[Rezension] Karin Seemayer - "Die Sehnsucht der Albatrosse"

Karin Seemayer - Die Sehnsucht der Albatrosse
Historischer Roman, Abenteuerroman

Verlag: books2read
Umschlaggestaltung: Deborah Kuschel
Umschlagmotiv: melis / Shutterstock, ivansmuk / Thinkstock
ISBN-13: 978-3-733-78337-2
Seiten: 2037 KB (geschätzt 397 Seiten)
Erschienen: 15. Juli 2014

Zum Inhalt 
„Eine Frau, die nur für die Musik lebt. Ein Mann, der für die See auf alles verzichtet. Eine Reise, auf der beide an ihre Grenzen kommen. 
Als die Sängerin Sarah nach einem Schiffbruch von einem Robbenschoner an Bord genommen wird, findet sie sich in einer harten Männerwelt wieder. Ausgerechnet hier trifft sie auf ihre verloren geglaubte Jugendliebe John Brandon, den Kapitän des Schiffes. Jenseits von Vernunft und Interessen erwachen die widersprüchlichsten Gefühle in ihr: Denn nicht nur Brandon bringt sie aus dem Gleichgewicht. Mehr und mehr fühlt sie sich zu dem Matrosen Peer Svensson hingezogen. Seine Geschichte von dem geheimnisvollen Flug der Albatrosse berührt sie ebenso wie sein Mut. Auf der Fahrt durch das stürmische Eismeer will sie mit ihrer Vergangenheit abschließen. Doch als die Robbenjagd erfolglos bleibt, kommt es zu einer blutigen Auseinandersetzung. Plötzlich steht Sarah zwischen den Fronten des Kapitäns und der Mannschaft - zwischen John und Peer…“ (Quelle: books2read)

Meine Meinung
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen! Es war spannend, fesselnd, informativ und auch ein wenig romantisch. Würde man mich fragen, welchem Genre ich es zuordnen würde – schwer zu sagen. Denn es ist eine gelungene Mischung aus historischem Roman mit Abenteuerelementen, in dem es auch ein wenig romantisch wird – ohne dass es aber an einen kitschigen Liebesroman erinnert.

Schon das traumhafte Cover in Blau-Türkistönen hat mich sehr angesprochen, der Klappentext hat mich neugierig gemacht und versprach eine ungewöhnliche Geschichte. Und genau das war es auch: Die Opernsängerin Sarah, die auf hoher See Schiffbruch erleidet und von einem Robbenfänger eingesammelt wird. Dort sind nur raubeinige Matrosen an Board und der Ton ist doch deutlich rauer als von Sarah gewohnt. Dass mit einer Frau an Board nun Unruhe auftritt, kann man sich vorstellen.

Sarah hat mir als Protagonistin gut gefallen und war mir von Anfang an sympathisch. Das Buch spielt im Jahre 1904 und für diese Zeit ist Sarah sehr selbstbewusst und patent. Zwar hat sie in ihrem Leben schon einige Hindernisse umschwimmen müssen, doch sie lässt sich so leicht nicht unterkriegen. Dass sie auf dem Schiff mit anpackt und versucht, aus der Situation das Beste zu machen, hat mir wirklich sehr gefallen – auch wenn die Umstände sicherlich alles andere als einfach waren. Für mich war sie eine Protagonistin, mit der ich gelitten habe aber auch träumen durfte, und die ich gerne bei ihrem Abenteuer begleitet habe. Aber auch die anderen Figuren sind sehr gut gezeichnet. Keiner ist einfach nur gut oder böse, jeder der Matrosen hat eine eigene Geschichte, die einen verstehen lässt, warum er ist, wie er ist - warum der junge Willy so verschreckt ist, der Schiffskoch so mürrisch ist und warum er auch nicht wirklich kochen kann, was den Steuermann Anderson so hartherzig gemacht hat und warum der Kapitän Brandon sich so geändert hat. Sehr reizvoll fand ich vor allem, dass hinter den harten Schalen Menschen stecken, oft mit einem weichen Kern, und dass auch die ganzen Muskeln und Tattoos, die die Matrosen auszeichneten, dies nicht verbergen konnten. Natürlich mochte ich gerade auch den Steuermann Peer sehr gerne, dem Gerechtigkeit sehr wichtig ist und sich für die anderen einsetzt – auch wenn er selber dabei einstecken muss.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr ansprechend und hat die Seiten nur so dahinfliegen lassen. Sie schafft es, mit ihren lebendigen Worten die Geschichte greifbar zu machen – ich habe mich als Teil der Mannschaft gefühlt, das Schiff schwanken gespürt und die Wellen tosen gehört. Alle Sinne werden angesprochen – nicht nur die Szenerie vor den Augen, auch der Geschmack von Salz auf den Lippen und das Rauschen des Meeres in den Ohren. Dabei kommt die Autorin ohne lange Beschreibungen aus, vielmehr durch die Handlungen und die einzelnen Charaktere fühlt man sich als Teil der Geschichte. Und zudem habe ich noch eine Menge gelernt – über die Schifffahrt, das Robbenfangen und überhaupt über das Matrosenleben – mit vielen Höhen und Tiefen. Das einzige, was ich vermisst habe, ist ein – ich will mal sagen – historisches Gefühl. Ich habe mich nie im Jahre 1904 gesehen, in dem die Geschichte ja spielt, sondern die Geschichte war irgendwie zeitlos, sie hätte auch früher oder später spielen können.

Das hat aber dem Lesespaß keinen Abbruch getan – die Geschichte hat mich gefesselt und ich fand die Kombination aus Abenteuerroman vor historischer Kulisse mit romantischen Elementen sehr gelungen. Vor allem hat mir gefallen, dass es zu keinem Zeitpunkt kitschig oder unglaubwürdig würde. Und so hat auch das Ende des Buches gut zur Geschichte gepasst.

Mein Fazit
Ein spannender und fesselnder Roman, der Abenteuer, Historie und Liebesgeschichte geschickt miteinander verwebt, ohne dabei jemals kitschig zu werden. Liebenswerte und sehr gut gezeichnete Charaktere in einer ungewöhnlichen Geschichte – das Ganze lebendig geschrieben und angenehm zu lesen. Für mich ein Abenteuerroman für Erwachsene, den ich gerne empfehle.

Reihenfolge der Reihe um Sarah & Peer
1. Die Sehnsucht der Albatrosse
2. Das Geheimnis des Nordsterns


Das kostenlose Leseexemplar wurde mir vom Verlag books2read sowie von Blogg dein Buch zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür! 

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