16. Juni 2026

[Rezension] Till Raether - "Meeresdunkel"

Till Raeter - Meeresdunkel
Thriller
 

 Verlag: Argon Hörbuch
 ISBN-13: 978-3-732-48620-5
 Dauer: 647 Minuten
 Erschienen: 17.4.2026
 Sprecher: Peter Lontzek, Eva Becker
 Umschlaggestaltung: semper smile, München
 Umschlagabbildung: Werner Gritzbach /neuebildanstalt /plainpicture; Shutterstock

   
Zum Inhalt
„Es sollte der perfekte Urlaub werden, ein echter Familientrip, wie früher: Henrike, Hans, Onkel Freddy und die Zwillinge. Eine Woche ausspannen, die letzten Sommertage genießen. Vielleicht die Chance auf einen Neubeginn, weit weg vom Alltag – in der beeindruckenden Finca mit Blick über die Bucht.
Doch als sie ankommen, sind sie nicht allein: Es gab eine Doppelbuchung, noch eine weitere Familie ist angereist. Auch sie haben eine Woche Urlaub vor sich. Und weil die ganze Insel voll ist, ziehen beide Familien ins Ferienhaus ein. Die Stimmung ist gut, niemand möchte die Urlaubslaune verderben. Platz ist ja genug da.
Ganz leise bröckelt die schöne Fassade. Das Haus ist in die Jahre gekommen, der Pool längst trockengelaufen. Irgendwie scheint eine Bedrohung in der Luft zu liegen. Und ein Gewitter braut sich zusammen. Dann finden die Familien in der Finca eine Leiche. Es ist einer von ihnen.
Während draußen der Sturm wütet, bricht sich drinnen die Wahrheit Bahn. Keiner von ihnen ist zufällig hier. Jemand wollte, dass sie an genau diesem Ort zusammenkommen. Und nicht alle sind sich so fremd, wie sie vorgeben…“ (Quelle: Verlagsseite)

Meine Meinung
Eingestellt hatte ich mich auf einen packenden Thriller, bekommen habe ich ein Familiendrama, das zwar sehr verzwickt und verschlungen ist, das aber auch lange brauchte, um überhaupt Fahrt aufzunehmen. 

Im Mittelpunkt stehen zwei Familien – beide wollen Urlaub in einer abgelegenen Finca auf Mallorca machen. Vor Ort wartet jedoch eine Überraschung: Das Haus wurde doppelt vermietet und so müssen sie sich den Platz teilen. Die Stimmung ist anfangs zwar entspannt, aber die Idylle trügt, denn der Pool ist ausgetrocknet, die Finca wirkt heruntergekommen und über der ganzen Szenerie braut sich ein Unwetter zusammen. Als dann auch noch eine Leiche im Haus auftaucht, wird klar, dass dieses Treffen kein Zufall ist und düstere Geheimnisse die Familien verbinden.

Das erste Drittel des Hörbuchs zog sich für mich ziemlich hin, da kaum etwas passiert und die Vorstelllung der Familien nicht wirklich interessant war (und das, obwohl sie eigentlich Potential gehabt hätten). Erst als das schwere Unwetter aufzog und der Mord geschah, kam etwas Dynamik auf. Leider aber war es dann zwar dynamischer, aber auch wirr und die Entwicklungen arg konstruiert.  

Da sich zu Beginn direkt acht Personen in der Geschichte tummeln und später noch weitere hinzukommen, fiel es mir schwer, die Figuren im Hörbuch überhaupt einzuordnen. Das lag auch an der für mich eher oberflächlichen Charakterzeichnung. Keine der Figuren ist mir irgendwie nahegekommen, alle blieben mir völlig fremd. Richtig schade fand ich, dass sich die Charaktere sprachlich überhaupt nicht voneinander abgrenzten. Selbst die Kinder redeten im exakt gleichen Stil wie die Erwachsenen, sodass ich sie am Gesagten nicht zuordnen, ihr Alter nicht einschätzen konnte und mich immer mühsam an den Namen orientieren musste.

Der Schreibstil an sich war für mich okay, recht einfach und sachlich gehalten. Erzählt wird die Geschichte im personalen Stil aus drei Perspektiven – Henrike, Samuel und Juri. Vor dem Kapitel wird der Name jeweils genannt, so dass ich mich daran orientieren konnte. Grundsätzlich lässt sich das Buch durch die kurzen, knackigen Kapitel zwar flüssig und schnell hören, durch die Handlung selber ist für mich aber nur wenig Spannung entstanden – es fehlte einfach die Sogwirkung. Es gab kaum falsche Fährten, und das Verhalten der Figuren nach dem Mord war sehr emotionslos und für mich nicht verständlich. Im letzten Viertel zieht der Autor dann zwar alle Register, aber diese rasanten Wendungen kamen mir viel zu überfrachtet und unglaubwürdig vor.

Einzig die Atmosphäre ist Till Raether wirklich gelungen; gerade bei dem aufziehenden Unwetter war die Stimmung herrlich düster. 

Die Sprecher Peter Lontzek und Eva Becker haben einen soliden Job gemacht, konnten die Schwächen in der Figurenzeichnung für mich aber auch nicht ganz retten. Am Ende war das Hörbuch für mich zwar okay, aber es hat mich einfach nicht gepackt und – wenn ich ehrlich bin -  das meiste davon habe ich jetzt schon wieder vergessen.

Mein Fazit
„Meeresdunkel“ war für mich leider kein packender Thriller, sondern ein eher mäßiges Familiendrama mit einer sehr wirren und konstruierten Handlung. Trotz der gelungenen, düsteren Unwetter-Atmosphäre fehlte mir durch die emotionslosen und oberflächlichen Charaktere jegliche Sogwirkung. Vor allem die fehlende sprachliche Abgrenzung der Figuren machte das Hörbuch zu einer echten Herausforderung, und leider ist auch am Ende kein bleibender Eindruck übrig. Schade. 

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