[Rezension] Johanna Nicholls - "In einem weiten Land"

Johanna Nicholls - In einem weiten Land
Historischer Roman

Verlag: Page & Turner
Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur München
Umschlagabbildung: Susan Fox /Trevillion Images; Flying Squirrel, English School, (19th century) /Private Collection /© Look and Learn /Bridgeman Images; FinePic©, München
ISBN-13: 978-3-442-20441-0
Seiten: 730 Seiten
Erschienen: 10. November 2014

Buchrückentext 
„1827: Als die junge Vianna Francis übel verleugnet wird, verlässt sie London Hals über Kopf und flüchtet nach Australien. Da sie weder Geld noch Papiere besitzt, muss sie das Angebot des zwielichtigen Montague Severin annehmen: Er bietet ihr ein Zuhause, wenn sie in seinem Club reiche Männer zum Glücksspiel animiert. Schon bald verlangt Severin aber mehr von Vianna. Als sie sich Severin widersetzt, droht er ihr auf brutale Weise. Vianna ist völlig verzweifelt. Doch dann bekommt sie Hilfe von unerwarteter Seite. Aber kann sie darauf wirklich vertrauen?“ 

Meine Meinung
Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut, denn das Cover finde ich total schön und auch der Klappentext verspricht eine interessante Geschichte. Das Buch handelt von einer jungen Frau, Vianna, die im Jahre 1827 nach Australien flüchtet, dort aber in die Fänge eines gnadenlosen Ausbeuters gerät, der sie als Konkubine arbeiten lässt. Doch sie kann nicht fliehen, denn er hat sie in der Hand: nur Severin weiß, wo Viannas kleine Schwester ist. Er ahnt allerdings nicht, dass Vianna Freunde gefunden hat, die bereit sind, ihr zu helfen – denn sowohl Mungo als auch Felix, zwei konkurrierenden Halbbrüder, haben ihr Herz an Vianna verloren.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und gewinnend, lässt sich leicht lesen und macht einfach Spaß. Er ist sehr bildhaft, so dass ich mir alles gut vorstellen kann und ich mich nach Australien in eine andere Zeit versetzt fühlte. Der Einstieg in die Geschichte ist etwas gemächlich und zunächst wusste ich nicht recht, wohin die Reise gehen wird, manche Stellen fand ich zugegebenermaßen auch etwas langatmig. Es werden nach und nach die drei Protagonisten vorgestellt, denn dieses Buch hat nicht nur einen Hauptcharakter, sondern direkt drei. Und um diese entwickelt sich die Geschichte langsam. Felix, Mungo und Vianna sind drei grundverschiedene Menschen, alle drei waren mir sympathisch, auch wenn ich nicht immer alle Handlungsweisen von ihnen verstehen konnte. Am liebsten mochte ich allerdings Mungo, der etwas verwegene und draufgängerische Bruder von Felix, der zwar kaum einen Fettnapf auslässt, sich aber trotz vieler widriger Umstände durchzusetzen weiß. An ihm mochte ich vor allem seine pfiffige Art – er hat es immer wieder geschafft, mich zu überraschen und mir ein Schmunzeln auf die Lippen zu zaubern. Sein Halbbruder Felix dagegen ist eher reserviert, überhaupt kein Draufgänger, sondern eher ein romantischer und vor allem schüchterner Kerl, der nicht recht weiß, mit Frauen umzugehen. In seiner unbeholfenen Art aber hatte auch er wieder etwas Liebenswertes. Vianna mochte ich zwar auch, sie aber konnte ich in ihren Handlungen am wenigsten verstehen – mal erscheint sie sehr patent und ideenreich, dann aber wieder ist sie sehr naiv, zurückhaltend und unentschlossen. Irgendwie schien mir ihre Figur nicht so richtig schlüssig – dabei ist sie aber dennoch sympathisch, und ich habe mit ihr mitgefiebert.

Nach und nach wird dann auch klar, wohin sich die Geschichte entwickelt – zum einen geht es um die Suche der kleinen Schwester von Vianne, zum anderen aber auch um die pikante Dreiecksgeschichte, die sich zwischen Vianne, Mungo und Felix entspannt. Man erfährt viel über das gesellschaftliche Leben in Australien, aber auch über verurteilte Zwangsarbeiter und deren Bedingungen, im Busch zu arbeiten. Es geht um Liebe und Freundschaft und um den Kampf des Überlebens. Dabei gab es immer wieder spannende und fesselnde Kapitel und Szenen, dann aber auch wieder Abschnitte, die mich leider nicht so fesseln konnten und die ich dann eher langatmig fand, weil einfach nicht so viel passierte. Im letzten Drittel des Buches geht es dann noch mal so richtig rasant zu und die Ereignisse überschlagen sich. Das Ende selber mochte ich dann leider nicht, denn es war mir zu plötzlich und zu rund und alle Probleme schienen sich plötzlich in Luft aufgelöst zu haben.

Gefallen an dem Buch hat mir vor allem die Atmosphäre, die die Autorin geschaffen hat. Ich habe mich wirklich nach Australien versetzt gefühlt, habe beim Lesen immer Bilder vor Augen gehabt, sowohl von den verschiedenen Landschaften und Orten als auch von den Figuren. Der Schreibstil hat mich eingefangen und es geschafft, mich an einen anderen Ort in eine andere Zeit zu versetzen – und das war wirklich toll.

Mein Fazit
Eine interessante Geschichte, die den Leser nach Australien in das frühe 19. Jahrhundert entführt und mit dem angenehmen und einladenden Schreibstil Bilder von Landschaften und Szenen vor dem eigenen Auge entstehen lässt. Die Charaktere sind gut gezeichnet, und alle drei Protagonisten – so verschieden sie auch waren – habe ich ins Herz geschlossen. Die Geschichte entwickelt sich zu einer spannenden Suche nach einer verlorenen Schwester und einer pikanten Dreiecksgeschichte zwischen den Protagonisten – so gerne ich mich auch nach Australien versetzt fühlte, fand ich die eine oder andere Stelle etwas langatmig. Mit etwas weniger Seiten hätte mich das Buch wahrscheinlich überzeugen können, so vergebe ich 3,5/5 Sternen.


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