[Rezension] Alexandra Fischer - "Der Traum vom Horizont"

Alexandra Fischer - Der Traum vom Horizont
Historischer Roman

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Covergestaltung: elicadesign.ch
Photocredits: agneskantaruk /deposiphotos.com; BlueOrange Studio /shutterstock.com
ISBN-13: 978-1-519-48947-0
Seiten: 712 Seiten
Erschienen: 15. Januar 2016

Buchrückentext
„Apia, 1902: Die adelige Familie von Bahlow kommt aus Potsdam in die Kolonie Deutsch-Samoa, um dort einen Neuanfang zu wagen. Während der ehrgeizige Karl von Bahlow davon besessen ist, sich als Pflanzer einen Namen in der Kolonie zu machen, erleben seine Frau Rosa und die drei Töchter Grethe, Helene und Martha den Umzug in die neue Heimat auf ihre ganz eigene Weise. Die fremdartige Kultur der Südsee verändert jede der vier Frauen, beschwört schicksalhafte Begegnungen herauf und zeigt ihnen den Zauber der Liebe. Besonders ein geheimnisvoller Weltenbummler beeinflusst das Schicksal der Familie nachhaltig, während sich die Ereignisse schließlich überstürzen und im Ausbruch des ersten Weltkrieges gipfeln, der alles auseinanderzureißen droht.“

Meine Meinung
Ich war sehr neugierig auf diese Familiengeschichte und muss sagen, dass meine Erwartungen mehr als erfüllt wurden! Eine tolle Familiensaga mit einzigartigen Charakteren vor der fantastischen Kulisse Deutsch-Samoas – leicht zu lesen und von der ersten Seite an fesselnd. Kurzum – ich bin begeistert!

Schon nach wenigen Seiten war ich drin in der Geschichte, sicherlich auch wegen des ungewöhnlichen Einstiegs. Das Buch beginnt nämlich mit dem Schluss - der Prolog spielt 5 Jahre nach dem letzten Kapitel, so dass man zwar weiß, wie die Geschichte enden wird, aber längst noch nicht alle Zusammenhänge versteht, man dafür aber schon mal die ersten Charaktere kennenlernt. Ich fand das eine tolle Idee und habe den Prolog nach Beenden des Buches noch einmal gelesen - und ihn dann natürlich auch mit ganz anderen Augen gesehen.

Die Geschichte selber beginnt dann im Jahre 1902, als die Familie von Bahlow bereits in der Kolonie Deutsch-Samoa angekommen ist. Über 15 Jahre begleitet der Leser die von Bahlows, jedes Kapitel umfasst ein Jahr und jedes Kapitel ist aus Sicht einer anderen Figur geschrieben. Im Mittelpunkt blieben aber stets die 4 Frauen der Familie von Bahlow, die alle unter dem herrischen Oberhaupt Karl zu leiden haben. So unterschiedlich die drei Töchter Grethe, Helene und Martha sowie Mutter Rosa auch sind, so unterschiedlich gehen sie mit ihrem Schicksal um. Während sich die einen ihrem Schicksal ergeben und untertänig wie in einem Gefängnis ihr Leben im beengten Haus fristen, suchen andere nach Auswegen, möchten dem Joch entfliehen – doch einfach ist es nicht und auch nicht jeder Versuch ist von Erfolg gekrönt. 

Die Charaktere sind alle wunderbar gezeichnet – gerade die 4 Frauen fand ich so glaubhaft und authentisch, auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Helene, die mittlere der Töchter, die sehr unscheinbar daherkommt und immer wieder einstecken muss, die es dann aber doch noch schafft, ein kleines Stückchen Glück für sich zu finden. Auch Martha, die jüngste Schwester, mochte ich gerne – sie lässt sich nicht unterkriegen, ist der Wirbelwind der Familie und scheut trotz der Strenge des Vaters nicht, unkonventionelle Wege einzuschlagen. Vater Karl ist einfach ein Scheusal und oft hätte ich ihm am liebsten den Hals umgedreht – seine Vorstellungen von Familie, Moral und Sitte sind unglaublich, aus der heutigen Zeit schon mal gar nicht zu verstehen und doch glaube ich, dass seinerzeit ein solches Verhalten nicht unüblich war. Erstaunlich, dass die älteste Tochter Grete fast schon sein Regiment übernimmt, und sich seiner Erziehungsmethoden bedient – doch auch sie hat einfach nur einen Weg gesucht, ihr Leben irgendwie erträglich zu gestalten.

