[Rezension] Richard Dübell - "Der letzte Paladin"

Richard Dübell - Der letzte Paladin
Historischer Roman

Verlag: Bastei-Lübbe
Umschlaggestaltung: Johannes Wiebel, punchdesign, München
Umschlagabbildung: Johannes Wiebel, punchdesign, München unter Verwendung von Motiven von Shutterstock /vlas 2000; shutterstockVilant
ISBN-13: 978-3-404-17183-5
Seiten: 493 Seiten
Erschienen: 8. Oktober 2014

Buchrückentext
„Anno 777: Am Hof Karls des Großen treffen der Frankenkrieger Roland und der maurische Abgesandte Afdza Asdaq aufeinander. Sie sind Vertreter zwier verfeindeter Reiche, und doch entwickelt sich zischen ihnen eine tiefe Freundschaft – bis sie sich in dieselbe Frau verlieben. Als ein Heer der Franken im maurischen Hispanien einmarschiert, stehen sich Roland und Afdza in einem Kampf auf Leben und Tod gegenüber. Und die Frau, die sie lieben, hält ein Geheimnis in den Händen, das über den Ausgang der Schlacht entscheiden könnte…“

Meine Meinung
Die Geschichte spielt im Jahr 777 und handelt von der Schlacht zwischen Franken und Mauren. Es ist eine Zeit, von der nur wenig gesichertes Wissen überliefert ist – und das sollte man vor dem Lesen auch bedenken, denn dieses Buch ist zwar inspiriert durch das Rolandslied, aber sehr vieles hat der Autor selber erdacht und fleißig dazu gedichtet – herausgekommen ist ein spannender und sehr unterhaltsamer Roman, der zwar auch eine Liebesgeschichte enthält, bei dem aber Kämpfe, Intrigen und Schlachten im Vordergrund stehen.

Ich muss gestehen, dass ich am Anfang etwas Probleme hatte, in die Geschichte reinzukommen. Das lag sicherlich zum einen am Schreibstil, den ich großartig finde, in den ich mich aber doch erst wieder einlesen musste, nachdem ich einige, eher „seichtere“ Bücher gelesen hatte, zum anderen aber auch an den vielen Personen mit mir wenig eingängigen Namen. Gerade mit den maurischen Namen musste ich am Anfang kämpfen, zumal ich nicht einordnen konnte, wer tatsächlich eine größere Rolle in der Geschichte spielen wird und wer nicht. Doch nach ca. 100 Seiten ist der Knoten geplatzt – und ich bin froh, dran geblieben zu sein an der Geschichte, die mich dann richtig gepackt und gefesselt hat, die spannend war bis zum Schluss, der mich dann noch mal kalt erwischt und - im positiven - sehr überrascht hat.  Zwar dreht sich viel um eine Liebes-Dreieckgeschichte, dennoch habe ich sie nie als kitschig empfunden, sondern als tragisch und leider auch authentisch. Um diese Liebestragödie spinnt sich dann der Krieg zwischen Mauren und Franken – große Herrscher auf beiden Seiten, viel Kampf und Krieg mit Blut und Untergang aber auch viel Taktik und Intrige – und neben diesen großen Schlachten scheine viele Figuren auch einen eigenen Krieg zu führen, und Intrigen werden im Großen genauso wie im Kleinen nicht gescheut.

Im Mittelpunkt stehen neben Roland, dem Neffen Karls des Großen, der maurische Abgesandte Afdza und die schöne und stolze Arima, das Mündel Karls. Alle drei Figuren fand ich sehr gut gezeichnet, gelungen fand ich sie vor allem, weil sie Ecken und Kanten haben und dadurch so glaubhaft und authentisch wirkten. Nicht immer handeln sie verständlich, sie machen Fehler und sind manchmal stur und verbockt – und trotzdem habe ich sie ins Herz geschlossen und mit ihnen gefiebert und vor allem auch gelitten. Es gibt noch sehr viele andere Figuren und einige von ihnen sind genauso gut gezeichnet, auch wenn sie nicht eine so zentrale Rolle in der Geschichte eingenommen haben. Toll fand ich zudem, dass auch Nebenfiguren liebevoll gezeichnet waren und mir so ans Herz gewachsen sind. Stereotype blitzen nur an wenigen Stellen durch, auch klassische Aufteilungen in Gut und Böse trifft man in diesem Roman nur selten. Einzig mit den Namen hatte ich anfangs ein wenig zu kämpfen und hier hätte ich mir wirklich ein Namensverzeichnis gewünscht – das hätte mir einige Verwirrung erspart ebenso wie meine eigenen mühsamen Aufzeichnungen beim Lesen, die den Lesefluss auf den ersten 100 Seiten leider etwas gebremst haben.

Sehr gut gefallen hat mir auch der Schreibstil Richard Dübells – zwar musste ich mich anfangs etwas „einlesen“, dann aber habe ich ihn sehr genossen und mich vor allem auch wohl gefühlt. Er passt zur damaligen Zeit, ist aber dennoch gut lesbar – toll fand ich vor allem aber, dass der Autor es immer wieder schafft, die Stimmung bestimmter Szenen einzufangen und einfach atmosphärisch dicht zu erzählen; egal ob man sich in einer Schlacht befindet, bei einem Treffen Karls mit seinen Paladinen, die über weitere Schritte beratschlagen oder aber in einer romantischen Szene zwischen Liebenden. Ich fühlte mich wirklich mitgenommen und eingesogen in diese mir bislang eher fremde Zeit und habe die Lektüre sehr genossen, so dass ich dem Buch gute 4 von 5 Sternen gebe.

Mein Fazit
Ein gelungenes Buch, inspiriert vom Rolandslied, das zu einer frühen Zeit spielt, aus der nur wenig gesichertes Wissen überliefert ist – deshalb hat der Autor hier auch einiges selber erdacht und erfunden und so ein spannendes  Buch über den Kampf zwischen Mauren und Franken geschrieben. Auch wenn ich anfangs wegen der vielen Personen mit den mir wenig eingängigen maurischen Namen etwas Probleme hatte, in die Geschichte reinzukommen, hat mich das Buch nach ungefähr 100 Seiten gepackt und nicht mehr losgelassen. Spannend und fesselnd bis zum Schluss mochte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, einfach auch, weil mir die Charaktere so ans Herz gewachsen waren, dass ich sie nicht verlassen wollte. Insgesamt gebe ich dem Buch gute 4 von 5 Sternen und empfehle es allen, die gerne historische Romane lesen, in denen Kriege und Schlachten im Vordergrund stehen, die aber auch eine Liebesgeschichte nicht verschmähen.


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