[Rezension] Ricarda Martin - "Das Lied der Lüge"

Ricarda Martin - Das Lied der Lüge
Historischer Roman

Verlag: Weltbild-Verlag
Umschlaggestaltung: Atelier Seidel – Verlagsgrafik Teising
Umschlagmotiv: Trevillion Images, Brighton (©Yolande de Kort) / www.istockphoto.com (© Antony Spencer)
ISBN-13: 978-3-868-00618-6
Seiten: 731 Seiten
Erschienen: 2011

Zum Inhalt 
London, 1906: Lady Lavinia kann keine Kinder kriegen und ist darüber wahrlich verzweifelt, denn ihre Vernunftehe droht darüber zu scheitern. Doch als sie sich das Leben nehmen will, wird sie von Susan gerettet. Diese stammt aus ärmlichen Verhältnissen und ist gerade ungewollt schwanger. In den beiden reift ein ungeheuerlicher Plan heran, der die beiden so unterschiedlichen Frauen noch über viele Jahre miteinander verbinden wird. 

Meine Meinung
Ein spannender und fesselnder Schmöker, in dem die Seiten nur so dahinfliegen und der zu keinem Zeitpunkt wirklich langatmig wurde.

Die Geschichte spielt im frühen 20. Jahrhundert, im Mittelpunkt stehen 2 Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Lady Lavinia ist ungewollt kinderlos und darüber sehr betrübt, droht ihr doch, aus genau diesem Grund von ihrem Mann verlassen zu werden. Susan dagegen kommt aus ärmlichen Verhältnissen und weiß nicht, wie sie nun auch noch das in ihr wachsende Kind ernähren soll. Als die beiden Frauen sich treffen, reift in ihnen ein unmoralischer Plan.

Mich hat die Geschichte von der ersten Seite an gefesselt. Geht es zunächst nur um das noch ungeborene Kind, begleitet man im Weiteren beide Frauen in ihren Leben über viele Jahre hinweg. Immer wieder kreuzen sich die Wegstrecken, obwohl doch jede ganz eigene und besondere Erlebnisse hat. Beide Charaktere sind sehr gut gezeichnet, besonders hat mir gefallen, dass sie sowohl gute als auch schlechte Eigenschaften haben. Lady Lavinia wirkt zunächst zwar verzweifelt, aber auch überheblich und arrogant und erst im Laufe der Geschichte lernt man an ihr auch liebenswerte und rücksichtsvolle Seiten kennen. Sie strotzt nur so vor Mutterliebe und ist eine sehr emotionale Frau, die leider in den Zwängen der Zeit steckt und sich nicht von ihnen lösen kann. Sie habe ich in manchen Situationen gehasst, in anderen aber hatte ich Respekt vor ihren Entscheidungen. Auch wenn sie kein Mensch ist, der mir uneingeschränkt ans Herz gewachsen ist, war sie dennoch eine bemerkenswerte Frau. 

Susan dagegen wirkt auf den ersten Blick sehr patent, eine Frau der Tat, die anpackt und ihr Schicksal in die Hände nimmt und sich ihm nicht einfach ergibt. Auch sie ist eine sehr emotionale Frau, die ihre Kinder liebt und die ein Ziel – einmal ins Auge gefasst – nicht mehr aus den Augen verliert. Um was es genau geht, verrate ich nicht, denn ich möchte keinem den Lesespaß rauben. So beeindruckend ich ihre Zielstrebigkeit und Standhaftigkeit auch fand, konnte ich Susan gerade am Anfang in einigen Punkten nicht verstehen. Dennoch ist sie mir ans Herz gewachsen, und ich habe sie in den folgenden Jahren gerne begleitet – und in denen hat sie eine Menge erlebt, von einer langweiligen Zeit kann man da wirklich nicht sprechen. 

Viele historische Begebenheiten und sogar auch Persönlichkeiten sind in die Geschichte eingewoben, so bleibt es spannend und fesselnd und die Seiten fliegen nur so dahin. Zum Schluss war es mir zwar ein bisschen zu viel der aufregenden Ereignisse, und manches Mal dachte ich, wie viel kann ein Mensch wohl aushalten, doch ich war gut unterhalten und hatte interessante Lesestunden.

Das liegt wohl auch an dem eingängigen Schreibstil, der unterhaltsam und angenehm zu lesen ist und vor meinem Auge hat Bilder entstehen lassen. Obwohl das Buch mit seinen mehr als 700 Seiten wahrlich ein dicker Schmöker ist, habe ich es rasch gelesen und fand es zu keinem Zeitpunkt langweilig oder langatmig. Man lernt beim Lesen eine ganze Menge über das Leben im frühen 20. Jahrhundert, die Stellung der Frau in verschiedenen Bereichen, von der Theaterbühne angefangen bis hin zu den Suffragetten und Auswanderern. Die Themen in diesem Buch sind wirklich reichlich und sicher ist da für jede Leserin und jeden Leser etwas dabei.

Mein Fazit
Ein unterhaltsamer Schmöker, in dem man zwei starke Frauen über viele Jahre hinweg im frühen 20. Jahrhundert begleitet. Historische Ereignisse sind ebenso wie historische Persönlichkeiten geschickt in die Geschichte eingewoben, die angenehm zu lesen ist und sehr gut unterhält. Zwar sind mir die Protagonistinnen nicht uneingeschränkt sympathisch, dennoch habe ich sie gerne in ihren Lebensabschnitten begleitet. Wer einer Mischung aus historischem Roman, Familiengeschichte und Abenteuerroman offen gegenüber steht, ist mit diesem Buch bestens beraten. 


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