[Rezension] Marlen Haushofer - "Die Wand"

Marlen Haushofer - Die Wand
Gegenwartsliteratur

Verlag: Hörbuch Hamburg
ISBN-13: 9783899037531
Dauer: 2 CDs, 140 min
Erschienen: September 2007
Preis: 19,90 €
Sprecherin: Elisabeth Schwarz

Buchrückentext
„Eine Frau fährt mit ihrer Cousine, deren Mann und dessen Hund in die Berge. Es soll ein ganz normaler Wochenendausflug in eine Jagdhütte werden. Doch von einem abendlichen Spaziergang ins Dorf kommt das Ehepaar nicht zurück. Auf der Suche nach den beiden stößt die Frau an eine unüberwindbare gläserne Wand, die sie vom Rest der Welt trennt. Sie ist im Gebirgstal eingeschlossen. Ein Hund, eine trächtige Kuh und eine Katze - das sind nun für lange Zeit ihre einzigen Weggefährten. Um ihrer Verzweiflung zu entfliehen, beginnt sie ihre Erlebnisse und Gedanken aufzuzeichnen ...“ (Quelle: Buecher.de)

Meine Meinung
Eine Frau, deren Namen man weder im Hörbuch noch in der Printausgabe erfährt, will einige Tage mit ihrer Cousine und deren Mann in einer Jagdhütte verbringen. Das Ehepaar geht abends noch in das Dorf, während die Protagonistin in der Hütte bleibt. Am nächsten Morgen wacht sie auf und ist alleine. Sie macht sich auf, die beiden zu suchen, stößt jedoch auf eine gläserne Wand, die sie von der Umgebung abzuschirmen scheint. Doch bei genauerem Betrachten ist alles jenseits der Wand zu Stein erstarrt. Nur sie innerhalb dieser Grenze scheint zu leben. So bleibt ihr nur, sich mit ihrem Hund in der Einsamkeit zu arrangieren. Auf Hilfe hofft sie nicht, doch um nicht verrückt zu werden, schreibt sie ihre Gedanken auf.

Dies ist kein Buch, in dem viel passiert, es lebt eher von der Atmosphäre, die durch die Schilderungen entsteht und die die Sprecherin Elisabeth Schwarz mit ihrer eher melancholischen Stimme sehr gut unterstreicht. Anfangs hatte ich Probleme mit der Geschichte, denn die Protagonistin schien sich gar nicht zu fragen, warum dort eine Wand steht und warum außerhalb der Glaswand niemand mehr zu leben scheint. Genau das waren nämlich die Fragen, die mir als erstes durch den Kopf gingen. Doch schon bald merkte ich, dass es darum gar nicht geht. Die Wand wird als gegeben angenommen, wichtig ist vielmehr der Kampf ums Weiterleben, die Verantwortung für die anderen Lebewesen in der nicht freiwillig gewählten Welt und die Einsamkeit, die sich jeden Tag mehr und mehr breit macht. Es ist eine entbehrungsreiche Zeit, durch die die Protagonistin sich selber neu erlebt: sie wächst über sich hinaus, lernt aber auch ihre Grenze kennen. 

Die Sprache ist sehr einfach und eindringlich und schafft dadurch eine bedrückte und melancholische Stimmung. Ich war darin völlig gefangen und noch Tage nach Beenden des Hörbuches war ich in Gedanken bei der Wand. Es gibt sicherlich viele Interpretationsmöglichkeiten, ein Blick in die Biographie der Autorin hat mir dann geholfen, das Thema besser einordnen zu können.

Dies ist kein Buch, das mich gefesselt hat oder durch spannende Aktionen besticht, vielmehr eines, das zum Nachdenken anregt und bei mir noch tagelang nachgewirkt hat. Wer also ruhige Bücher mag und bereit ist, sich auf das Thema einzulassen, dem wird auch diese Geschichte gefallen.


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