[Rezension] Peter Prange - "Himmelsdiebe"

Peter Prange - Himmelsdiebe
Gegenwartsliteratur

Verlag: Osterwold audio 
Umschlaggestaltung: Verwendung der Gestaltung der Buchausgabe von HildenDesign, München, www.hildendesign.de
Umschlagabbildung: © shutterstock
ISBN: 978-3-86952-053-7
Dauer: 6 CDs, 451 Minuten
Erschienen: 17. August 2010
Sprecher: Nina Petri, Marlen Dikhoff, Peter Franke

Zum Inhalt 
Die junge Laura Paddington ist wie verzaubert von dem exzentrischen Maler Harry Winter und die beiden verbindet ein Zauber, der Grenzen überschreitet. Sie dient ihm als Muse, er ihr als Lehrer und Liebhaber. Doch Harry ist Deutscher und seine Kunst von den Nationalsozialisten als entartet eingestuft. Doch die Liebe der beiden kann so schnell nicht erschüttert werden – sie machen sich auf nach Frankreich und schaffen sich dort ein eigenes Paradies. Doch auch in dieser selbstgewählten Zweisamkeit werden sie von der Realität eingeholt – Harry gelangt in ein Internierungslager, Laura zieht sich in eine eigene Phantasiewelt zurück. Werden die beiden wieder zueinander finden?

Meine Meinung
Erwartet hatte ich einen schönen Liebesroman und auch das wundervolle Cover hat mir dies vermittelt, bekommen aber habe ich etwas ganz anderes. Peter Prange scheint inspiriert vom Leben des deutschen Malers Max Ernst (Harry Winter) und seiner Geliebten Leonora Carrington (Laura Paddington), als er den Roman schrieb, so spielt die Geschichte dann auch im Künstlermilieu - zur Zeit des Nationalsozialismus. Es ist jedoch keine leichte Liebesgeschichte, sondern eher die Darstellung einer intensiven Beziehung zweier Menschen, mit eigenen Werten und Vorstellungen, die jedoch ihre Beziehung nicht in der Art leben können, wie sie es wünschen. Zu stark sind die Einflüsse von außen, vor allem durch das herrschende Regime, die der Zweisamkeit von Laura und Harry immer wieder entgegenstehen. 

Das Hörbuch lässt sich sehr angenehm hören, die Stimmen sind wunderbar gewählt und verleihen den Figuren Leben und Charakter. Dennoch hatte ich zwischendurch meine Probleme mit der Geschichte – darüber konnten auch die Sprecher nicht hinweghelfen. Zwar hat mich die Idee des Romans angesprochen und mir auch gefallen, aber viele Passagen fand ich langatmig – dies gerade in der zweiten Hälfte des Buches. Während die Geschichte interessant und sehr gefühlvoll beginnt, vor allem aber durch die ungewöhnlichen Charaktere besticht, ist es in der zweiten Hälfte ein ewiges Hin und Her zwischen den Protagonisten. Ich fand dies sehr verwirrend, zumal es zunehmend um die Kunst geht, speziell um ein gemeinsam geschaffenes Bild von Laura und Harry, das als Inbegriff ihrer Beziehung und ihrer Gefühle steht. Jedoch verliert sich die Geschichte zunehmend in genau diesem Werk, die Handlungen der Figuren werden mir immer fremder. Waren mir Harry und Laura zwar schon zu Beginn der Romans eher fremd, zwar nicht unsympathisch, aber eben keine Figuren, mit denen ich mich identifizieren konnte, so konnte ich in der zweiten Hälfte die Handlungen und Gefühle der beiden gar nicht mehr nachvollziehen. Dazu wurden Szenen sehr langatmig dargestellt, was mein Hörvergnügen dann doch geschmälert hat. Das Ende fand ich passend und hat mich nicht enttäuscht, denn es zeigt Entwicklung der Figur Lauras und ihre dann doch noch gewonnene Charakterstärke.

Mein Fazit
Das Cover ist wirklich wunderschön, doch sollte man bei diesem Hörbuch keine seichte Liebesgeschichte erwarten. Tolle Stimmen verleihen den Figuren Charakter und Leben und während die erste Hälfte mich noch fesseln und begeistern konnte, fand ich die zweite Hälfte dann leider zum Teil sehr abstrus und langatmig. Dennoch bin ich froh, das Hörbuch gehört zu haben, hat es mir doch einen interessanten Einblick in die verfolgte Künstlerszene zur Zeit des Nationalsozialismus gegeben – mitsamt aller seiner Konsequenzen für den Einzelnen. Kein Buch für Zwischendurch, doch wenn man weiß, worauf man sich einlässt, durchaus hörenswert. Von meiner Seite 3,5 Sterne.


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