[Rezension] Hansjörg Schertenleib - "Das Regenorchester"

Hansjörg Schertenleib - Das Regenorchester
Gegenwartsliteratur

Verlag: Aufbau-Verlag
Umschlaggestaltung: Originalcover heilmann/hißmann, Haamburg unter Verwendung eines Fotos von gettyimages /Russel Underwood
ISBN 13: 978-3-7466-2571-3
Seiten: 230 Seiten
Erschienen: 2008

Buchrückentext
„Nachdem seine Frau gegangen ist, lebt ein Schriftsteller allein in seinem Haus in Irland. Da begegnet er Niamh, einer sechzigjährigen Irin, die ihn zum Chronisten ihres Lebens macht. Sie führt ihm die Wunder des alten, untergegangenen Irland vor Augen und erzählt ihm von ihrer verlorenen Liebe.“

Meine Meinung
Ein ruhige und sehr berührende Geschichte über zwei ganz unterschiedliche Menschen, die beide Enttäuschungen erleben mussten, dennoch aber nicht in Bitterkeit verfallen, sondern jeder für sich die Musik des Lebens entdecken.

Schon auf den ersten Seiten der Geschichte habe ich mich sehr wohl gefühlt und konnte richtig abtauchen in der sehr berührenden und dennoch klaren Erzählweise des Autors. Im Mittelpunkt stehen der knapp 50-jährige  Schriftsteller Sean, der gerade von seiner Frau verlassen wurde und in Irland zu sich selbst finden will, und die 60-jährige Niamh, die er zufällig kennenlernt und die ihn zum Chronisten ihres Lebens macht. 

Während die Geschichte um Sean eher am Rande steht, ist es vor allem Niamhs Lebensgeschichte, die hier erzählt wird. Und die ist nicht immer einfach. Es geht um Abschied und Trauer, um Neubeginn und Versöhnung, um Verzeihung und um die Liebe. Wirkte Niamh zu Beginn des Buches wie eine verschrobene Frau, die die Menschen scheut und in Zurückgezogenheit lebt, lernt man sie durch ihre eigene Geschichte nicht nur näher kennen, sondern auch lieben. Mich hat fasziniert, wie sie mit allen Höhen und Tiefen im Leben umgegangen ist, was für eine Lebendigkeit und was für ein Lebensmut in ihr stecken und wie sie vor allem auch mit sich selbst im Reinen ist. Sean, der ja gerade selber in einer Krise steckt und nicht recht mit sich umzugehen weiß, bekommt durch Niamh nach und nach ein anderes Bild der Dinge – und lernt wieder, das Leben zu genießen und schafft es schließlich auch, sich mit sich selbst auszusöhnen.

Die Geschichte ist eine ruhige, die leise erzählt wird, dabei aber einnehmend und berührend ist. Die Atmosphäre ist durchweg melancholisch und doch habe ich am Ende das Buch mit einem guten Gefühl zugeschlagen. Besonders gefallen hat mir der Titel „Das Regenorchester“, der am Ende der Geschichte aufgegriffen wird und eine - wie ich finde – ganz besondere Bedeutung hat. 

Die Charaktere sind sehr fein gezeichnet und beide, Sean als auch Niamh, konnte ich mir sehr gut vorstellen – sie wirkten einfach sehr authentisch und auch wenn ich nicht alle Handlungen genau nachvollziehen konnte, so habe ich doch mit beiden mitgefühlt und sie in mein Herz geschlossen. 

Sehr besonders ist der Schreibstil, der zwar klar und nüchtern wirkt, dabei aber trotzdem eine erstaunliche, warme und doch auch melancholische Atmosphäre schafft. Der Autor kommt immer schnell auf den Punkt, unnütze Worte gibt es nicht und Beschreibungen gibt es gerade so viele, um sich ein eigenes Bild zu denken. Ich habe mich dabei sehr wohl gefühlt und war dadurch auch direkt eingesogen in der Geschichte. 

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich werde sicherlich zu weiteren Büchern des Autors greifen – diesem hier gebe ich 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine ruhige Geschichte, die aber durch eine dichte und intensive, wenn auch melancholische Atmosphäre besticht. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, der Schreibstil direkt und auf den Punkt, trotzdem aber einfühlsam und voller Stimmung. Ich habe mich in der Geschichte sehr wohl gefühlt und gebe daher gerne 4 von5 Sternen.


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