich nicht ganz so gefesselt und gebe daher 3,5/5 Sternen.


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