[Rezension] Richard Dübell - "Der Jahrhundertsturm"

Richard Dübell - Der Jahrhundertsturm
Historischer Roman

Verlag: Ullstein-Verlag
Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München
Titelabbildung: © getty images / Thorsten Muehlbacher (Zug); © FinePic®, München (Hintergrund)
ISBN-13: 978-3-548-28664-8
Seiten: 1049 Seiten
Erschienen: 6. Februar 2015

Buchrückentext
„Deutschland im Umbruch. Eine Generation zwischen Technik und Tradition. Drei junge Menschen, die in einem Jahrhundert voller Gegensätze ihren Weg finden müssen: Alvin von Briest versucht, seiner Rolle als preußischer Junker gerecht zu werden. Sein Freund Paul Baermann lebt für den Fortschritt. Beide lieben dieselbe Frau: Louise Ferrand, die für Gerechtigkeit und Frieden kämpft. Aber in der Liebe gibt es keine Gerechtigkeit. Und Frieden ist ein rares Gut, wenn man als Französin in Preußen lebt…“ 

Meine Meinung
Ich war sehr neugierig auf dieses Buch von Richard Dübell, der mich mit anderen Büchern wirklich begeistern konnte. „Der Jahrhundertsturm“ konnte da leider meine Erwartungen nicht ganz erfüllen. Gefreut hatte ich mich auf einen historischen Roman, in dem es vor allem um den Aufstieg Otto von Bismarcks geht, bald schon jedoch musste ich erkennen, dass dieser zwar immer wieder in der Geschichte auftaucht, aber eben doch nur eine Nebenfigur darstellt.

Die eigentliche Geschichte dreht sich um vier Protagonisten, die auf unterschiedlichste Weise miteinander verbunden sind. Es geht um Freundschaft und Familie, um Liebe und Hass, um Freiheit und Abhängigkeit. Die persönlichen Schicksale der vier sind eingebettet in eine interessante Zeit, in der nicht nur Otto von Bismarck politisch aufsteigt und die Eisenbahn sich verbreitet, sondern auch militärisch agiert wird und der Untergrund zu brodeln beginnt. 

Der Einstieg in die Geschichte ist mir problemlos gelungen. Die verschiedenen Figuren werden nach und nach in die Geschichte eingeführt, so dass man sie in aller Ruhe kennenlernen kann und nicht durcheinander gerät. Das Buch ist in vier „Unterbücher“ aufgeteilt, diese wiederum in einzelne Kapitel, die eine angenehme Länge haben und jeweils aus Sicht einer der Protagonisten erzählt ist. 

Die Charaktere sind alle sehr gut ausgearbeitet, sie haben Ecken und Kanten und sind in keinster Weise perfekt – dadurch wirken sie sehr echt und authentisch. Leider nur ist mir keiner der Protagonisten wirklich ans Herz gewachsen, so dass ich mit ihnen nicht mitgefiebert habe, sondern ihre Erlebnisse eher als Außenstehender verfolgt habe, ohne wirklich berührt gewesen zu sein. Die Dreier-Liebesgeschichte zwischen Alvin, Paul und Louise fand ich überzogen und so nicht glaubhaft, außerdem anstrengend mit dem ganzen Hin und Her, den Hass von Lily konnte ich in dem zelebrierten Ausmaß nicht verstehen – auch wenn dadurch die Geschichte gerade in der zweiten Hälfte spannend und ereignisreich wurde und ich in Teilen auch gefesselt war. Insgesamt fand ich die Frauen im Buch deutlich stärker in ihren Persönlichkeiten, und sie treten oft als Drahtzieher verschiedenster Aktionen auf – das hat mir gut gefallen. Die Männer dagegen wirkten viel passiver, blasser und irgendwie unentschlossen – gerade Paul und Alvin habe ich deswegen einfach nicht gemocht.

Der Schreibstil von Richard Dübell ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Leider nur gab es für mich doch einige Längen im Buch, so dass ich den Schmöker immer wieder beiseitegelegt habe und keine rechte Lust verspürte, weiterzulesen. Es tauchen immer wieder Beschreibungen politischer Umstände und militärischer Aktionen auf, die mir zu langatmig waren, genauso wie die sehr umfassenden Erklärungen zur Entstehung des Eisenbahnnetzes. Damit konnte mich der Autor leider nicht fesseln. Deutlich interessanter fand ich dagegen die Kapitel, in denen es um die persönlichen Schicksale einzelner Figuren geht – auch wenn ich mich nicht mit den Protagonisten identifizieren konnte, so fand ich deren Erlebnisse doch deutlich interessanter. Nachdem ich das mittlere Drittel des Buches doch sehr anstrengend und langatmig zu lesen fand, hat sich das im letzten geändert: hier wird es spannend und fesselnd und auch ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und wie die Geschichte endet.

Mein Fazit
Mich konnte das Buch leider nicht gänzlich überzeugen: Die Charaktere sind zwar wunderbar ausgearbeitet, doch ist mir keiner der Protagonisten wirklich ans Herz gewachsen, so dass ich kaum mitgefiebert habe und die Geschichte eher wie ein Außenstehender betrachtet habe. Es gibt viele Beschreibungen militärischer Aktionen sowie viele technische Details zum Ausbau des Eisenbahnnetzes, doch gerade diese Kapitel fand ich sehr langatmig und leider überhaupt nicht fesselnd. Dadurch hat sich das mittlere Drittel des Schmökers für mich sehr gezogen – im letzten Drittel dann überschlagen sich aber die Ereignisse, es wird spannend, und auch ich war endlich von der Geschichte gefesselt. Vielleicht hatte ich einfach die falschen Erwartungen von der Geschichte – sicher aber werde ich weitere Bücher des Autors lesen, denn seinen Schreibstil mag ich gerne, der sehr angenehm und flüssig zu lesen ist.


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