[Rezension] Linda Newberry - "Der Tag, an dem Rose verschwand"

Linda Newberry - Der Tag, an dem Rose verschwand
Gegenwartsliteratur

Verlag: Blanvalet-Verlag
ISBN-13: 978-3764504977
Seiten: 416 Seiten
Erschienen: 27. Oktober 2014

Buchrückentext 
„Als Anna sich an einem heißen Sommertag auf den Weg in die Stadt macht, genießt Rose die Sonne im Garten. Anna ahnt nicht, dass sie ihre Schwester zum letzten Mal gesehen hat. Zwanzig Jahre später fällt es Anna schwer, in die Zukunft zu blicken, da doch Rose immer nur Vergangenheit sein wird. Auch ihre Mutter, die schon einmal einen geliebten Menschen verlor, scheint mit der Tragödie nicht abgeschlossen zu haben – und ein Geheimnis zu verbergen … Was ist damals in den 60ern passiert? Und wer ist Rosanna, von der sie immer wieder spricht? Eine berührende Geschichte über Mütter und Töchter, über Schwestern und über die Geheimnisse, die wir in uns tragen.“

Meine Meinung
Auch wenn mich das Buch nicht komplett überzeugen konnte, hat es mich doch gut unterhalten und mir interessante Lesestunden geschenkt.

Im Buch ist vor allem Anna die Protagonistin, der das Verschwinden ihrer damals 18jährigen Schwester Rose einfach keine Ruhe lässt und sich jetzt nach 20 Jahren erneut auf die Suche nach ihr macht. Aber nicht nur Anna lässt das Verschwinden von Rose auch nach so langer Zeit nicht kalt, auch ihre Mutter Sandra kann es immer noch nicht akzeptieren oder gar verschmerzen. Im Laufe der Geschichte lernt man Sandra und Anna näher kennen, wie sehr beide unter dem Verschwinden der Tochter bzw. Schwester leiden und wie sehr Rose noch immer ihrer beider Leben beeinflusst. Man lernt Sandra auch in jungen Jahren kennen, wie sie Don, ihren Ehemann kennenlernt, was sie mit ihrem Bruder erlebt hat, und erfährt, dass sie schon einiges mitgemacht hat, was vielleicht die eine oder andere Reaktion ihrerseits erklärt. Auch Anna scheint immer noch beeinflusst von Rose, stellt sich, ihr Leben und ihre eigene Beziehung in Frage und ist wie getrieben, jetzt nach 20 Jahren das Rätsel um das Verschwinden ihrer Schwester zu lösen.

Die Autorin hat es wirklich wunderbar geschafft, die verschiedenen Gefühle aufzuzeigen, die Verzweiflung, die vor allem bei Anna und Sandra vorherrschen und ihren scheinbar nicht überwindbaren Schmerz über den Verlust der geliebten Rose. Nach und nach blickt man in die Familie, Geheimnisse werden gelüftet und Geschehnisse aus der Vergangenheit erklären Verhaltensweisen der Gegenwart. 

Die Figuren sind alle gut gezeichnet und man erfährt durch ihre Vergangenheit, aber auch durch ihr Handeln in der Gegenwart vieles über sie. Anna mochte ich dabei aber leider nicht so gerne, weil ich viele ihre Handlugen nicht verstehen konnte. Wie sie mit ihrem Partner umgeht, wie sie partout das Gespräch mit Martin meidet und ihn im Ungewissen stehen lässt – das fand ich wirklich unmöglich und auch mit ihrem ganzen Schmerz, den sie immer noch durch Rose Verschwinden empfindet, nicht zu erklären. Auch Sandra ist mir nicht richtig ans Herz gewachsen, auch wenn ich durch die Rückblicke auf ihre eigene Geschichte  manche Verhaltensweisen besser verstehen und einordnen konnte. Klasse dagegen fand ich die Männer in der Geschichte. Sowohl Don, Sandras Ehemann, als auch Martin, Anna Partner, haben Größe und Stärke bewiesen und weitaus mehr Einfühlungsvermögen gezeigt, als ich zunächst vermutet hätte. Ihr Bestreben war, Lösungen zu finden und nicht, vor Problemen wegzulaufen – und das hat mir gefallen.

Das Buch liest sich sehr schnell und flüssig – das liegt sicherlich an dem eingängigen, wenn auch einfachen Schreibstil, aber auch daran, dass man einfach wissen will, wie es weitergeht und was sich in der Vergangenheit alles zugetragen hat und bisher verschwiegen wurde. Mich hat das Buch gefesselt, und ich fand es spannend zu erfahren, was sich alles in der Vergangenheit zugetragen hat.

Was mir leider gar nicht gefallen hat ist das Ende des Buches. Ich hatte beim Lesen zwar eine Vermutung, was es mit dem Verschwinden von Rose auf sich hat, und diese hat sich dann auch bestätigt, aber irgendwie wirkte das Ende auf mich unspektakulär und zu glatt – so gar nicht passend zu dem Unfassbaren, was geschehen ist. Auch hier wieder konnte ich die Reaktion von Anna nicht verstehen – mehr aber kann ich hier nicht dazu sagen, denn ich möchte nicht zu viel verraten. 

Mein Fazit
Auch wenn mich das Ende des Buches sehr enttäuscht hat, war die Geschichte interessant und fesselnd und die im Verlauf auftretenden Geheimnisse aus der Vergangenheit einzelner Familienmitglieder haben ein anderes Licht auf das Verschwinden von Rose, aber auch auf die Verhaltensweisen der Hinterbliebenen geworfen. In einem einfachen Schreibstil geschrieben, liest sich das Buch rasch und flüssig und hat mich gut unterhalten. Wer also Familiengeschichten mag, dem kann ich dieses Buch empfehlen, ich selber aber bin von dem Ende sehr enttäuscht, so dass ich deswegen einen Stern abziehe. 

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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