[Rezension] Katja Riemann - "Nebel und Feuer"

Katja Riemann - Nebel und Feuer
Gegenwartsliteratur
 

 Verlag: Lauscherlounge     
 ISBN-13: 978-3-911-42116-4
 Seiten: 507 Minuten
 Erschienen: 13.5.2025
 Sprecherin: Katja Riemann

   
Zum Inhalt
„Die Musikerin Johaenne steht auf ihrem Fenstersims im fünften Stock, und der Friedhof ist praktischerweise nebenan. Der Mann, den sie unbändig geliebt hat, ist aus ihrem Leben verschwunden, die Liebe zu ihm jedoch ist geblieben. Was nun?! Es ist Nacht, nur der Mond kann sie sehen, und er hat Fragen.
Johaenne begreift, dass sie keine Selbstmörderin ist, und setzt tastend ihre Schritte in ein neues Leben. Doch die Welt ist aus den Fugen: Ein Nebel bedeckt die halbe Welt, Feuersbrünste und Heuschreckenschwärme wüten. Aus der Stadt flieht Johaenne aufs Land, in den Bungalow ihres verstorbenen Vaters. Hinzu stoßen ihre neuen Freundinnen Jamal und Shenmi, die Pianistin Ayo und ein kleiner Hund. Bedrohlich wirkt das Nachbarhaus, und kann der Nebel wirklich Dinge und Lebewesen für immer verschlucken?
Bald sind die Frauen abgeschnitten von allen Informationen über die Außenwelt. Während der Nebel das Haus umhüllt, klären die vier Frauen für sich die Verhältnisse. In einer Welt, in der alles verschwindet, leben sie Solidarität und Liebe. Und Johaenne erkennt, dass sie sich erlauben muss, glücklich zu sein.“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Eine Frau steht nackt auf einem Fenstersims im fünften Stock und ringt mit dem Entschluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Während sie auf den entscheidenden Moment wartet, ziehen unzählige Gedanken an ihr vorbei, bis sie schließlich erkennt, dass sie doch nicht sterben möchte. Verletzt durch eine schmerzhafte Trennung zieht sie sich deshalb in ihr Landhaus zurück. Dort trifft sie auf drei weitere Frauen, die allesamt ihre eigenen Lasten tragen. Während sich die drei anfreunden, gerät die Welt im Außen aus den Fugen – Nebel und Feuer isolieren die Frauen von der restlichen Zivilisation und ohne Kontakt zur Außenwelt sind sie gezwungen, sich ihren inneren Dämonen zu stellen und gemeinsam einen neuen Weg zu finden.

Der Einstieg ist großartig und hat mich tief berührt: Johaenne auf dem Dach, im Hader mit sich, ob sie nun springen soll oder nicht. Ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen und ihre Ängste sowie ihre tiefe Verzweiflung beinahe körperlich spüren. 

Im weiteren wurde es für mich dann etwas abstrus – der unheimliche Nebel, der alles zu verschlingen scheint, die anderen Frauen mit ihren Problemen, das Rätsel, wohin die Menschen im Nebel verschwinden, ein Hund, der aufgenommen wird und an der Lösung des Rätsels maßgeblich beteiligt ist – mir waren das zu viele Themen, Sie waren zwar miteinander verbunden, dennoch wirkte es auf mich irgendwie willkürlich zusammengewürfelt. 

Dabei ist aber die Charakterzeichnung der vier Frauen wirklich gelungen. Die Emotionen und Gedanken werden fassbar, sind realistisch und anschaulich. Trotzdem habe ich mich ihnen nicht sehr nahe gefühlt, weil einfach zu viel im Außen passiert, was mich aus der Geschichte gerissen hat. 

Der Schreibstil ist zu Beginn sehr einfühlsam und authentisch, schafft eine dichte Atmosphäre – das verliert sich im Verlauf dann ein bisschen; er wird schlichter und weniger präsent, weil die Dinge im Außen in den Vordergrund treten – auch das fand ich schade, denn gerade die Innenansichten zu Anfang waren sehr stark und dicht. 

Katja Riemann liest ihr Werk selbst und macht das sehr gut. Sie weiß, ihre Stimme gezielt einzusetzen, gibt dadurch der Geschichte eine zusätzliche Ebene an Professionalität. Leider hat mich die Autorin nach dem sehr präsenten und dichten Einstieg aber verloren - es wurden zu viele Themen und Katastrophenmotive eröffnet, die auf mich willkürlich wirkten.  Das Gefühl, vom Geschehen gefesselt zu sein, ging verloren und eine gewissen Distanz stellte sich ein – die Struktur der Handlung war mir einfach zu zerfleddert.

Mein Fazit
Ein Roman, der mit einem psychologisch starken Auftakt beeindruckt, mich jedoch im weiteren Verlauf durch eine zu sprunghafte Themenwahl etwas verlor. Katja Riemann überzeugt dabei als Sprecherin auf ganzer Linie und verleiht den emotionalen Innenansichten der Frauen eine glaubhafte Tiefe. Durch die vielen angerissenen Themen aber hat mich die Geschichte ein wenig verloren. 

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