[Rezension] Anna Romer - "Das Rosenholzzimmer"

Anna Romer - Das Rosenholzzimmer
Gegenwartsliteratur

Verlag: Goldmann-Verlag
Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München
Umschlagmotiv: getty images/carla lisinski; FinePic®, München
ISBN-13: 978-3-442-31377-8
Seiten: 570 Seiten
Erschienen: 25. August 2014

Zum Inhalt 
Die Fotografin Audrey Kepler erbt von ihrem verstorbenen Ex-Mann Tony ein altes Haus in Queensland und zieht nach einigem Zögern mit ihrer Tochter Bronwyn in das große Anwesen. Es hat einmal Tonys Großvater Samuel gehört, über den es im Ort nichts Gutes zu berichten gibt. Er soll eine junge Frau erschlagen haben. Doch Audrey spürt zu Samuel eine besondere Verdingung, vor allem, wenn sie sich in seinem alten Schlafzimmer befindet. Sie glaubt nicht an seine Schuld und macht sich daran, das Geheimnis zu lüften. Dabei gerät sie immer tiefer in ein Labyrinth vergangener Ereignisse, deckt längst Vergessenes auf, bis sie selber in großer Gefahr gerät.
Meine Meinung
Ich habe ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen, dann aber hat sie mich gefesselt und wirklich gut unterhalten.

Das Buch spielt auf mehreren Zeitebenen, wobei der Schwerpunkt eindeutig in der Gegenwart liegt. Hier ist Audrey die Protagonistin, die das Thornwood House in Queensland geerbt hat und nun einem alten Familiengeheimnis auf der Spur ist. Der zweite Erzählstrang spielt in den 40er Jahren und einige Kapitel sind aus Sicht von Aylish geschrieben, das meiste über die Zeit und ihre Geschehnisse erfährt man jedoch über Tagebucheinträge und alte Briefe, die Audrey bei ihrer Suche nach der Lösung des Geheimnisses gefunden hat.

Mir haben beide Erzählstränge gut gefallen, auch die Verstrickungen fand ich gelungen. Audrey findet immer wieder neue Hinweise, geht ihnen nach und kommt der Auflösung des Geheimnisses dabei immer näher. Dabei spielen natürlich viele verschiedene Figuren eine Rolle. 

Die Charaktere sind unterschiedlich gut gezeichnet. Audrey und ihre Tochter Bronwyn mochte ich beide sehr gerne, mit Audrey habe ich gefiebert und mit gerätselt. Sie entwickelt sich von der eher grauen Maus zu einer selbstbewussten Frau, die hartnäckig und zielstrebig das Geheimnis lüften will. Bronwyn ist einfach ein liebenswertes Mädchen, das ich sofort ins Herz geschlossen habe, auch wenn ich sie manchmal ein wenig zu vernünftig für ihr Alter fand. Sympathisch fand ich auch den Tierarzt Danny und seine Schwester Corey – beide sind aber leider etwas blass geblieben, dabei wirkten sie sehr interessant und ich hätte gerne mehr über sie erfahren.

Der Schreibstil ist zwar angenehm zu lesen, aber auch sehr blumig und ausschweifend, farbenprächtig und zum Teil auch malerisch - gerade wenn es um Beschreibungen von Flora und Fauna geht. Dadurch konnte ich mir zwar alles gut vorstellen, manches Mal aber war es mir zu viel der ausufernden Beschreibungen, dies hat auch meinen Einstieg in die Geschichte sehr erschwert. Als ich mich dann aber daran gewöhnt hatte (und ich gebe zu, dass ich die eine oder andere Beschreibungen dann auch nur noch überflogen habe), war ich drin in der Geschichte und das Buch hat mich gefesselt.

Gerade die zweite Hälfte ist richtig spannend, den Spannungsbogen kann die Autorin dann auch bis zum Ende halten – das Finale ist vielleicht ein bisschen übertrieben geraten; Audrey als Heldin und Meisterin der gefährlichen Situationen war vielleicht ein bisschen zu viel des Guten und dadurch nicht unbedingt glaubwürdig. Auch die Auflösung des Geheimnisses bietet einige Ungereimtheiten und manches scheint nicht richtig durchdacht – dennoch war ich  gut unterhalten und fand das letzte Drittel wirklich spannend und fesselnd.

Nicht gefallen haben mir die mystischen Szenen mit den Visionen von Audrey, ihren gedanklichen Verbindung zur Vergangenheit und ihre ach so lebendigen Alpträume – das hat dem ganzen Buch einen übernatürlichen Touch gegeben, der aber für das Weiterkommen der Geschichte gar nicht notwendig gewesen wäre und mir etwas aufgesetzt erschien.

Mein Fazit
Leider brauchte ich etwas, um in die Geschichte reinzukommen, das lag wohl vor allem an dem blumigen und ausschweifenden Schreibstil. Jetzt aber bin ich froh, dass ich trotz der für mich anstrengenden ersten 150 Seiten weitergelesen habe, denn belohnt wurde ich mit einem spannenden und fesselnden Abenteuer. Das letzte Drittel habe ich in einem Rutsch gelesen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Zwar hatte die Geschichte dann die eine oder andere Ungereimtheit, dennoch wurde ich gut unterhalten und gebe daher gerne 4 Sterne.


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