[Rezension] Kristin Harmel - "Über uns der Himmel"

Kristin Harmel - Über uns der Himmel
Frauenroman

Verlag: Blanvalet-Verlag
Umschlaggestaltung und -motiv: © www.buerosued.de
ISBN-13: 978-3-442-38333-7
Seiten: 448 Seiten
Erschienen: 16. März 2015

Buchrückentext
„Die junge Kate Waithman lebt mit ihrem Mann Patrick in Manhattan. Eines Morgens geht sie am Hudson River joggen, als plötzlich ein Flugzeug den Himmel durchbricht. Momente später ist das World Trade Center in Rauch gehüllt. Es ist das Gebäude, in dem Patrick arbeitet... 
Dreizehn Jahre später fühlt sich Kate endlich bereit, ihr Herz wieder zu öffnen. Doch dann hat sie einen unglaublich realen Traum – von dem Leben, das sie mit Patrick gehabt haben könnte. Während sie Nacht für Nacht an ihrer verlorenen Liebe festhält, beginnt Kate zu ahnen, dass es für sie einen zweiten Weg zum Glück geben könnte...“

Meine Meinung
Nachdem mir „Solange am Himmel Sterne stehen“ von Kristin Harmel sehr gut gefallen hatte, war ich natürlich neugierig auf den neuen Roman von der Autorin. Und ich bin hin und her gerissen von der Geschichte – es gibt Ideen und Gedanken im Buch, die mir sehr gut gefallen haben und die mich auch fesseln konnten, es gibt aber auch Abschnitte und Wendungen, die leider gar nicht meins waren.

Das Buch beginnt sehr berührend – Kate erinnert sich an die letzten gemeinsamen Stunden mit ihrem Ehemann Patrick, wie sie mit ihm streitet, sich wieder versöhnt, er ihr einen Glücksbringer schenkt, sie sich zum Essen verabreden und sich ein letztes Mal liebevoll voneinander verabschieden – denn Patrick kommt danach durch den schrecklichen Anschlag vom 11.September in den Twin Towers ums Leben. Dieser Teil der Geschichte hat mich sehr berührt und auch bedrückt – denn ich fühlt mich an mein eigenes Entsetzen erinnert, das ich an jenem Tag verspürt habe – und das, obwohl ich weder Freunde noch Verwandte durch den Anschlag verloren habe. 

Die eigentliche Geschichte spielt dann 13 Jahre später - Kate lebt zwar in einer neuen Beziehung, aber glücklich ist sie dennoch nicht. Das wird ihr schlagartig bewusst, als sie sehr lebendige Träume von Patrick hat, die ihr zeigen, wie ihr Leben hätte verlaufen können und was aus ihr und Patrick hätte werden können. Kate beginnt, sich und ihr ganzes Leben in Frage zu stellen, und obwohl sie weiß, dass es sich nur um – wenn auch reale - Träume handelt, kann sie von ihrem verstorbenen Ehemann einfach nicht lassen und sie lässt nichts unversucht, ihm wieder näher zu kommen.

Dieser Teil – die Träume über Patrick und Kates Versuche, in ihrem Leben wieder Fuß zu fassen – nimmt den größten Teil der Geschichte ein. Zwar war es für mich eine große Herausforderung, mit diesen mystischen und magischen Träumen sowie Kates Empfindungen darin umzugehen, aber ich habe diese Herausforderung angenommen, obwohl ich mich bis zum Schluss mit dieser Idee der Geschichte nicht anfreunden konnte. Vermutlich liegt es daran, dass die Träume bis zum Schluss magisch und mystisch bleiben, ihnen etwas Hellseherisches anhaftet, das auch bis zum Schluss nicht erklärt oder aufgelöst wird. 

