[Rezension] John Boyne - "Haus der Geister"

John Boyne - Haus der Geister
Geistergeschichte

Verlag: Piper-Verlag
Umschlaggestaltung: FAVORITBUERO, München
Umschlagabbildung: Andy & Michelle Kerry / Trevillion Images
ISBN-13: 978-3-492-06004-2
Seiten: 333 Seiten
Erschienen: 6. Oktober 2014

Zum Inhalt 
England, 1867. Nach dem überraschenden Tod ihres Vaters tritt die junge Eliza Caine eine Stellung als Gouvernante an. Als sie an einem nebligen Novemberabend endlich in Gaudlin Hall eintrifft, ist sie überrascht, den Hausherrn nicht vorzufinden. Ihre beiden Schützlinge Isabella und Eustace begrüßen sie und erklären Eliza, alleine in dem Anwesen zu leben. Als unerklärliche Dinge geschehen und jemand versucht, Eliza nach dem Leben zu trachten, macht sie sich auf, das Geheimnis um Gaudlin Hall zu lösen – und stößt auf ungeheure Geschehnisse… 

Meine Meinung
Angesprochen von dem tollen Cover, das ein geisterhaftes Mädchen zeigt, und neugierig geworden von dem Klappentext, habe ich mich sehr auf dieses Buch von John Boyne gefreut – und meine Erwartungen einer unterhaltsamen und auch ein wenig gruseligen Geistergeschichte wurden erfüllt. 

Schon von der ersten Seite an war ich in der Geschichte gefesselt, auch wenn es zunächst noch alles andere als geisterhaft zugeht. Man lernt die Protagonistin Eliza kennen, die mit ihrem Vater ein geruhliches Leben führt. Schön fand ich die Einlage einer Lesung mit Charles Dickens, die so eindringlich beschrieben war, dass ich mir die Szenerie gut vorstellen konnte und die auch schon ein bisschen einstimmt auf das Thema Geister und Grusel. Passend dazu scheint die ganze Geschichte im November zu spielen, immer ist es stürmisch und neblig, man sieht kaum die Hand vor Augen und der Wind pfeift einem um die Ohren. Diese Atmosphäre hat John Boyd wirklich toll eingefangen, und so empfiehlt sich auch, das Buch an einem entsprechenden Herbsttag zu lesen.

Es dauert dann auch nicht lange, und die Geschichte nimmt Fahrt auf. Kaum angekommen in Gaudlin Hall, ist Eliza umgeben von kalten Windböen, spürt Hände, die nach ihr greifen und manche Türen oder Fenster lassen sich einfach nicht öffnen. Mir ist hier schon der eine oder andere Schauer über den Rücken gelaufen, und ich habe diese zwar einfachen und klassischen, aber dennoch unheimlichen Gruselmomente geliebt. Wer jetzt jedoch Horrorelemente vermutet, den muss ich leider enttäuschen – die Geschichte lebt allein von der düsteren und geheimnisvollen Stimmung, der gruseligen Atmosphäre und einigen klassischen Geisterelementen. 

Eliza als Protagonistin hat mir wirklich gut gefallen. Sie hat natürlich Angst und Sorge um ihr Leben, nach dem jemand in Gaudlin Hall zu trachten scheint, doch sie hat die Kinder, die sie hüten soll, ins Herz geschlossen und will das Rätsel lösen. Dabei stößt sie zunächst aber bei den Dorfbewohnern auf Ablehnung, erst nach und nach und durch ihre Hartnäckigkeit und Bestimmtheit, bekommt sie doch noch die gewünschten Informationen. Eliza ist für die damalige Zeit wahrlich nicht auf den Mund gefallen, sie weiß, sich durchzusetzen und ihre Frau zu stehen. Ich habe sie gemocht und mit ihr gefiebert und gerätselt. Auch die anderen Charaktere sind gut gezeichnet, vielleicht manches Mal ein wenig überspitzt, aber das passt zur Geschichte und gibt ihr einen ganz besonderen Charme.

Das Buch lässt sich leicht und sehr angenehm lesen, die Sprache ist eher modern gehalten und die Seiten fliegen nur so dahin. Von Anfang an war ich gefangen in der Geschichte, die Spannung im Buch stieg stetig an und löste sich erst am Schluss auf. Das Ende hat die Geschichte wunderbar abgerundet, auch wenn es vielleicht dem einen oder anderen zu einfach und wenig einfallsreich war – mir hat es gut gefallen und ich fand es passend für dieses Buch. Mir hat die Geschichte gruselige Lesestunden geschenkt, und sicherlich werde ich mich jetzt auch noch an weitere Bücher des Autors wagen, auch wenn diese ganz anderen Genres zuzuordnen sind.

Mein Fazit
Eine Geistergeschichte, die gänzlich auf Horror verzichtet und mit klassischen Gruselelementen auskommt, um dem Leser einen Schauer über den Rücken zu jagen und eine besonders unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Mit dem angenehmen und leicht zu lesenden Schreibstil hat man die gut 300 Seiten leider viel zu schnell durchgelesen – doch eine gruselige Stimmung ist in dieser Zeit garantiert. Mir hat es gefallen!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare: