[Rezension] Jo Baker - "Im Hause Longbourn"

Jo Baker - Im Hause Longbourn
Historischer Roman

Verlag: Knaus-Verlag 
Umschlaggestaltung: bürosüd nach einer Vorlage von Claire Ward /Transworld
ISBN-13: 978-3-813-50616-7
Seiten: 448 Seiten
Erschienen: 8. September 2014

Zum Inhalt 
Viele kennen die Familie Bennet aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil“, doch keiner die Dienstboten im Hause Longbourn, die dafür sorgen, dass die Wäsche stets sauber, jede Mahlzeit gekocht und zubereitet und das Besteck immer poliert ist. Auch das sind Menschen mit Sorgen und Nöten, sie träumen genauso von der großen Liebe und wollen die Welt entdecken. Auch die junge Sarah im Hause Longbourn hat die Hoffnung auf ein anderes Leben nicht aufgegeben. Als der junge Hausdiener James auftaucht, ist sie von ihm sehr angetan. Doch ihn scheint ein Geheimnis zu umgeben – warum nur ist er immer so abweisend und zurückhaltend? 

Meine Meinung
Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich wirklich fasziniert von der Idee des Buches: Die Geschichte der Familie Bennet aus „Stolz und Vorurteil“ aus Sicht der Dienstboten. Und gleich vorweg möchte ich sagen – man muss den Klassiker von Jane Austen nicht gelesen haben, um auch an diesem Buch seine Freude zu haben!

Es hat wirklich Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Es ist vor allem die junge Sarah, die man begleitet. Sie ist mir rasch ans Herz gewachsen mit ihrer liebevollen und gewinnenden Art, und ich habe sie gerne bei ihren Alltagsarbeiten begleitet. Wäsche waschen, Feuer machen, das Essen servieren, Wasser holen und das Besteck polieren – daraus besteht der Alltag von Sarah, da ist es schon fast ein Highlight, den Töchtern der feinen Gesellschaft bei der Toilette zu helfen. Ich habe viel gelernt über das Leben im Hause Longbourn, vor allem über das, was sich hinter den Kulissen der „feinen Leute“ abspielt. Und auch wenn sich die eine oder andere Wiederholung ergibt, kam dennoch keine Langeweile auf. Schließlich entdeckt Sarah für sich die Liebe und ihr Alltag wird von einigem Gefühlschaos begleitet.

Aber auch die anderen Figuren sind liebevoll gezeichnet. Egal ob Polly, James oder das Ehepaar Hill – alle sind lebendig geraten, weil sie nicht nur gut sind, sondern auch Ecken und Kanten haben und sie dadurch sehr lebensnah erscheinen.

Das Buch hat 3 große Teile, die wiederum in viele kleinere Kapitel unterteilt sind. Diese haben eine sehr angenehme Länge und lassen einen das Buch rasch beenden. Das liegt aber auch an dem angenehmen Schreibstil, der sehr eingängig ist, lebendig und beschwingt, dennoch aber auch das Gefühl und die Atmosphäre des frühen 19. Jahrhunderts vermittelt. 

Auch wenn man „Stolz und Vorurteil“ nicht kennen muss, um an diesem Buch seine Freude zu haben, hat es mir doch Spaß gemacht, die ursprüngliche Geschichte immer wieder durchblitzen zu sehen durch einige Schlüsselszenen, die ich noch aus Jane Austens Klassiker kenne. Altbekannte tauchen auf, nehmen aber nur eine Nebenrolle ein – Hauptfiguren bleiben durchweg die Dienstboten aus dem Hause Longbourn.

Nachdem die erste Hälfte zwar gut zu lesen ist, die Geschichte aber keine klassische Spannung aufweist, ändert sich das im letzten Drittel. Hier steht James im Mittelpunkt des Geschehens, was er erlebt hat, bevor es ihn nach Longbourn verschlagen hat, was er denkt und was er fühlt und warum er ist, wie er ist. Ohne etwas vorweg zu nehmen kann ich sicherlich sagen, dass ein Geheimnis um ihn gelüftet wird.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen, ich finde, es passt wunderbar zur Geschichte und gibt dem ganzen einen tollen Abschluss. Ich auf jeden Fall habe das Buch mit einem guten Gefühl im Bauch zugeschlagen.

Vielleicht noch eines zu dem mir vorliegenden Leseexemplar: Hier gab es einiges an „Bonusmaterial“ – die einzelnen Dienstboten werden kurz vorgestellt, Dinge des alltäglichen Lebens kurz erläutert. Und schließlich gibt es noch ein Interview mit der Autorin – ich hoffe, dies alles wird es auch in dem „normalen Exemplar“ geben.

Mein Fazit
Ein schöner Schmöker, der Einblicke liefert in das Leben der Dienstboten im 19. Jahrhundert und den Roman „Stolz und Vorurteil“ durch eingebaute, sehr bekannte Szenen durchblitzen lässt. Ein angenehmer und sehr eingängiger Schreibstil sowie die sympathischen Charaktere lassen einen abtauchen in diese andere Welt und schenken so wunderbare Lesestunden.


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