Was mir aber gut gefallen hat, ist der Weg, den Kate einschlägt. Sie ist ja bereits Musiktherapeutin und man erfährt einiges über ihre Arbeit mit Kindern und was sie dadurch erreichen kann. Das fand ich sehr interessant und hat mich auch richtig fesseln können. Bisher hatte ich nicht viel über diesen Zweig therapeutischer Arbeit gehört, so dass ich wirklich sehr angetan war über diese Abschnitte, die nicht nur zeigten, wie toll Kate mit Kindern und Jugendlichen umgehen kann, sondern einfach Einblicke in ihre Arbeit gegeben haben. Toll fand ich dann auch das Thema Gehörlose, wie sie sich durchs Leben schlagen, unter was für Vorurteilen sie leben müssen und wie schwer - trotz Cochleaimplantaten und Gebärdensprache - dennoch der Alltag für Schwerhörige sein muss. 

Kate lernt in dieser Zeit viel über sich und auch über das Leben – sie trifft für sie wichtige Entscheidungen, die zwar weh tun, dennoch aber wichtig und richtig sind. Es gibt in diesem Teil der Geschichte tolle Gedanken und Impulse, die mich nachdenklich gemacht haben und mich das eigene Handeln haben überdenken lassen. Zwar ist klar, dass das Leben im Hier und Jetzt spielt, dennoch aber hat die Autorin sehr eindrücklich beschrieben, wie stark Vergangenes und Geschehenes die Gegenwart beeinflussen.

Im letzten Drittel des Buches geschehen dann Dinge, die ich zum einen sehr vorhersehbar fand, die zum anderen auf mich sehr konstruiert und unrealistisch wirkten, und über die ich mich dann zum Teil schon richtig geärgert habe. Das für mich kitschige Ende passte dann zwar zur Geschichte und hat den Kreis geschlossen, dennoch aber war es mir einfach zu viel des Guten.

Der Schreibstil ist sehr leicht und locker, lässt sich flüssig lesen, so dass die Seiten nur so dahinfliegen. Die Charaktere sind zum Teil sehr gut gestaltet, wie zum Beispiel der der Protagonistin Kate, die von Anfang an sehr sympathisch ist und mit der ich mitgefühlt habe – auch ihre Entwicklung hat mir gefallen, dass sie für sich einen Weg findet, ein glückliches Leben zu führen. Andere Charaktere dagegen fand ich sehr stereotyp, wie zum Beispiel Dan, den neuen Verlobten Kates, der das genaue Gegenteil des verstorbenen Patricks zu sein scheint und wo man sich als Leser fragt, wie Kate mit ihm zusammenkommen konnte. Auch Patrick scheint nur gute Seiten gehabt zu haben und wirkte dadurch auf mich leider nicht sehr authentisch. 

Insgesamt war die ganze Geschichte sehr packend, und auch wenn mir manche Aspekte im Buch überhaupt nicht gefallen haben, war ich doch gefesselt und wollte wissen, wie die Geschichte ausgeht. Ich bin daher bei meiner Bewertung sehr unentschlossen – das Buch ist nicht schlecht, mich aber konnte es nicht gänzlich berühren und einiges hat mir leider nicht gut gefallen. Dennoch aber gebe ich 3,5/5 Sternen für die tolle Idee und die doch interessanten Impulse und Informationen.

Mein Fazit
Eine tolle Idee, schöne Botschaften und interessante Abschnitte über Gehörlose und Musiktherapie – doch sollte man sich auch mit einer gehörigen Portion Mystik, Magie und Kitsch anfreunden können, wenn man dieses Buch liest. Der einfache Schreibstil und die sympathischen Charaktere lassen einen durch das Buch fliegen, dennoch bin ich zwiegespalten bei meiner Bewertung. Es gab tolle Passagen und Aspekte, aber auch Ideen, die mir gar nicht zusagten – ich gebe daher 3,5/5 Sternen, und werde die Autorin weiter verfolgen – denn mit ihrem Erstlingswerk „Solange am Himmel Sterne stehen“ konnte sie mich richtig überzeugen. 


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