[Rezension] Maggie O'Farrell - "Der Sommer, als der Regen ausblieb"

Maggie O'Farrell - Der Sommer, als der Regen ausblieb
Gegenwartsliteratur

Verlag: Goldmann-Verlag
Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München, unter Verwendung eines Motivs von © plainpicture /Sonja Dahlgren
ISBN-13: 978-3-442-48257-3
Seiten: 352 Seiten
Erschienen: 18. Mai 2015

Zum Inhalt 
„Es ist der heißeste Sommer, an den sich die Menschen erinnern können. Schon morgens liegt die Julihitze bleiern über London, als Robert Riordan wie jeden Tag das Haus verlässt, um die Zeitung zu holen. Doch er kehrt nicht zurück. Die Suche nach ihm zwingt die drei Kinder von Robert und Gretta zur Rückkehr in ihr Elternhaus: die zerstrittenen Schwestern Monica und Aoife sowie ihren Bruder Michael Francis. Sie ahnen nicht, dass die Erklärung für das Verschwinden ihres Vaters in der Vergangenheit zu suchen ist: bei einem Geheimnis, das Jahrzehnte im Verborgenen lag...“ (Quelle: http://www.randomhouse.de/goldmann)

Meine Meinung
Dieses Buch hat einiges zu bieten – einen tollen Schreibstil, eine gut getroffene Atmosphäre und sehr gut ausgearbeitete Charaktere – gefehlt hat mir leider nur ein wenig Spannung, so dass ich das Buch immer wieder gut weglegen konnte. Trotzdem bleibt es eine lesenswerte Geschichte. Eines hat mich nur verwirrt – nämlich das Cover, das mich an eine heitere Familiengeschichte hat denken lassen. Doch das ist es ganz und gar nicht.

Vordergründig handelt das Buch vom Verschwinden des Vaters Robert, doch eigentlich geht es in dem Buch vielmehr um die mittlerweile erwachsenen, sehr unterschiedlichen Kinder, die in ihre Heimat zurückkommen, um ihrer Mutter Gretta beizustehen. Jede der Figuren hat ein Päckchen zu tragen und man bekommt Einblick in das Leben der Geschwister mit all ihren Sorgen und Problemen, aber auch in die Vergangenheit, als die Familie noch zusammenlebte. 

Jeder scheint ein Geheimnis in sich zu tragen, von dem die anderen nichts wissen, das aber große Auswirkungen auf die Beziehungen untereinander hat und das Handeln deutlich mitbestimmt. Nach und nach erhält der Leser Einblick in die unterschiedlichen Leben und nach und nach kommen dann auch die Geheimnisse zutage. Zwar haben sie mich nicht schockiert – dafür waren sie dann doch zu alltäglich und zu wenig besonders – dennoch aber war es interessant, die Auswirkungen innerhalb der Familie zu sehen und wie eine Familie funktioniert, auch wenn eigentlich jeder für sich alleine steht.
Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und gemächlich, und obwohl man weiß, wohin das Buch steuert, entsteht einfach keine Spannung. Obwohl es interessant war, hatte ich nie das Gefühl, weiterlesen zu müssen und selbst der „Höhepunkt“ am Ende der Geschichte, die Auflösung sozusagen, hat mich nicht überraschen können. Und genau das hat mir gefehlt – unerwartete Wendungen, Überraschungen oder irgendwas, das bei mir einen “Aha-Effekt“ ausgelöst hätte.

Dafür ist der Schreibstil der Autorin toll: er bleibt gut lesbar, obwohl er gehoben scheint und jede Figur, die gerade im Mittelpunkt steht, hat scheinbar noch einmal eine ganz eigene Facette im Schreibstil. Außerdem hat die Autorin eine wunderbare Atmosphäre geschaffen, die sehr gut zur Geschichte passt: Sie ist bedrückend, düster und auch ein bisschen geheimnisvoll und durch den quälend heißen Sommer, der ganz nebenbei in die Geschichte einfließt, weil Wasserknappheit herrscht und die Hitze schwelend ist, wird auch die in der Familie schwelende gereizte Stimmung noch mal verstärkt.

Die Figuren sind fantastisch gezeichnet, auch wenn mir keiner von ihnen wirklich sympathisch war. Jeder hat mehr oder weniger große Probleme – interessant daran ist vor allem, wie diese bewertet werden und wie unterschiedlich jeder sie anzugehen und zu lösen versucht. Die Probleme sind schon früh in der Familie aufgetreten, sie wurden aber totgeschwiegen, und damit wurde das Familiengeflecht schon früh empfindlich gestört.

Mit ein bisschen mehr Spannung hätte mich das Buch mehr angesprochen, dennoch aber finde ich den Schreibstil und die Charakterzeichnungen sehr gelungen. Ich gebe – vor allem, weil mich das Buch nicht ganz so fesseln konnte – 3,5/5 Sternen.

Mein Fazit
Ein leises und ruhiges Buch, in dem es vor allem um Charakterzeichnungen geht und wie eine Familie mit Problemen umzugehen versucht. Die Atmosphäre ist die ganze Zeit bedrückend und düster – das aber passt wunderbar zur Geschichte. Leider hat mir die Spannung etwas gefehlt, so dass ich das Buch auch gut beiseitelegen konnte, dafür aber hat mich der Schreibstil umso mehr überzeugen können. Obwohl die Idee gut war, hat mich die Geschichte leider nicht packen können – daher gebe ich 3,5/5 Sternen.



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