Man merkt vielleicht schon, dass in diesem Buch nicht immer alles eitel Sonnenschein ist und die farbenprächtige Kulisse Deutsch-Samoas trügt: Zwar spielt die Kraft der Liebe eine große Rolle in der Geschichte, vor allem aber geht es auch um Trug und Schein, um Rassenkonflikte und Eifersucht, um Ehrgeiz und Macht – bis schließlich die Ausläufer des ersten Weltkrieges in der deutschen Kolonie alles zunichtemachen.

Der Schreibstil ist wunderbar – er lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, vermittelt aber dennoch ein historisches Gefühl und kann die damalige Atmosphäre in Deutsch-Samoa wunderbar einfangen. Zudem gibt es viele Beschreibungen, die aber nie langweilig wurden, aber dazu führten, dass ich mir alles sehr gut vorstellen konnte und die Geschichte wie ein Film vor meinen Augen ablief.

Mich hat das Buch von der ersten Seite an gefesselt und zu keinem Zeitpunkt wurde es langweilig – ganz im Gegenteil. Es war ein eigenartiger Sog, der mich gepackt hat, und ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen – immer wieder gibt es Wendungen, die ich so nicht geahnt habe, und die die Geschichte in eine ganz neue Richtung gelenkt haben. Ich fühlte mich mittendrin im Geschehen, habe mit den Figuren gelitten und gefiebert, mit ihnen geweint, aber auch gelacht. Die gut 700 Seiten sollte man echt nicht scheuen, wenn man Familiensagas mag, denn sie fliegen einfach nur so dahin. Von mir gibt es die volle Punktzahl – 5 von 5 Sternen. 

Mein Fazit
Eine farbenprächtige Familiensaga, die den Leser nach Deutsch-Samoa, Anfang des 20. Jahrhunderts entführt. Tolle Charaktere, die zwar nicht immer sympathisch, aber sehr authentisch waren, eine Geschichte mit Überraschungen und Wendungen, die fesselt und packt, und ein Schreibstil, der die Atmosphäre wunderbar einfängt und die gut 700 Seiten rasch dahinfliegen lässt – nur eins sollte man wissen: Das Buch ist alles andere als ein seichter Liebesroman. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen.

Vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Ach nein.....nun bin ich vollends überzeugt und so wird das Buch demnächst bei mir einziehen, denn auf dem radar habe ich es schon seit kurzem! Aber wenn du 5 Sterne vergibst, bin ich sicher, dass es mir gefällt!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hihi - das freut mich! Wenn du auch ebooks liest, könntest du jetzt zugreifen - im Moment gibt es das Ebook für 99 Ct. Aber acuh das Taschenbuch ist jeden Cent wert - es wird dir bestimmt gefallen!
      LG Sabine

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    2. Ja, aber der Preis des Taschenbuches schreckt mich jetzt ganz schön...fast 19 EURO! Hallo? Hm....da werde ich noch warten....ich habe ja genug Bücher am SuB!

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    3. Ja, der Preis ist heftig - da kann ich dich verstehen. Liest du keine ebooks?

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  2. Hallo ihr Lieben, ich bin die Autorin des Romans und möchte erst einmal danke für die tolle Rezension sagen! Wahnsinn, bin völlig überwältigt... Und dann möchte ich mich gleich für den hohen Preis des Taschenbuchs entschuldigen. Als Selfpublisherin habe ich keinen Verlag im Hintergrund, der große Mengen meines Buches druckt und auf den Markt bringt. Deshalb nutze ich Print on demand von Createspace. Da wird das Buch dann gedruckt, wenn man es bestellt. Das ist aber natürlich teurer. Und bei dem Umfang des Buches ist der Preis dann natürlich entsprechend und wird von Createspace berechnet, um kostendeckend zu bleiben. Daran kann ich leider nichts ändern. Ich hoffe, das verdirbt euch nicht den Lesespaß :) Und das eBook ist ja eine günstige Alternative. Viele Grüße Alexandra

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    1. Liebe Alexandra, das Buch war toll und ich bin richtig drin versunken. :-) Am Schluß habe ich nur gedacht - wie es wohl weitergehen könnte. Hast du vielleicht daran gedacht, an die Geschichte anzuknüpfen in einem weiteren Buch? Das fände ich super!
      Was den Preis angeht - ja, ich kann dich da auch verstehen. Ich weiß um das Problem des Drucks bei Self publishern - auch wenn das für die Leser manchmal nicht zu verstehen ist. Das schlimme ist ja, das viele denken, der Autor würde an dem Buch so viel verdienen - und dem ist ja leider gar nicht so.
      Mich hast du ja freundlicherweise mit einem Buch beglückt - und ich kann sagen, es ist den Preis auf jeden Fall wert!
      Ganz liebe Grüße
      Sabine

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