[Rezension] Borger & Straub - "Sommer mit Emma"

Borger & Straub - Sommer mit Emma
Gegenwartsliteratur

Verlag: Diogenes
Umschlagillustration: © Xenia Hausner, „You and I“, 2008
ISBN-13: 978-3-257-06713-2
Seiten: 403 Seiten
Erschienen: 1. August 2009

Buchrückentext 
„Die Ferien auf dem Hausboot sollten ein abwechslungsreiches Abenteuer werden, und das werden sie – allerdings auf andere Weise, als die Familie es sich vorgestellt hat…“

Meine Meinung
Ich hatte keine großen Erwartungen, als ich dieses Buch aus meinem Regal gezogen habe, da ich bislang nichts über dieses Autorenduo gehört hatte – umso überraschter war ich von der tollen Geschichte mit den sehr gut ausgearbeiteten Charakteren, eine Geschichte, die mich von Anfang in ihren Bann gezogen hat.

Es ist ein ruhiges Buch, das langsam, aber dennoch eindringlich startet, bei dem man aber bald spürt, dass es Spannungen gibt und diese in irgendeiner Katastrophe enden werden. Luisa und Daniel machen mit ihren beiden Kindern Lea und Jasper Ferien auf einem Hausboot in England – mit dabei sind auch noch Can, ein Freund Jaspers und Emma, Daniels Tochter aus einer Affäre vor ca. 15 Jahren. Zunächst scheinen sich auch alle gut zu verstehen, doch es dauert nicht lange, bis die Stimmung kippt und der Urlaub zu einer Zerreißprobe für jeden einzelnen wird.

Es gibt insgesamt 52 Kapitel, die immer nur wenige Seiten lang sind und jeweils aus Sicht verschiedener Charaktere geschrieben sind. Lea schreibt das, was sie erlebt, denkt und fühlt in ihr Tagebuch, in das der Leser ebenfalls schauen darf; Luisa, Daniel, Can und Jasper erzählen aus ihrer Sicht, was auf dem Hausboot geschieht – nur Emma hat keine eigene Stimme. Es steht dem Kapitel zwar nicht vorangeschrieben, aus wessen Sicht es geschrieben ist, doch man merkt es schon nach wenigen Sätzen, denn jeder hat eine eigene Art, die Dinge zu beschreiben und der Schreibstil passt einfach wunderbar zu den verschiedenen Charakteren. Und die sind nicht nur sehr unterschiedlich, sondern vor allem sehr gut gezeichnet. Jeden konnte ich mir sofort vorstellen, weil sie echt und authentisch sind, typisch in ihren jeweiligen Lebenssituationen und dennoch nicht stereotyp. Und dadurch, dass jeder – außer Emma – eine eigene Stimme hat und die Dinge aus eigener Perspektive erzählt, konnte ich mich gut in jeden hineinversetzen und verstehen, warum der Einzelne handelt, wie er es eben tut. 

Was zunächst als idyllische Familienreise beginnt, entpuppt sich bald zu einer nervenaufreibenden Zerreißprobe – und zwar für jeden. Denn alle scheinen irgendein Problem mit sich herumzutragen, ohne dass die anderen davon wissen, dabei erscheint manches Päckchen kleiner, manches größer – keiner aber ist den anderen gegenüber offen und ehrlich, jeder behält sein kleines Geheimnis für sich. Doch in der Enge des Hausbootes wird die Stimmung bald hoch explosiv und man kann das Knistern beim Lesen hören und spüren. 

Eigentlich passiert gar nicht viel in der Geschichte und dennoch ist es spannend – und zwar auf eine ganz subtile Weise. Denn als Leser weiß man, was die anderen denken und fühlen und weiß daher auch, dass es nicht bei einer vergnüglichen Familienreise bleiben wird. Man spürt, dass es einen großen Knall geben wird und auf genau den wartet man auch – und den gibt es dann auch am Ende, und mich hat der auch völlig kalt erwischt. Damit hätte ich nicht gerechnet und war daher auch sehr schockiert.

Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen, eben weil es fesselt und packend ist, aber auch, weil der Schreibstil die einzelnen Charaktere so gut darstellt und sich leicht lesen lässt. Mir hat „Sommer mit Emma“ sehr gut gefallen und werde sicherlich auch andere Bücher dieses Autorenduos lesen – denn man hat in keinster Weise gemerkt, dass das Buch nicht nur aus einer Feder ist. Einen halben Stern ziehe ich nur ab, weil mich ein Charakter sehr verärgert hat und der dann am Schluss dann auch noch einfach so davonkommt – wer das war, verrate ich natürlich nicht.

Mein Fazit
Was als idyllische Familienreise auf einem Hausboot beginnt, entpuppt sich bald als hochexplosives Gespann – denn jeder scheint ein Geheimnis zu haben, von dem die anderen nichts wissen und bald fühlt sich keiner mehr sicher in der Enge des Hausboots. Toll gestaltete Charaktere und eine subtile, knisternde Spannung haben dieses Buch zu einem wahren Pageturner gemacht, auch wenn gerade in der ersten Hälfte nicht richtig viel passiert. Mir hat „Sommer mit Emma“ sehr gut gefallen und sicher werde ich bald weitere Bücher dieses Autorenduos lesen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Kommentare: