[Rezension] Ulrike Schweikert - "Das kastilische Erde"

Ulrike Schweikert - Das kastilische Erde (La Caminata #1)
Historischer Roman

Verlag: Blanvalet-Verlag
Umschlaggestaltung und -motiv: bürosüd°, München
ISBN-13: 9783764503185
Seiten: 608 Seiten
Erschienen: 24. September 2012

Buchrückentext
„In einem Antiquariat stößt die Münchner Journalistin Isaura auf ein altes Buch, dessen Autorin sich „La Caminata“ nennt. Die Worte erscheinen ihr seltsam vertraut, und sie ist fasziniert von der Geschichte der jungen Hofdame Jimena, die im 15. Jahrhundert an der Seite von Isabel von Kastilien lebte. Isaura begibt sich auf Spurensuche in Spanien, und kommt in dem kleinen Städtchen Tordesillas einem jahrhundertalten Geheimnis auf die Spur, das sie tief in ihre eigene Familiengeschichte führt …“

Meine Meinung
Ich muss gestehen, dass ich etwas Probleme hatte, in die Geschichte reinzukommen, doch nach ca. 100 Seiten war der Knoten bei mir geplatzt, und dann wollte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen!

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart fährt Isaura nach Spanien, um das Erbe einer verstorbenen Großtante anzunehmen. Nicht nur, dass Isaura diese Großtante gar nicht kannte, fühlt sie sich in letzter Zeit nicht gut und scheint unkonzentriert, müde und schusselig zu sein. Tage der Erholung werden ihr helfen – dachte sie – doch auch in Spanien wird es nicht besser – ganz im Gegenteil; doch was die Ursache ist, ahnt Isaura erst spät.

Der andere Handlungsstrang spielt in der Vergangenheit und führt den Leser ins 15. Jahrhundert nach Spanien, wo man die zukünftige Königin Isabel aufwachsen sieht. Dabei sind auch 3 Hofdamen, die sie stets begleiten und ihr zur Seite stehen - gut, dass Jimena, eine der Hofdamen und enge Vertraute von Isabel, die Fähigkeit besitzt, in die Zukunft zu schauen und sie bisweilen auch zu beeinflussen weiß.

Die Kapitel springen immer zwischen den verschiedenen Zeiten hin und her, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf der Geschichte der Vergangenheit liegt. Und hier hatte ich auch zunächst Probleme, mich einzufinden – das hat aber vor allem an den vielen spanischen Namen gelegen, und nachdem ich die verschiedenen Figuren einmal sortiert hatte, war ich in der Geschichte regelrecht gefangen. Sehr detailliert beschreibt die Autorin die Kindheit von Isabel und man lernt einiges über ihren steinigen Weg, bis sie endlich zur Königin gekrönt wird. Man lernt dabei nicht nur die unterschiedlichen Gegenden Kastiliens kennen, sondern auch die politischen Umstände und das Machtgerangel um die Königskrone. Ich fand das sehr spannend und habe mich – nachdem ich endlich angekommen war - in der spanischen Geschichte sehr wohl gefühlt. 

Der Handlungsstrang der Gegenwart ist aber nicht minder interessant, auch wenn er mich nicht ganz so fesseln konnte. Aber auch hier passiert eine ganze Menge und wissen wollte ich vor allem, wie die beiden Handlungsstränge denn nun zusammenhängen.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet. In der Vergangenheit sind mir gerade Isabel und Jimena sehr ans Herz gewachsen: Jimena mochte ich wegen ihr loyalen Art und vor allem wegen ihrer Herzensgüte. Isabel war auch schon in jungen Jahren eine sehr starke Persönlichkeit, die sich nichts vormachen ließ und ihren Kopf durchzusetzen wusste. Isaura in der Gegenwart war dagegen etwas blasser, dabei aber nicht unsympathisch. Als Leser ahnt man natürlich früh, warum es ihr nicht gut geht und dass auch sie magische Kräfte hat - dass sie das nicht wahrhaben will, kann ich durchaus verstehen. Sie hat das Herz am rechten Fleck, auch wenn ich manche ihrer Handlungen nicht nachvollziehen konnte.

Eigentlich mag ich es nicht, wenn Magie in einem Buch eine Rolle spielt und Übersinnliches die Geschichte mit bestimmt – hier hat es mich aber merkwürdigerweise nicht so gestört, auch wenn ich es im letzten Drittel bei Isaura doch ein bisschen zu viel des Guten fand.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und lässt sich flüssig lesen. Auch wenn ich den Einstieg wegen der vielen Charaktere etwas schwierig fand, war die Geschichte selber zu keinem Zeitpunkt langweilig oder langatmig, ganz im Gegenteil. Gerade die zweite Hälfte war sehr spannend und die passenden Beschreibungen sowohl der Örtlichkeiten als auch der Landschaften und des Klimas, habe mich gedanklich mitten nach Spanien entführt.

Ich fand diesen ersten Band der „La Caminata“-Trilogie sehr gelungen und freue mich schon auf die Fortsetzung. Wer historische Romane mag und mal in die spanische Geschichte Einblick gewinnen möchte, sollte sich dieses Buch unbedingt einmal anschauen. 

Mein Fazit
Ein gelungener Auftakt der „La Caminata“-Trilogie mit einer Geschichte, die spannend ist und mich richtig fesseln konnte. Zwar fand ich den Einstieg wegen der vielen spanischen Figuren etwas schwierig, aber irgendwann ist der Knoten geplatzt und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, beide waren interessant und gut zu lesen, auch wenn mich die Vergangenheit etwas mehr fesseln konnte. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und der Schreibstil ist angenehm zu lesen, so dass ich mich nach Spanien versetzt fühlte und mit den Protagonisten gefiebert und gelitten habe. Die eingestreute Magie hätte meines Erachtens nicht sein müssen, hat aber auch nicht sehr gestört – nur am Ende fand ich sie ein wenig übertrieben. Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen und freue mich schon auf den nächsten Band.

La Caminata-Trilogie
1. Das kastilische Erbe
2. Das Vermächtnis von Granada
3. Termin der Veröffentlichung noch nicht bekannt


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