[Rezension] Maeve Binxhy - "Der grüne See"

Maeve Binchy - Der grüne See
Familiengeschichte

Verlag: Droemer-Knaur
Umschlaggestaltung: Andrea Schmidt, München
ISBN-13: 978-3-426-19387-7
Seiten: 800 Seiten
Erschienen: 1996

Klappentext
„Kit McMahon ist die Tochter des allseits geschätzten und beliebten Apothekers Martin McMahon in dem kleinen irischen Ort Lough Glass, ein glückliches junges Mädchen, das von seinen Eltern zärtlich geliebt wird. Doch eines Tages verschwindet Helen, Kits schöne Mutter, die im Dorf immer eine Außenseiterin war, spurlos. Ist sie im See ertrunken, jenem See, der sie immer wieder zu einsamen nächtlichen Spaziergängen verleitete? Oder gab es Gründe für sie, die Familie zu verlassen und der Stimme ihres Herzens zu folgen? Welches Geheimnis umgab die einsame Frau, von dem offenbar nur die kluge Einsiedlerin Schwester Madeleine etwas ahnte? 
Kit, ihr Vater und ihr Bruder Emmet müssen nun mit einem Leben ohne Mutter fertig werden. Kit, die Helen immer so leidenschaftlich gegen alles Misstrauen in der kleinen Gemeinde verteidigte, ist fest entschlossen, den größten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen: Sie soll etwas aus ihrem Leben machen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Aber Kit muss erkennen, dass die Träume der Mütter nicht immer leicht zu verwirklichen sind, zumal sie erfährt, dass Helens Geheimnis auch Konsequenzen für Kits eigenes Leben hat."

Meine Meinung
Kit McMahon lebt behütet im Kreis ihrer Familie in einem kleinen Dorf in Irland namens Lough Glass. Doch eines Tages verschwindet ihre Mutter Helen, die sich leider nie in die Ortsgemeinschaft einfinden konnte und als Außenseiterin galt. Sie ging immer schon gerne am See spazieren und galt als grübelnde und in sich gekehrte Frau. Alle glauben, sie habe sich selbst das Leben genommen, und als Kit auch noch einen Brief von ihrer Mutter an ihren Vater findet, scheint diese Vermutung bestätigt. Doch Kit will nicht, dass ihre Mutter als Selbstmörderin gilt und vernichtet daher ungelesen den Brief. Es braucht Zeit, bis die Familie ihre Trauer überwindet, doch Jahre später erreicht Kit ein Brief: von einer guten Freundin ihrer verstorbenen Mutter.

Mich hat diese opulente Familiensaga sehr gefesselt! Mittelpunkt der Geschichte sind Kit und ihre Mutter Helen und man begleitet beide über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren. Dabei lernt man nicht nur die beiden Protagonisten kennen, sondern die ganze Dorfgemeinschaft, ihren Alltag, ihre Freuden, aber auch Probleme. Durch die ausführlichen Beschreibungen konnte ich mir nicht nur Lough Glass und die Landschaft gut vorstellen, sondern durch die fantastischen Charakterisierungen auch die einzelnen Bewohner. Manchmal hatte ich das Gefühl, mitten unter ihnen zu leben – so vertraut waren mir die einzelnen Figuren. 

Vor allem aber die Frauen sind wirklich gut gezeichnet. Kit wirkt zunächst wie ein eher altkluges und immer gutes Kind, doch ihre Entwicklung zu einer tatkräftigen und selbstbewussten Frau hat mir sehr gut gefallen. 

Helen scheint zwei Seelen in ihrer Brust zu tragen, manchmal wirkt sie wie eine introvertierte und grübelnde Seele, die irgendwie immer verloren erscheint, manchmal aber auch ist sie eine selbstbewusste und ehrgeizige Frau, die für andere kämpft und sich für sie einsetzt. 

Meine heimliche Heldin ist jedoch Schwester Madeleine – ihre ruhige Art, stets ein offenes Ohr, umsichtig mit ihren Ratschlägen und auf ihre Art ein selbstbewusstes Leben zu führen – das hat mir sehr gefallen.

Der Schreibstil ist wirklich angenehm zu lesen, auch wenn er manchmal etwas behäbig und altmodisch wirkt. Aber er fesselt und lässt mich völlig in die Geschichte eintauchen. Doch es geht hier nicht nur um die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, ganz nebenbei lernt man auch noch einiges über die Nachkriegszeit, das Leben in den 50er Jahren, die langsame Änderung der klassischen Rollenverteilung und die verschiedenen Lebensweisen im Dorf und in der Stadt.

Mir hat das Buch gefallen und über die wenigen Längen konnte ich gut hinwegsehen. Doch man sollte Familiensagas mögen, wenn man sich auf dieses Buch einlassen will – aber dann wird man auch mit einer tollen und intensiven Geschichte über zwei starke Frauen belohnt!


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