[Rezension] Andrès Pascual - "Das geheime Lied"

Andrès Pascual - Das geheime Lied
Historischer Roman

Verlag: Blanvalet-Verlag
Umschlaggestaltung: © bürosüd°, München
Umschlagmotiv: plainpicture/arcangel/Roberto Pastrovicchio
ISBN-13: 978-3-442-38178-4
Seiten: 511 Seiten
Erschienen: 17. Juni 2013

Zum Inhalt 
„Paris, 2010. Ohne eine Note gespielt zu haben, verlässt der Violinist Michael Steiner die Bühne der Opéra Garnier und kommt nicht zurück. Nur Fabien Rocher, dem Operndirektor, vertraut er sich an: Auf ihrem Sterbebett versprach er seiner Frau, die Melodie, die er für sie allein komponiert hatte, noch einmal zu spielen. Doch diesen letzten Wunsch konnte er bisher nicht erfüllen, aus Angst die Erinnerung könnte verblassen. Daraufhin gibt ihm Rocher ein Manuskript, das Ludwig XIV. verfasst haben soll. Es erzählt von einem mysteriösen »Komponisten der Stürme«, der einst nach dem allmächtigen Lied der Seele suchte, das sich nur wahren Liebenden offenbart. Doch für das man einen hohen Preis zahlen muss …“

Meine Meinung
Ich hatte eine ganz andere Vorstellung, als ich angefangen habe, das Buch zu lesen – irgendwie dachte ich, es sei eine Geschichte auf zwei Zeitebenen und es geht um ein Geheimnis. Weit gefehlt – auch wenn der Rahmen im Jahre 2010 spielt, ist die eigentliche Geschichte Mitte des 17. Jahrhunderts angesiedelt – und hier spielt das Buch auch größtenteils. Den Rahmen bilden wirklich nur 20 Seiten am Anfang und Ende. Aber der hat so großartig gepasst und das Buch zu etwas besonderem werden lassen.

Es ist eine tolle Mischung aus historischem Roman und Abenteuergeschichte, wobei das Abenteuer wirklich im Vordergrund steht. Dabei entführt der Autor den Leser zunächst nach Frankreich, wo auch der Sonnenkönig Louis XIV eine Rolle in der zwar komplex, aber sehr geschickt angelegten Geschichte spielt, um dann nach einer spannenden Schiffsreise auf dem Meer mit Piraten und Kämpfen nach Madagaskar zu gelangen – hier kommt ein ganz besonderes Feeling auf durch die Ursprünglichkeit des Landes mit seiner wunderschönen Flora und Fauna, aber auch durch die fesselnden Geschichte um die Ureinwohner der Insel. Wieder zurück in Frankreich spitzt sich die Geschichte weiter zu, um dann in einem tollen Finale zu enden. 

Die Idee fand ich toll – es ist eine Mischung aus realen Dingen und phantastischen Ideen, in dem auch der Stein der Weisen eine Rolle spielt. Wie ein roter Faden zieht sich die Musik durch das ganze Buch – denn es geht um eine ganz bestimmte Melodie, die gebraucht wird, um den Stein der Weisen herzustellen, die aber nicht einfach komponiert werden kann, sondern in fernen Landen gesucht wird.
Was mir am besten gefallen hat ist die Atmosphäre im Buch – und die ist immer an die verschiedenen Ort und Szenen angepasst. In der Bastille oder auch in Frankreichs Straßen, als Unholde ihr Unwesen treiben, ist die Stimmung düster und dunkel, dann wieder abenteuerlich auf dem Schiff mit Piratenkämpfen oder ursprünglich im Dschungel von Madagaskar. Wenn es um die Musik, das Geigenspiel, den Gesang und das geheime Lied geht, habe ich die Atmosphäre immer als sehr besonders empfunden, ich habe mich einfach wohl gefühlt und war völlig gefangen in diesem guten Gefühl, fühlte mich gut aufgehoben und spürte ein Lächeln auf den Lippen – unglaublich, dass der Autor dies mit seinen Worten über die Musik schaffen konnte. 

Zu keinem Zeitpunkt aber ist Langeweile aufgetreten, zwar gibt es auch Beschreibungen im Buch, so dass ich mir alles super vorstellen konnte, dennoch aber waren diese nicht übermäßig und die Geschichte wurde stetig vorangetrieben. Eigentlich tappt der Protagonist Matthieu von einem Abenteuer ins nächste, so dass ich durch das Buch geflogen bin, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

Den Schreibstil fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, vielleicht weil die Sätze oft lang sind, manchmal holprig erschienen, was aber eher daran lag, dass sie an die Zeit, in der das Buch spielt, angepasst wurden. Ich habe mich aber schnell einlesen können und fand den Schreibstil dann auch angenehm und flüssig zu lesen.

Die Charaktere sind großartig gezeichnet. Gerade Matthieu ist mir sehr ans Herz gewachsen und mit ihm habe ich mitgefiebert. Manches Mal erscheint er vielleicht ein bisschen naiv, dann aber wieder mutig und sehr selbstbewusst – es war einfach ein toller Charakter, den ich gerne begleitet habe. Aber auch die anderen Figuren waren sehr echt mit ihren Ecken und Kanten, ihren vielen Emotionen und Geheimnissen – sie wirkten sehr lebensecht und haben die Geschichte mit den ganzen Abenteuern, die es zu bestehen galt, lebendig gemacht.

Die Rahmenhandlung der Geschichte war zwar nur ganz kurz angelegt, aber sie hat so gut gepasst und dem ganzen Inhalt einen Sinn und einen wunderbaren Abschluss gegeben. 

Mein Fazit
Ein wundervoller Schmöker, der ins 17. Jahrhundert entführt und den Leser auf ein spannendes Abenteuer mitnimmt. Der Schreibstil erscheint anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, davon aber sollte man sich nicht abhalten lassen, denn die Geschichte ist zwar komplex angelegt, dafür aber sehr besonders, fesselnd und spannend zugleich. Für mich war es ein Buch zum Abtauchen, das mir wundervolle und abenteuerliche Lesestunden geschenkt hat. Ich würde dieses Buch nicht nur Freunden historischer Romane empfehlen, denn das Abenteuer steht eindeutig im Vordergrund. 


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