[Rezension] Anat Talshir - "Über uns die Nacht"

Anat Talshir - Über uns die Nacht
Roman

Verlag: Diana-Verlag
Umschlaggestaltung: t. mutzenbach design, München
Umschlagabbildung: © Mark Owen/Trevillion Images und shutterstock
ISBN-13: 978-3-453-35777-8
Seiten: 526 Seiten
Erschienen: 8. Dezember 2014

Buchrückentext

„Die Jüdin Lila begegnet dem arabischen Teehändler Elias zum ersten Mal am Vorabend der israelischen Staatsgründung in Jerusalem. Es ist der Beginn einer tiefen Liebe, die geheim bleiben muss. Als Krieg ausbricht, wird die Stadt durch eine Mauer geteilt, die die beiden fortan unüberwindbar voneinander trennt. Neunzehn Jahre wird es dauern, bis es wieder Hoffnung für Lila und Elias gibt. Doch kann ihre Liebe den Hass der beiden verfeindeten Kulturen, die Jahre der Trennung und der Sehnsucht überstehen?“

Meine Meinung
Cover und Klappentext haben mich angesprochen und sehr neugierig gemacht, denn das Buch verspricht eine Liebesgeschichte an mir unbekannteren Orten und zu einer schwierigen Zeit. Und eins kann ich schon vorweg sagen – ich wurde nicht enttäuscht.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen, eine in der Gegenwart im Jahre 2006, eine in der Vergangenheit in den Jahren 1947 bis 1973: in der Gegenwart liegt Elias im Krankenhaus und wird dort von Nomi versorgt. In Rückblicken erzählt Elias von seiner großen Liebe Lila, eine Liebe, die leider überschattet wurde von politischen Umständen und dem unerbittlichen Hass zweier verfeindeter Kulturen.

Schon der Einstieg in die Geschichte gelingt mühelos durch einen sehr berührenden und emotionalen Schreibstil, der mich sofort gefangen und mitgenommen hat in ein anderes Land und in andere Zeiten. Die Autorin schafft mit ihren Worten ganz erstaunliche Stimmungen, die zur jeweiligen Situation des Buches passen. Gerade in der Verliebtheit von Lila und Elias fühlte auch ich mich wie auf Wolken schwebend, konnte das Glück der beiden, ihre Liebe zueinander geradezu spüren und fühlen. Als dann jedoch die beiden getrennt werden durch eine Mauer, die die Stadt zerteilt, habe auch ich mich wie zerrissen gefühlt, die Stimmung ist bedrückend und schmerzhaft, und ich habe mit Elias und Lila gelitten und ihre Not spüren können. 

Die Atmosphäre bleibt dann eine Zeit lang sehr melancholisch, die Trennung macht vor allem Lila sehr zu schaffen und dennoch bleibt auch in dieser schweren Zeit immer die Hoffnung spürbar, dass die Liebenden sich wieder finden. Lila habe ich als sehr starken Charakter empfunden und auch wenn ich ihre Handlungen nicht immer verstanden habe und ich mich selber sicherlich anders verhalten hätte, habe ich Lila ins Herz geschlossen und sehr geschätzt. Auch Elias mochte ich sehr gerne mit seiner zwar verschlossenen, aber dafür sehr ehrlichen Art. Gerade seine Emotionalität habe ich sehr geschätzt, wie er mit Worten umgeht, die stets zu sitzen scheinen und mich sehr berührten. 

Man bekommt beim Lesen viele Eindrücke – und begleitet nicht nur die beiden Liebenden, sondern lernt auch die verschiedenen Kulturen und ihre Lebensweisen kennen, wird aber auch Zeuge der politischen Umbrüche, die die Geschichte ja deutlich beeinflussen, dennoch aber eher im Hintergrund bleiben. Für interessierte Leser gibt es aber im Anhang eine Zeittafel, die die Entwicklung von Palästina, Jerusalem und Israel nochmal zeitlich umreißt und wertvolle Zusatzinformationen liefert.

Verwirrend fand ich nur manchmal die Zeitsprünge – nicht, dass man nicht weiß, in welchem Jahr das Buch gerade spielt, denn das steht vor jedem Kapitel, aber viele Jahre werden einfach übersprungen, und ich musste mich erst wieder zurechtfinden, was in den Jahren geschehen war und wo die Protagonisten gerade standen. Das hat aber meist nicht lange gedauert und bereits nach wenigen Seiten war ich wieder in der Geschichte drin. Dem Lesespaß hat es auf jeden Fall keinen Abbruch getan, denn ich wurde mit dem Buch nicht nur gut unterhalten, sondern bekam auch Einblicke in andere Kulturen und Zeiten – das war wirklich interessant und schön.

Mein Fazit
Eine berührende Liebesgeschichte, die an einem ungewöhnlichen Ort spielt und durch politische Umbrüche immer wieder ins Wanken gerät. Mit einem sehr berührenden und einnehmenden Schreibstil schafft es die Autorin, die vielen verschiedenen Stimmungen wunderbar einzufangen und hat mich damit entführt in andere Zeiten und mir unbekannte Orte. Eine emotionale Liebesgeschichte, die aber zu keinem Zeitpunkt kitschig wirkt, sondern berührt und auch nachdenklich macht. Auf jeden Fall eine Empfehlung von mir!


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