[Rezension] Thomas Vaucher - "Tell - Mann. Held. Legende."

Thomas Vaucher - Tell - Mann. Held. Legende.
Historischer Roman

Verlag: Stämpfli-Verlag
Umschlaggestaltung: Nils Hertig, clicdesign ag, Bern
ISBN 13: 978-3-727-27900-3
Seiten: 324 Seiten
Erschienen: 19. Oktober 2016

Zum Inhalt 
„Nach dem Mord an seinem Vater wächst Wilhelm als Müllergehilfe bei seinem tyrannischen Onkel in Burgelon (heutiges Bürglen UR) auf. Als die hübsche Anna eines Tages bei ihm Korn zum Mahlen in Auftrag gibt, ist es um Wilhelm geschehen. Doch als er sie am Johannisfest zum Tanz ausführt, kommt es zu einer folgenschweren Schlägerei mit dem reichen Hermann von Spiringen. Wilhelm sieht sich dazu gezwungen, seine Heimat zu verlassen und sich als Söldner zu verdingen. Er erlernt in einer Söldnerkompanie das Armbrustschiessen, verschafft sich unter den rauen Burschen rasch Respekt und steigt in der Hierarchie bis zum dritten Stellvertreter des Hauptmanns auf. Doch dann begegnet er eines Tages dem Mörder seines Vaters...
Dieser packende Roman erzählt einerseits die bisher unbekannte Geschichte der Jugend Wilhelm Tells und andererseits die bekannte Legende vom sagenhaften Rütlischwur und vom Apfelschuss – aber in neuem Licht.“ (Quelle: Verlagsseite) 

Meine Meinung
Ich war sehr neugierig auf diese Version über die Legende Wilhelm Tells, weil mich die Leseprobe sofort gefesselt hat – und auch das Cover finde ich sehr ansprechend, vielleicht auch, weil es die klassische Art von Covern historischer Romane etwas verlässt.

Und ich wurde beim Lesen tatsächlich nicht enttäuscht – der Autor hat es geschafft, mich von der ersten Seite an zu fesseln. Die Geschichte Wilhelm Tells – von Kindheit an bis zum legendären Apfelschuss – ist eingebettet in eine kleine Rahmengeschichte, die das Ganze nochmal spannender gemacht hat. Zwar wird das Leben Wilhelm Tells langsam erzählt, das aber hat die Spannung überhaupt nicht gemindert. Sie ist die ganze Zeit vorhanden, steigt stetig an und entlädt sich dann am Schluss in einem tollen Finale. Ich war wirklich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, obwohl es auch ruhigere Passagen gab im Buch - einfach weil ich immerzu wissen wollte, wie es denn nun weitergeht.

Das hat sicherlich auch mit dem angenehmen und sehr eingängigen Schreibstil zu tun. Er lässt sich flüssig lesen und hat bei mir ein historisches Gefühl geschaffen, so dass ich mich beim Lesen tatsächlich in eine andere Zeit versetzt gefühlt habe. Durch die vielen Beschreibungen, die aber nie zu lang oder ausführlich waren, konnte ich mir alles genau vorstellen und die Geschichte spielte sich vor meinen Augen wie ein Film ab. 

Mir hat die Erzählung um Wilhelm Tell noch mal ganz neue Einblicke in die Vergangenheit gestattet – nicht nur, weil ich bisher noch nichts historisches gelesen habe, das in der Schweiz spielt, sondern auch, weil mir die Einblicke in das Söldnerleben sehr gut gefallen haben. Ich hatte da keine konkreten Vorstellungen, umso interessanter war es für mich, nun Neues über das Leben, die Hintergründe und auch die Motivationen eines Söldners zu erfahren. 

Die Charaktere sind alle sehr gut gestaltet – und tatsächlich hat nicht nur der Protagonist Wilhelm viel Tiefe, sondern auch die Nebencharaktere sind alles andere als flach gezeichnet. Dafür hat sich der Autor viel Zeit genommen, so dass mir viele der ganz unterschiedlichen Figuren sehr ans Herz gewachsen sind. Es gibt nicht einfach nur „gut“ oder „böse“, jeder hat ganz unterschiedliche Facetten und jeder hat auch eine eigene Geschichte, die erklärt, warum er so geworden ist, wie er nun mal ist. Interessant sind dabei auch die Namen, die die Söldner tragen – selten ist es einfach nur der richtige Name, vielmehr nennen sie sich nach Anekdoten ihres Lebens; und als Leser wundert man sich über Namen wie „Strubbler“, „Bluttrinker“, „Einohr“, „Schlitzer“, „Zwiebelarsch“ – doch im Laufe des Buches werden alle Namen erklärt und damit dann auch verständlich. 

Gefallen hat mir auch der sehr ausführliche Anhang – hier kann man nicht nur nachschlagen, wo sich mancher Ort befindet und welche Figuren überhaupt mitspielen, es gibt zudem noch ein Glossar, in dem einige Worte erklärt werden, die heutzutage nicht mehr so geläufig sind. Auch die auf den Innenseiten abgedruckte Karte mochte ich sehr, denn so konnte ich manche Reise einfach besser einordnen.

Dass mich das blutrote Cover sehr angesprochen hat, habe ich ja schon erwähnt, genauso wie die gesamte Gestaltung des Buches mit seinem Anhang und den abgedruckten Karten. Ungewöhnlich fand ich dagegen das Format des Buches: es ist deutlich größer als herkömmliche Hardcover und zu meinem Leidwesen leider mit sehr kleiner Schrift gedruckt. Auch der Preis des Buches ist ungewöhnlich hoch – aber vielleicht wird sich der ja noch unserem Buchpreismarkt anpassen.

Mein Fazit
Eine spannende und packende Geschichte, die sich um das Leben Wilhelm Tells dreht und mir ganz neue Einblicke gegeben hat. Die tolle Charakterzeichnung, der fesselnde und eingängige Schreibstil sowie die an Spannung stetig zunehmende Geschichte haben das Buch für mich zu einem Lesevergnügen werden lassen. Auf jeden Fall werde ich nach weiteren historischen Werken des Autors Ausschau halten – diesem hier gebe ich sehr gute 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Autor und den Stämpfli-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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