[Rezension] Gioconda Belli - "Das Manuskript der Verführung"

Gioconda Belli - Das Manuskript der Verführung
2 Zeitebenen

Verlag: GoyaLiT
Coverdesign: Sonja Schulz nach dem Umschlagdesign der Bildagentur Johner (www.johner.se)
Titel-Foto: © Mikael Dubois/Johnér
ISBN-13: 978-3-833-71905-9
Dauer: 5 CDs, 355 min.
Erschienen: 18. August 2007
Sprecherin: Ulrike Hübschmann

Hörbuch-Rückentext
„Das Leben der Schülerin Lucía verläuft streng und eintönig hinter den Mauern einer Klosterschule in Madrid, bis sich der Universitätsdozent Manuel in das Mädchen verliebt. Allzu ähnlich ist Lucía einer historischen Figur, die der Historiker mit Besessenheit erforscht: die unglückliche spanische Königin Johanna. Als "Johanna, die Wahnsinnige" ist sie in die Geschichte eingegangen, jene Königin, die vor 500 Jahren wegen ihrer Intelligenz, legitimer Machtansprüche und leidenschaftlicher Eifersucht als junge Frau bis zu ihrem Tod eingesperrt wurde. Raffiniert komponiert Gioconda Belli ihre Geschichte, indem sie die Historie mit der Gegenwart verknüpft: Durch das psychologische Geschick ihres Liebhabers taucht das Mädchen Lucía in das Leben der faszinierenden Königin Johanna ein, erlebt noch einmal deren Liebe und Leidenschaft und beinahe auch deren Untergang am eigenen Leib.“  

Höreindruck
Der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht, denn ich liebe historische Romane und auch, wenn verschiedene Zeitebenen miteinander verstrickt sind. Und das ist der Autorin in diesem Buch auch wirklich gut gelungen. Zwar ist die Geschichte der Vergangenheit eine völlig unabhängige und hat nichts gemein mit der der Gegenwart, nur die Charaktere scheinen zu verschmelzen: Aus der Schülerin Lucia der Gegenwart scheint die spanische Königin Johanna aus dem 16. Jahrhundert zu werden. Während der Dozent Manuel die Geschichte von Johanna, der Wahnsinnigen erzählt, schlüpft Lucia immer mehr in diese Rolle, scheint zu fühlen und zu denken wie Johanna. Und ich als Hörerin habe mich genauso in die Vergangenheit zurückversetzt gefühlt. Ich habe viel gelernt über die spanische Königin Johanna, ihrer Ehe mit Philipp, dem Schönen, ihrem vermeintlichen Wahnsinn und ihrem traurigen Tod in völliger, unfreiwilliger Isolation.

Aber natürlich gibt es auch einen Handlungsstrang in der Gegenwart, in dem es um die Beziehung zwischen Lucia und dem Dozenten Manuel geht. Nicht nur der Altersunterschied macht die Beziehung schwierig, auch die sich ankündigende Schwangerschaft und ein Geheimnis, das Manuel stets zu umgeben scheint. Diese Geschichte hat mir zwar auch gefallen, konnte mich aber nicht ganz so begeistern wie das Leben Johannas. 

Die Figuren sind alle sehr gut ausgearbeitet und gerade auch Johanna ist sehr einfühlsam beschrieben. Ich konnte mich wirklich in die Geschichte hineinfallen lassen und mit Johanna bzw. Lucia mitfühlen.

Das Ende des Hörbuchs hat mich sehr überrascht – aber im positiven Sinne. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, fand es aber einen gelungenen Abschluss – auch wenn Fragen offen geblieben sind, dies gibt mir aber Möglichkeit, mir meine eigenen Gedanken zu machen.

Die Sprecherin Ulrike Hübschmann hat eine sehr angenehme, warme Stimme und passt hervorragend zu der Geschichte. Sehr einfühlsam spricht sie ihre Rolle ein und schafft eine schöne, wenn auch melancholische Atmosphäre.

Mein Fazit
Ein tolles Hörbuch, das mich gefesselt hat und mir das Leben der spanischen Königin Johanna aus dem 16. Jahrhundert näher bringen konnte. Die angenehme Stimme von Ulrike Hübschmann passt hervorragend zu der Geschichte, die sehr gut aufgebaut ist und wunderbar die Gegenwart mit der Vergangenheit verwebt.


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