[Rezension] Thommie Bayer - "Seltene Affären"

Thommie Bayer - Seltene Affären
Gegenwartsliteratur

Verlag: Piper-Verlag
Umschlaggestaltung: Kornelia Rumberg, www.rumbergdesign,de
Umschlagabbildung: plainpicture /Schiesswohl
ISBN 13: 978-3-492-05611-3
Seiten: 192 Seiten
Erschienen: 1. August 2016

Buchrückentext
„Peter Vorden lebt zwei Leben zugleich: Von Montag bis Donnerstag führt er ein gut besuchtes Restaurant in Frankreich, sein richtiges Leben aber beginnt am Freitag. Denn dann zieht er sich in seine deutsche Wohnung zurück und beginnt zu schreiben. Er schreibt für seinen Bruder Paul, den Schriftsteller, der die Geschichten als seine eigenen ausgibt – und der die einzige Frau, die je für Peter Vorden infrage kam, geheiratet hat.“

Meine Meinung
Ich bin total hin und her gerissen, wie ich die Geschichte finden soll – auf der einen Seite fand ich die Idee toll, den Inhalt aus dem Buch „Weißer Zug nach Süden“ nochmal aufzugreifen und die Geschichte aus anderer Perspektive zu erzählen, auf der anderen Seite hat mir die Geschichte selber um den Protagonisten Peter Vorden, der als Ghostwriter Kurzgeschichten für seinen Bruder schreibt, nicht so gut gefallen.

Dabei liest sich das Buch gewohnt angenehm, und auch hier habe ich den Schreibstil wieder geliebt – er ist unaufgeregt und direkt, kommt auf den Punkt und ist dennoch charmant und liebevoll. Und obwohl ich das Buch sehr schnell gelesen habe – was tatsächlich dem Schreibstil zu verdanken ist -, konnte mich die Geschichte nicht überzeugen. 

Man kann dieses Buch auch gut lesen, ohne „Weißer Zug nach Süden“ zu kennen. Hier wird die Geschichte aus Sicht von Chiara erzählt. Sie reinigt seine Wohnung in seiner Abwesenheit und hat eine sehr ungewöhnliche Beziehung zu Peter. Die beiden kennen sich nicht persönlich, aber sie kommunizieren über kleine Nachrichten miteinander. Außerdem lässt Peter ihr stets eine der von ihm geschriebenen Kurzgeschichten da, die sie dann liest. In „Seltene Affären“ lernt man Peters Perspektive kennen – und die ist durchaus interessant, denn in seiner Phantasie führt er die Beziehung zu Chiara in ganz anderem Ausmaß weiter. Es geht in diesem Buch aber auch um die Peters Beziehung zu seinem Zwillingsbruder Paul und in Rückblenden erfährt man einiges aus beider Kindheit und wie sich die beiden charakterlich sehr unterschiedlichen Brüder dann entwickeln. Diese Geschichte konnte mich leider nicht packen und auch die damit verbundene Liebesgeschichte hat mich nicht überzeugen können.

Die Charaktere sind mir zu blass geblieben und auch wenn sie eigentlich gut gezeichnet waren, hatten sie für mich nur wenig Profil. Die Geschichte wird von Peter erzählt, der als Ich-Erzähler auftritt – und obwohl ich mich sonst bei dieser Erzählweise gut in den Erzähler hineinversetzen kann, ist mir das hier leider nicht gelungen. 

In anderen Büchern Thommie Bayers habe ich die überraschenden Wendungen am Ende immer geliebt – hier gibt es zwar auch eine Überraschung, die konnte aber mich nicht so richtig packen. Und so ist die Geschichte leider über weite Strecken vor sich hin getröpfelt, ohne dass viel passiert und auch ohne, dass Spannung aufkommt – das Ende konnte das Ruder dann leider auch nicht mehr rumreißen. 

Weil die Geschichte zwar gut erzählt war, mich aber nicht richtig packen konnte, kann ich leider „nur“ 3 von 5 Sternen vergeben.

Mein Fazit
Diesmal konnte mich Thommie Bayer leider nicht überzeugen, obwohl ich ihn zu meinen Lieblingsschriftstellern zähle – die Geschichte ist gut erzählt, dennoch konnte sie mich nicht packen. Leider sind auch die Charaktere sehr blass geblieben, so dass ich nicht mit ihnen gefiebert habe. Die ruhige Geschichte plätschert nur leise vor sich hin und auch die Überraschung am Ende hat das nicht wettmachen können. Ich kann leider „nur“ 3 von 5 Sternen vergeben. 


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