[Rezension] Lesley Pearse - "Mein Herz war nie fort"

Lesley Pearse - Mein Herz war nie fort
Historischer Roman

Verlag: Bastei Lübbe
Umschlaggestaltung: Gisela Kullowatz
Titelillustration: photodisc by getty-images /Eric Schmidt /Masterfile
ISBN-13: 978-3-404-15905-5
Seiten: 670 Seiten
Erschienen: 24. November 2008
Originaltitel: „Hope“
Übersetzerin: Michaela Link

Zum Inhalt 
England, 1832. Hope wächst gut behütet bei der Familie Renton auf, die in vielen Generationen im Dienste einer reichen Familie steht - nicht ahnend, dass sie eigentlich die Tochter eines guten Hauses ist. Doch die Idylle wird von jetzt auf gleich zerschlagen, als sie gezwungen wird, die Familie zu verlassen – denn mit nichts in der Hand ist es ein schweres, sich ein eigenes Leben aufzubauen.

Meine Meinung
Den Klappentext würde ich nicht empfehlen zu lesen, denn eigentlich umreißt er schon den Inhalt des gesamten Schmökers – besser ist es, sich einfach hineinfallen zu lassen in die Geschichte, dann kann man sie viel besser genießen und wird zudem häufiger überrascht.

Ich muss gestehen, dass mich diesmal Lesley Pearse nicht ganz überzeugen konnte. Das lag vor allem an der ersten Hälfte des Buches, die an manchen Stellen doch etwas langatmig war, dafür aber einen tollen Blick in das Leben sowohl der Bediensteten als auch der höheren Gesellschaft bietet. In der zweiten Hälfte dann hat mich das Buch aber auch richtig packen können, es ist spannend, bietet überraschende Wendungen und entführt den Leser auch an interessante Orte weit weg von England.

Doch worum geht es eigentlich in diesem Buch? Letztlich ist es die Geschichte zweier ungleicher Schwestern, die ganz unterschiedliche Lebenswege einschlagen und bei denen das Schicksal immer wieder zuschlägt, sie beide voneinander trennt und erst nach Jahren wieder zusammenbringt. Als Leser wird man entführt ins 19. Jahrhundert nach England und Russland – man kann viel lesen über das Leben der Bediensteten, ihre Abhängigkeit von ihren Herrschafften und die Willkür, die oft herrscht – aber auch über das Leid derjenigen, die auf den Straßen leben müssen oder wie eingeschränkt die medizinische Versorgung damals noch war – egal ob bei einer Epidemie, die  ganze Stadtteile dahinraffen lässt, oder zu Kriegszeiten, in denen die Ärzte und Schwestern mit nahezu nichts in den Händen versuchten, zu helfen und zu behandeln.

Die Charaktere sind alle gut gezeichnet und die Autorin hat sich auch genügend Zeit genommen, sie in die Geschichte einzuführen und sie dann sich entwickeln zu lassen. Ich habe diese langsame Entwicklung gerne gemocht, weil sie dadurch glaubhaft und authentisch war. 

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich leicht lesen, vermittelt dabei aber dennoch die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts – sowohl in England als auch in Russland. Ich zumindest habe mich entführt gefühlt in eine andere Zeit und auch an andere Orte. Leider fand ich die erste Hälfte des Buches an manchen Stellen etwas langatmig – das lag vor allem den vielen Beschreibungen, die zwar dazu führten, das ich mir alles genau vorstellen konnte, dafür aber ist einfach sehr wenig passiert, so dass mich die Geschichte nicht richtig gepackt hat. Dafür aber hat mich dann die zweite Hälfte begeistern können, die spannend und fesselnd war, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.

Nach Cover und Titel könnte man denken, es handle sich um einen kitschigen Liebesroman – doch das ist das Buch gar nicht. Vielmehr bietet das Buch Einblicke in die damalige Zeit mit allen Höhen und Tiefen, Schwächen und Stärken – es geht um Liebe und Hass, um Freundschaft und Tod. Es wird nichts beschönigt und bei weitem ist in diesem Buch nicht alles eitel Sonnenschein. Für mich ist es nicht gerade eins der besten Bücher Lesley Pearse, dennoch aber kann ich es als Schmöker für gemütliche Stunden gut empfehlen. Ich gebe dem Buch 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Die erste Hälfte hat mich leider nicht so packen können, auch wenn die Geschichte eigentlich ganz interessant war – dennoch aber ist mir einfach zu wenig passiert und es gab zu viele langatmige Beschreibungen. Die zweite Hälfte aber hat mich dann total gefesselt und hier konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Wer sich für das Leben im 19. Jahrhundert mit all seinen Herausforderungen interessiert, der sollte sich diesen Roman ruhig mal anschauen – nur den Klappentext würde ich nicht lesen, denn der verrät eigentlich schon den Inhalt des gesamten Buches.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare: